Datum04.08.2026 08:04
Quellewww.zeit.de
TLDRFortuna Düsseldorf startet nach einem radikalen Umbruch und dem Abstieg in die 3. Liga mit großer Hoffnung und Fanunterstützung. Zahlreiche Abgänge, darunter Leistungsträger, und massive finanzielle Einbußen prägen die neue Realität. Sportvorstand Samir Arabi, erfolgreich bei Arminia Bielefeld, leitet den Neuaufbau mit 15 Neuzugängen und preiswerten Verpflichtungen. Trotz der schwierigen Situation haben 19.000 Fans Dauerkarten erworben.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Hoffnung in Düsseldorf“. Lesen Sie jetzt „Nach XXL-Umbruch: Fortuna startet mit Rückhalt in 3. Liga“. "Steh auf, wenn du am Boden bist." Natürlich sind es Zeilen der Toten Hosen, die bei Fortuna Düsseldorf für Aufbruchsstimmung nach dem bitteren Abstieg in die 3. Liga sorgen sollen. Die Fanszene ruft mit dem prägenden Satz der Düsseldorfer Rock-Band vor der ersten Drittligasaison seit 17 Jahren zum Kauf von Dauerkarten und zur Unterstützung der Fortuna in schweren Zeiten auf. Am Boden ist Fortuna Düsseldorf ohne Frage: Der Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga hat bei dem Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen seine Spuren hinterlassen. Nur sieben Profis aus dem Zweitliga-Kader blieben, weil die meisten Spieler nicht mit einem Vertrag für die 3. Liga ausgestattet waren. Top-Stürmer Cedric Itten, Eigengewächs Shinta Appelkamp und Identifikationsfigur Florian Kastenmeier sind nur einige der bekannten Spieler, die gehen mussten. Die finanziellen Ausmaße des Falls aus dem System der 36 besten deutschen Clubs hatte der damalige Sportvorstand Sven Mislintat kurz nach dem Abstieg deutlich gemacht. "Das Fernsehgeld sinkt drastisch von etwa 17 Millionen auf 1,2 Millionen plus einen kleinen Rettungsanker. Das ist ein Verlust von 14 Millionen Euro", sagte Mislintat. "Der Kaderwert ist massiv gesunken. Wir können nichts schönreden: Wir haben einen riesigen Job vor uns." Ausführen sollte Mislintat diesen Job zur Vorbereitung auf die 3. Liga dann aber nicht mehr. Kurze Zeit nach dem Zweitliga-Abstieg wurde Samir Arabi als neuer Sportvorstand und Nachfolger von Mislintat vorgestellt. Arabi hatte die sportliche Leitung bei Arminia Bielefeld im Jahr 2011 in einer ähnlichen Situation übernommen. Der 47-Jährige führte die Bielefelder damals aus der 3. Liga zwischenzeitlich bis zurück in die Bundesliga, ehe er sich im März 2023 aus Bielefeld verabschiedete. Personelle Einschnitte und Veränderungen gab es in Düsseldorf nicht nur im Profi-Kader und auf der hohen sportlichen Führungsebene. Mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden nach dem Absturz der Fortuna entlassen. Darunter auch die Angestellten des legendären Fortuna-Fanshops am Flinger Broich, der aus finanziellen Gründen geschlossen werden musste. "Es tut mir und uns von Herzen leid, dass wir diesen Schnitt machen müssen, zum Erhalt dieses Vereins", sagte der sichtlich betroffene Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst zu den Entlassungen. "All diejenigen können gar nichts für den Abstieg." Getreu der Toten Hosen geht es nach all den Rückschlägen aber ja erst recht darum, sich aufzurichten und wieder aufzustehen. Der Aufgabe nimmt sich vor allem Arabi an. In Innenverteidiger Dominique Heintz vom Rhein-Rivalen 1. FC Köln, Stürmer Fabian Schleusener und Mittelfeldspieler Philipp Förster (beide vom Karlsruher SC) verpflichtete der Sportvorstand erfahrene und ablösefreie Spieler. Insgesamt kamen 15 Neue nach Düsseldorf, zudem rücken einige Jugendspieler auf. Einige bekannte Gesichter sind geblieben. Neben Cheftrainer Alexander Ende geht auch Defensivspieler Matthias Zimmermann mit der Fortuna in die neue Saison. Vor seiner neunten Saison mit der Fortuna zeigt sich der 34-Jährige optimistisch. "Ich glaube, dass die Mannschaft hier gut zusammengestellt ist", meinte der gebürtige Karlsruher. Die neu formierte Mannschaft habe die nötige Qualität, in der 3. Liga seien aber auch Einsatz und Leidenschaft entscheidend. Der Rückhalt ist trotz des Abstiegs groß: 19.000 Fans bestellten sich für die 3. Liga eine Dauerkarte, lediglich 1.500 weniger als in der Vorsaison. Unterstützung gibt es auch von der Stadt. Berichten zufolge wurde die Miete für das städtische Stadion zur neuen Saison etwa um die Hälfte reduziert. Demnach spart Fortuna knapp 700.000 Euro. Zum Saisonauftakt reisen die Düsseldorfer am Freitag zu Waldhof Mannheim, der Gästeblock wird ausverkauft sein. Traditionsreich geht es auch in den brisanten Landesduellen mit den Rivalen MSV Duisburg (5. Spieltag) und Rot-Weiß Essen (18. Spieltag) zu. Doch zur neuen Realität gehören auch die Partien gegen den TSV Havelse, die SG Sonnenhof Großaspach und jene im Niederrheinpokal auf Amateurplätzen. Das erste Drittliga-Heimspiel klingt ebenfalls wenig glamourös: Am 15. August gastiert die Zweitvertretung der TSG Hoffenheim in der Merkur-Spiel-Arena. © dpa-infocom, dpa:260804-930-480768/1