CDU: Thorsten Frei will nicht zwingend eine Frau im Bundespräsidenten-Amt

Datum04.08.2026 07:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRUnionsfraktionschef Thorsten Frei lehnt die zwingende Wahl einer Frau zur Bundespräsidentin ab. Er betont, dass beide Geschlechter möglich sein sollten. Frei plädiert für eine Entscheidung nach den Landtagswahlen, wenn die Bundesversammlung feststeht. Er mahnt zur Zurückhaltung bei Personaldebatten und hebt die Bedeutung des Bundespräsidenten als "Stabilitätsanker" hervor. Die Wahl findet am 30. Januar statt, ein Jahr nach Joachim Gaucks Aussage, dass eine Frau überfällig sei, aber die Entscheidung nicht nur auf das Geschlecht reduziert werden dürfe.

InhaltIm Januar wird ein neuer Bundespräsident gewählt – oder eine Bundespräsidentin. Viele können sich eine Frau als Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier vorstellen. Unionsfraktionschef Frei geht nun auf die Bremse. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) hat Forderungen zurückgewiesen, das Amt des Bundespräsidenten müsse bei der nächsten Wahl zwingend an eine Frau gehen. "Aus meiner Sicht muss beides möglich sein", sagte Frei dem Sender "Welt-TV". Es spreche zwar "sicherlich einiges dafür, dass das Amt auch einmal von einer Frau ausgeführt wird", dies sei aber nicht unumstößlich. "Wir sollten da offen rangehen." Zugleich warnte Frei vor zu schnellen Festlegungen auf Nachfolger für die Rolle des Bundespräsidenten und plädierte für eine Entscheidung im Herbst, nach den Landtagswahlen. Erst dann stehe die Zusammensetzung der Bundesversammlung fest, sodass man über Mehrheiten nicht mehr spekulieren brauche. Mit Blick auf Personaldebatten in der Union mahnte Frei zur Zurückhaltung. Die Parteivorsitzenden sollten "miteinander sprechen" und "die Für und Wider gegeneinander abwägen", sagte er. In "politisch turbulenten Zeiten" könne dem Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin womöglich eine noch wichtigere Rolle als "Stabilitätsanker unserer Gesellschaft" zukommen. Das nächste deutsche Staatsoberhaupt nach dem amtierenden Präsidenten Frank-Walter Steinmeier wird am 30. Januar kommenden Jahres von der Bundesversammlung gewählt. Ende Juni hatte der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck der "Welt am Sonntag" gesagt, er halte eine Frau als Staatsoberhaupt für überfällig. Allerdings warnte das frühere Staatsoberhaupt auch: "Wenn die Debatte rein auf die Geschlechterfrage reduziert wird, ist das in der Tat nicht gut. Ein Mann an der Spitze muss selbstverständlich weiter möglich sein. Was wir primär brauchen, ist eine überzeugende, integrierende Figur." Diskutiert wird unter anderem auch, ob der nächste Bundespräsident oder die erste Bundespräsidentin aus einer der Parteien kommen sollte – oder ob es jemand ohne enge Bindungen in den Politikbetrieb sein sollte wie damals Gauck.