Datum04.08.2026 07:59
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Ehepaar Liss erhält den Deutschen Denkmalschutzpreis 2026 für die Sanierung der Burgruine Wallrabenstein. Trotz anfänglicher Naivität und hohem Eigenaufwand bewahren die Besitzer das historische Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert für zukünftige Generationen. Sie investierten rund 200.000 Euro, erhielten aber auch staatliche und stiftungsgeldbasierte Unterstützung. Die Ruine ist eine wichtige Landmarke und bietet Lebensraum für Tiere, ist aber nicht öffentlich zugänglich.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Denkmalschutz“. Lesen Sie jetzt „Wie es sich mit eigener Burg im Garten lebt“. Wer aus dem gemütlichen Fachwerkhaus des Ehepaars Liss in den hinteren Garten hinaustritt, steht vor einer mittelalterlichen Burg. Es sind zwar genau genommen nur die Reste des Gemäuers, aber auch als Ruine sorgt die Burg Wallrabenstein in Hünstetten im Taunus für einen "Wow"-Moment. Ihre Besitzer Lauren und Dirk Liss haben sie mit viel Engagement und Eigenleistung saniert - dafür werden sie dieses Jahr mit dem Deutschen Denkmalschutzpreis 2026 geehrt. Wie kommt man zu einer Burg im Garten? "Die Liebe zu alten Gemäuern war da. Zudem haben wir nach etwas Besonderem geschaut, etwas mit Charakter", erzählt Dirk Liss. Als dem Paar nach rund einem Jahr Immobiliensuche das Fachwerkhaus mit der Burg angeboten wurde - "da haben wir uns direkt verliebt". Dirk Liss gibt aber auch zu: "Was die Burg anbelangt, da waren wir extrem naiv." Dennoch hat das Paar den Kauf nie bereut. "Es ist sehr viel Arbeit, aber man hat etwas Einzigartiges", sagt Dirk Liss. Seine Frau Lauren ergänzt: "Es war für uns nie eine Option zuzuschauen, wie alles zerfällt." Es sei ihnen wichtig gewesen, das Gemäuer für künftige Generationen zu erhalten. Schließlich hätten sich auch in der Vergangenheit Menschen für die Burg engagiert - "sonst stände sie nach 650 Jahren nicht mehr da". Nachdem das Ehepaar Liss vor zwölf Jahren das Anwesen gekauft hatte, sanierte es zunächst rund acht Jahre lang das Fachwerkhaus. Danach kam die Burg dran. "Die Türme waren in schlechtem Zustand, Steine fielen herab, und Büsche wuchsen im Mauerwerk", berichtet Dirk Liss. "Teile der Mauerkrone waren abgerutscht, und eine große Schildmauer war derart unterhöhlt, dass sie drohte den Hang hinabzustürzen." Das Paar hat viel in Eigenleistung für die Burg getan - aber wurde auch von Bundes- und Landesmitteln für die Denkmalpflege und von der Stiftung Denkmalschutz unterstützt. Rund 200.000 Euro steckte das Paar aus der eigenen Tasche in das Gemäuer. "Wir werden hier nie fertig, aber wir sind viel weiter gekommen, als wir gedacht haben", resümiert Dirk Liss. Während der Sanierung hätten sie tolle Menschen kennengelernt und viel Unterstützung aus der Nachbarschaft erfahren, sagt Lauren Liss. "Außerdem ist die Burg ein toller Ort für Tiere." Mauersegler brüten in den alten Rüstlöchern der hohen Burgmauer. Diese Löcher sind Überbleibsel alter Balken, die als Fixpunkte für ein Gerüst in der Mauer verbaut wurden. In einem Loch hat auch ein Falkenpaar vier Junge großgezogen. Im Frühjahr saßen Lauren und Dirk Liss abends oft stundenlang im Garten, um die Vogelfamilie zu beobachten. Den Hessischen Denkmalschutzpreis hatten die beiden bereits 2024 bekommen - nun ist die Freude über den Deutschen Denkmalschutzpreis riesig: "Es ist nicht das Schloss Neuschwanstein oder das Brandenburger Tor - es ist nur eine kleine Burgruine", sagt Dirk Liss. Der Preis sei eine große Anerkennung ihrer Arbeit - "dass wir es richtig gemacht haben". Laut Begründung der Jury des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wird das Ehepaar für sein "idealistisches Engagement" geehrt, die 1393 erstmals urkundlich erwähnte Schildmauerburg zu erhalten. Das Gemäuer sei von archäologisch und bauhistorisch großer Bedeutung, drohte aber endgültig zu verfallen. Mit der Sanierung hätten die beiden die "prägende Landmarke im Wörsbachtal" erhalten, ohne jeglichen wirtschaftlichen Eigennutzen. Die Burg ist nicht öffentlich zugänglich. "Wenn aber jemand Interesse hat und wir es einrichten können, dann zeigen wir den Menschen gerne die Burg", sagt Dirk Liss. Auch am "Tag des offenen Denkmals" kann man sich das Anwesen aus der Nähe anschauen. Nach Angaben der Gemeinde wurde die Burg von Graf Walram IV. von Nassau-Idstein erbaut. Bis in das Jahr 1549 hinein soll sie bewohnt und in einem guten Zustand gewesen sein, bevor sie im 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) teilweise zerstört wurde. In der Ruine sind noch große Teile der Schildmauer, des Bergfrieds sowie zwei Ecktürme erhalten. Eine Frage, die das Ehepaar Liss schon öfter gehört hat, ist die nach einem Burggespenst. "Nein, gibt es nicht", sagt Lauren Liss. Allerdings habe eine Freundin ihr zum Einzug ein selbstgebasteltes Gespenst geschenkt. © dpa-infocom, dpa:260804-930-480245/2