Unternehmer fremdeln mit der Teilkrankschreibung

Datum04.08.2026 11:15

Quellewww.spiegel.de

TLDRUnternehmer sind der Teilkrankschreibung skeptisch gegenüber. Eine Ifo-Erhebung zeigt, dass fast die Hälfte sie nicht für sinnvoll hält, da sie schwierige Abgrenzungsfälle und zusätzlichen organisatorischen Aufwand befürchten. Zwar soll die Regelung ab 2028 Arbeitszeitreduzierungen ermöglichen und Krankschreibungen dämpfen, doch wird sie hauptsächlich in der Administration als umsetzbar angesehen. Unternehmen erwarten mehrheitlich keine wesentlichen positiven Effekte, hoffen aber vereinzelt auf kürzere Fehlzeiten und schnellere Rückkehr.

InhaltViele Unternehmer sind laut einer Ifo-Erhebung skeptisch gegenüber Teilkrankschreibungen. Sie befürchten schwierige Abgrenzungsfälle – auch wenn sie profitieren könnten. Im Streit über das Ende der telefonischen Krankschreibung und die Attestpflicht ab dem ersten Tag  ist die Teilkrankschreibung etwas in den Hintergrund gerückt. Dabei soll auch sie helfen, den in Deutschland im internationalen Vergleich eher hohen Krankenstand einzudämmen. Die Idee dahinter: Statt komplett auszufallen, könnten Beschäftigte nur bestimmte Aufgaben nicht übernehmen oder kürzer als sonst arbeiten. Unter Unternehmern stößt die Teilkrankschreibung laut einer Erhebung des Personaldienstleisters Randstad und dem Ifo-Institut allerdings noch auf wenig Gegenliebe. Fast die Hälfte hält es demnach nicht für sinnvoll, dass sich Beschäftigte künftig auch teilweise krankmelden können. Nur etwa jedes vierte Unternehmen finde diese Möglichkeit hilfreich, weitere 25 Prozent stehen dem Instrument neutral gegenüber. Die neue Teilkrankschreibung hat der Bundestag zusammen mit dem sogenannten GKV-Stabilisierungsgesetz beschlossen . Bei länger andauernden Erkrankungen soll dabei eine teilweise Arbeitsunfähigkeit ärztlich festgestellt werden können, also etwa eine Arbeitsunfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent. Beschäftigte sollen ihre Arbeitszeit entsprechend reduzieren können, die neue Regelung soll am 1. Januar 2028 in Kraft treten. "Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig", kommentiert Ifo-Forscher Jonas Hennrich die Skepsis der Unternehmer. "Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand." Wie aus der Erhebung hervorgeht, ist die Teilkrankschreibung nach Ansicht der Unternehmen auch nicht in jedem Bereich umsetzbar: am ehesten in der Administration (55 Prozent). Im Vertrieb/Kundenservice sehen 33 Prozent einen möglichen Einsatz dieses Instruments. In der Logistik (11 Prozent) und in der Produktion (8 Prozent) wiederum ist die Teilkrankschreibung den Angaben zufolge wenig geeignet. Die Hälfte der Unternehmen erwarte keine wesentlichen positiven Effekte dieses Instruments, heißt es. Jeweils ein Drittel der Unternehmen hoffe dagegen bei solchen Krankschreibungen auf kürzere Fehlzeiten beziehungsweise auf eine schnellere Rückkehr erkrankter Mitarbeitender. 21 Prozent der Unternehmen halten es laut Studienautoren für möglich, dass erkrankte Fachkräfte trotz gesundheitlicher Einschränkungen länger arbeiten; 12 Prozent erwarten demnach eine flexiblere Personalplanung.