Datum03.08.2026 17:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRRumänien sprengte Felsen in einem Donau-Arm, um das AKW Cernavoda mit ausreichend Kühlwasser zu versorgen. Der sinkende Pegel der Donau aufgrund von Dürre bedrohte die Stromproduktion des Kraftwerks, das 20% des rumänischen Bedarfs deckt. Die Aktion soll auch die Schifffahrt erleichtern. Eine Abschaltung drohte, falls die Wasserversorgung nicht gesichert werden kann. Ungarn erwägt ebenfalls die Abschaltung seines Atomkraftwerks wegen Niedrigwasser.
InhaltDie rumänische Marine hat einen Felsen gesprengt, um mehr Wasser zum Kernkraftwerk Cernavoda zu leiten. Das AKW war durch die Dürre von der Abschaltung bedroht. Auch die Schifffahrt profitiert offenbar. In Rumänien hat das Militär in den Verlauf der Donau eingegriffen, um die Energieversorgung des Landes zu sichern: Die Armee sprengte im Bett eines Donau-Arms einen Felsen, um mehr Wasser zum Kernkraftwerk Cernavoda zu leiten. Das AKW bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau, deren Wasserstand dramatisch gesunken ist. Das Kraftwerk stand laut Angaben aus Bukarest in Ermangelung von Kühlwasser vor der Abschaltung. Im Bett des Donau-Arms bei Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts von Cernavoda, sprengten Soldaten den durch die Dürre freigelegten Felsen. Dessen Trümmer sollen binnen zwei Tagen mit Lastkähnen an eine bestimmte Stelle in einem Donau-Arm gebracht und versenkt werden, um dort den Wasserstand zu erhöhen, sodass mehr Wasser zum AKW im Osten des Landes gelangt. Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete die Sprengung als Erfolg. Man hoffe, dass diese dem AKW genügend Wasser bringen werde. Sicher sei, dass dadurch die Donau-Schifffahrt erleichtert werde. Sollte die teilweise Fluss-Umleitung scheitern, müsse das AKW spätestens an diesem Donnerstag ganz abgeschaltet werden, sagte der Minister weiter. Bereits vergangene Woche war einer der zwei Reaktoren in Cernavoda wegen Kühlwassermangels heruntergefahren worden. Zunächst hatten die Behörden auch die Abschaltung des zweiten Reaktorblocks erwogen, dies aber schlussendlich unterlassen und die Umleitung von Donauwasser beschlossen. Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der Wassermenge, die durchschnittlich in dieser Jahreszeit gemessen wurde. Es wird erwartet, dass der Wasserstand in den nächsten Tagen weiter sinkt. Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Strom und somit 20 Prozent des rumänischen Bedarfs. Der erste Reaktor vom kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite im Jahr 2007. Wegen der niedrigen Pegelstände der Donau bereitet Ungarn sich aktuell darauf vor, sein einziges Atomkraftwerk herunterzufahren. Die ungarische Regierung hat bereits dazu aufgerufen, den Stromverbrauch zu drosseln und Wasser zu sparen. Betroffen sind vor allem Unternehmen.