Datum04.08.2026 06:30
Quellewww.zeit.de
TLDRJunge Rechtsextremisten in Hamburg-Bergedorf übernehmen den Skinhead-Style der 80er/90er Jahre. Diese volatile Jugendgruppe ist kaum in traditionellen Strukturen organisiert und weist eher Ideologiefragmente als ein geschlossenes Weltbild auf. Soziale Medien spielen eine große Rolle bei der Vernetzung. Oft sind sie gesellschaftlich benachteiligt und suchen Sündenböcke. Ein Thema ist auch "Pedo-Hunting".
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Rechtsextremismus“. Lesen Sie jetzt „Comeback des Skinhead-Styles bei jungen Rechtsextremisten“. Sie kommen in Bomberjacken, hochgekrempelten Jeans und Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln daher. Doch die jungen Rechtsextremisten, die wieder wie einst die Skinheads der 1980er- und 1990er-Jahre auftreten, seien eher eine Kopie der Szene von damals, "aber eine nicht besonders intelligente", sagt Hamburgs Verfassungsschutzchef Torsten Voß. Es gehe bei den Gruppen, die mit diesem äußeren Erscheinungsbild im ersten Quartal des Jahres vermehrt in Hamburg-Bergedorf aufgetreten seien, um subkulturellen Rechtsextremismus, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. "Ihre Mitglieder sind in der traditionellen organisierten rechtsextremistischen Szene kaum bis gar nicht verhaftet, sondern sie haben sich als eine volatile Jugendgruppe gebildet, die Teile des Styles der 80er- und 90er-Jahre übernommen hat", sagt Voß. "Sie sind alle noch sehr jung, teilweise nicht einmal 18 Jahre alt." Diese neuen Skins träten dissoziiert auf – also in unterschiedlichen Gruppen, die nicht unbedingt Bezug untereinander haben. Manche kämen auch aus anderen Bundesländern in den Osten Hamburgs. "Ein besonderer Schwerpunkt an entsprechenden politisch motivierten Straftaten ist in Bergedorf indes nicht festzustellen", sagt der Verfassungsschutzchef. Die Mitglieder und Sympathisanten dieser Jugendgruppen hätten meist kein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild, sondern wiesen lediglich rechtsextremistische Ideologiefragmente auf. "Dabei werden klassische rechtsextremistische Feindbilder und Argumentationsmuster wie etwa die Abwertung ethnisch-religiöser Minderheiten übernommen." Eine große Rolle spielten die sozialen Medien: "Man lernt sich erst einmal digital kennen und trifft sich dann erst später vor Ort." Feste Strukturen gebe es nicht. "Nicht selten handelt es sich um Menschen, die – wenn Sie sich die Sozialisation angucken – gesellschaftlich benachteiligt oder abgehängt sind oder sich so fühlen." Hier gebe es aber durchaus Ähnlichkeiten zur Skinhead-Bewegung von früher. Man teile ähnliche Narrative, sagt Voß. "Nach dem genauso einfachen wie falschen Motto: Schuld daran hat der Ausländer, dass ich keine Arbeit habe, dass ich keine Frau bekomme, dass ich zu wenig Geld habe." Unter diesem Sündenbock-Prinzip fänden sich die Mitglieder dieser Gruppen zusammen, "und im zweiten oder dritten Schritt steht dann vielleicht irgendwann mal die Hakenkreuzflagge oder andere Symbolik". Ein Thema in diesen Gruppen sei auch das sogenannte Pedo-Hunting – also die Jagd auf Pädophile. "Es gibt Fälle, in denen sich Rechtsextremisten mit ihren späteren Opfern im Internet verabreden, ihnen auflauern und sie dann zusammenschlagen", sagt Voß. Auch in Bergedorf habe es in diesem Zusammenhang einzelne Vorfälle gegeben. © dpa-infocom, dpa:260804-930-480581/1