Ceuta: So verlief die Krisensitzung der EU-Minister

Datum04.08.2026 15:47

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU-Innenminister haben nach dem Ansturm von 72.000 Migranten auf die spanische Exklave Ceuta Einigkeit demonstriert. Laut Spanien sind die meisten Migranten zurückgekehrt; 75 starben bei dem Versuch. EU-Kommissar Brunner bezeichnete den Vorfall als Test für die europäischen Außengrenzen, den Europa "bestanden" habe. Italien und Dänemark kritisierten Spanien zunächst, lobten dann aber die Reaktion. Die 27 Staaten wollen künftige Krisen durch bessere Kommunikation vermeiden und betonten die gemeinsame Verantwortung für die EU-Außengrenzen.

Inhalt72.000 Migranten sind vergangene Woche nach Ceuta gekommen, berichtet Spanien. Nach Anschuldigungen demonstrieren die EU-Innenminister nun Einigkeit. Die Zahl der Toten steigt derweil auf 75. Als vergangene Woche Zehntausende Migranten auf die spanische Exklave Ceuta drängten, dauerte es nicht lange, bis viele der EU-Mitgliedstaaten über Spanien und dessen Migrationspolitik herfielen. Nach einer Krisensitzung demonstrieren die Europäer jetzt Einigkeit. "Es gab in der Runde volle Solidarität mit Spanien", sagte EU-Innenkommissar Magnus Brunner nach einer Videokonferenz der EU-Innenminister. Der Andrang auf Ceuta sei ein "Test für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen" gewesen. Europa habe diesen Test "für den Moment definitiv bestanden", sagte Brunner. Keiner der Migranten sei von der Exklave Ceuta ans spanische Festland und damit in den Schengenraum gelangt, in dem Menschen ohne Grenzkontrollen reisen können. Das teilte auch das spanische Innenministerium mit. Spanien zufolge hatten rund 72.000 Menschen die Exklave teils schwimmend erreicht, die meisten seien inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Am Dienstag befanden sich demnach noch wenige Tausend Migranten in Ceuta. Mindestens 75 Menschen starben nach Regierungsangaben bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen. In den Tagen zuvor hatten mehrere EU-Staaten Spanien schwere Vorwürfe gemacht, darunter Italien und Dänemark. Der dänische Migrationsminister Morten Bødskov sagte nach der Videokonferenz, sein Land sei "sehr zufrieden" damit, wie Spanien auf den Massenandrang reagiert habe. Nach SPIEGEL-Informationen wiederholte auch Italien die scharfe Kritik an Spanien nicht. Vergangene Woche hatte die Regierung von Giorgia Meloni theatralisch verkündet, das Schengenabkommen gegenüber Spanien auszusetzen. Jetzt soll sie hauptsächlich dafür geworben haben, die Asylverfahren außerhalb der EU zu verlegen. Innenminister Alexander Dobrindt drängte nach SPIEGEL-Informationen in der Schalte darauf, dass alle noch in Ceuta verbliebenen Migranten umgehend zurückmüssten. Der CSU-Politiker forderte, die EU müsse alles tun, damit keiner der beim Grenzdurchbruch nach Ceuta gelangten Menschen in den Schengenraum komme. Die 27 Staaten wollen öffentliche Konfrontationen wie in im Fall Ceuta in Zukunft vermeiden. Der Rat der Mitgliedsländer teilte nach der Krisensitzung mit, die "Kommunikation in Krisenzeiten" könne "durch zeitnahe Absprachen verstärkt werden" und solle in Zukunft "kohärenter" sein. "Die EU steht zusammen und ist bereit, Spanien zu unterstützen", betonte nach der Videokonferenz auch der irische Innenminister Jim O'Callaghan. Sein Land hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne. "Die Außengrenzen der EU sind unsere gemeinsame Verantwortung, und Migration erfordert eine geschlossene europäische Antwort", mahnte er. Der Ire lobte Spanien für die "rasche Reaktion". Lesen Sie auch: Statt wegen des Flüchtlingsdramas in Ceuta den Druck auf Marokko zu erhöhen, fielen viele EU-Partner über Madrid her. Die Migrationspanik ist ein Geschenk an jeden, der Europa erpressen will .