Datum04.08.2026 15:13
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Rhein fällt aufgrund anhaltender Trockenheit weiter, neue Tiefstände werden erwartet. Punktuelle Regenschauer reichen nicht aus, um den Wasserstand signifikant zu erhöhen. Die Binnenschifffahrt ist stark eingeschränkt, Schiffe transportieren deutlich weniger Ladung. Eine Konferenz und die Forderung nach einer nationalen Taskforce sowie Mitteln für den Fahrrinnenausbau unterstreichen die Dringlichkeit. Geplante Ausbaumaßnahmen sollen die Schiffbarkeit auch bei Niedrigwasser verbessern.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wie tief fällt noch der Rhein?“. Lesen Sie jetzt „Zu wenig Regen für Trendwende am wichtigen Rhein“. Der punktuelle Regen nach Hitze und Trockenheit gleicht einem Tropfen auf dem heißen Stein. In Nordrhein-Westfalen sind nach dem trockensten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen keine langanhaltenden und so dringend nötigen Niederschläge in Sicht. Für den Rhein werden schon wenige Tage nach den historischen Tiefständen neue Negativrekorde erwartet. Für die Nacht zu Mittwoch erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD), dass noch ein paar Schauer aus Richtung Westen kommend fallen. Ähnlich wie in der Nacht zuvor waren Gewitter und Regen in einem Streifen vorhergesagt, der aber noch südlicher über NRW ziehe. Es könnten punktuell höhere Mengen fallen. Damit der Rhein steige, wären aber langer Regen in der Fläche nötig. Europas größte Wasserstraße führt immer weniger Wasser. Bereits wenige Tage nach den historischen Tiefständen an den großen Rhein-Pegeln in NRW werden weitere Negativrekorde erwartet. Laut einer Prognose des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein könnten am Donnerstag und Freitag noch drastischere Tiefstände in Köln, Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Emmerich eintreten. Für den sehr schmalen Rhein hat am Dienstagmorgen eine Vermessungsaktion begonnen. An mehreren Orten starteten Schiffe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein. Bei der gleichzeitigen Fahrt stromabwärts ging es darum, den Wasserspiegel des Rheins über die gesamte Flussstrecke zu erfassen, wie Moritz Axt, Sprecher des Amtes, im Vorfeld der Aktion schilderte. Das helfe Berechnungsmodelle für Wasserstände und Strömungsverhältnisse zu überprüfen. Bei einem Vergleich mit früheren Messungen könnten auch Veränderungen der Flusssohle des Rheins durch Erosion oder Ablagerung erkannt werden. Die neuen Daten lieferten wichtige Informationen für die Ermittlung der Fahrrinnentiefen für die Schifffahrt, erläuterte Axt. Die Fahrrinne des Rheins ist deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer. Das variiert jedoch von Abschnitt zu Abschnitt. Frachtschiffe können auf dem Rhein in NRW weiter fahren, allerdings mit weniger Ladung als sonst üblich. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt weist angesichts der niedrigen Wasserstände am Rhein und an der Donau auf erheblichen Mehraufwand und Mehrkosten hin. "Je nach Ladung und Fahrtgebiet sind Schiffe mit weniger als einem Viertel der sonst üblichen Zuladung unterwegs." Die Güter müssten deshalb auf deutlich mehr Schiffe verteilt werden. Angesichts des historischen Niedrigwassers am Rhein ist für Donnerstag eine Konferenz in Bonn geplant, zu der der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) eingeladen hat. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat aus aktuellem Anlass bereits die Einrichtung einer nationalen Taskforce angemahnt, bei der Vertreter von Bundesregierung, Ländern, Kommunen und der Logistikbranche zusammenkommen sollen. Krischer forderte am Wochenende vom Bund Geld für den Fahrrinnen-Ausbau:"Mittelfristig müssen längst vereinbarte Projekte endlich auf den Weg gebracht werden", sagte der Landesminister. So müsse der Bund das Geld für den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln bereitstellen. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung kann nach seiner Darstellung den baureifen zweiten Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf nicht umsetzen, weil die Bundesregierung 2025 die Mittel dafür gestrichen habe. Der Ausbau der Fahrrinne soll den Rhein auch bei Niedrigwasser besser schiffbar machen. Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums sollen dafür unter anderem an einzelnen Stellen große Steine entfernt werden, die in die Fahrrinne ragen. Dadurch könnten Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren, ohne auf Grund zu laufen. Auf dem ersten Bauabschnitt zwischen Duisburg und Krefeld seien die Arbeiten umgesetzt worden. Die Maßnahmen für den dritten Abschnitt zwischen Düsseldorf und Köln seien noch in Planung. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hatte darauf verwiesen: "Der Rhein war immer die Lebensader unserer Industrie." Eine Vertiefung der Fahrrinne von Basel bis Rotterdam sei keine Option, wie eine Sprecherin ihres Ministeriums ergänzte. Es gehe um punktuelle Projekte zur Beseitigung von Flach- und Engstellen, für die der Bund keine ausreichenden Mittel bereitstelle. © dpa-infocom, dpa:260804-930-480215/2