Datum03.08.2026 15:23
Quellewww.spiegel.de
TLDRGenanalysen an chilenischen Mumien bestätigen, dass Europa die Pocken nach Amerika einschleppte. Die Erbgutuntersuchung von Pockenviren aus der Kolonialzeit liefert den ersten molekularen Beweis für die europäische Herkunft der Krankheit. Die Pocken, verursacht durch das Variola-Virus, trugen maßgeblich zum katastrophalen Bevölkerungsrückgang indigener Völker Amerikas bei. Die gefundenen Viren stammen von einer ausgestorbenen Linie.
InhaltMillionen Indigene sind während der Kolonialzeit in Amerika durch eingeschleppte Krankheiten gestorben. Nun haben Forscher anhand von Erbgutanalysen bestätigt: Auch die Pocken kamen aus Europa. Die Europäer waren es: Durch Analysen von Pocken-Erbgut aus Mumien in Chile hat ein internationales Forschungsteam den bislang eindeutigsten Beweis dafür geliefert, dass die auch in Amerika verheerende Krankheit aus Europa stammte. "Diese Entdeckung liefert den ersten molekularen Nachweis dafür, dass die Pocken während der Kolonialzeit (...) eingeschleppt wurden", fasst Shigeki Nakagome vom Trinity College Dublin die Forschungsergebnisse zusammen. Die Erkenntnisse stützen bisherige Annahmen zur Ausbreitung der Infektionskrankheit. Das Forschungsteam aus Irland, Chile und Japan hatte nach eigenen Angaben die ersten Pockengenome aus der Kolonialzeit analysiert, die in Amerika gewonnen worden waren. Es untersuchte dafür zwei mumifizierte Leichen indigener Menschen, die zwischen dem späten 15. und frühen 17. Jahrhundert im Norden Chiles bestattet worden waren, heißt es in der Pressemitteilung der irischen Universität. Die durch das Variola-Virus verursachten Pocken spielten eine wesentliche Rolle bei dem katastrophalen Bevölkerungsrückgang, den die indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika nach der Ankunft der Europäer erlebten. Das Virus trat laut Studie in Wellen auf und habe in Amerika schätzungsweise drei bis vier Millionen Todesfälle verursacht, möglicherweise sogar mehr, insbesondere unter indigenen Bevölkerungsgruppen ohne vorherigen Kontakt zu den Viren. Bislang gab es dem Team zufolge keine direkten genetischen Belege, die die Ausbrüche in Amerika während der Kolonialzeit mit den in der Alten Welt zirkulierenden Stämmen in Verbindung brachten. Die Studie, die in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Viren zu einer inzwischen ausgestorbenen Linie des Pockenvirus gehörten. Diese liegt evolutionär zwischen mittelalterlichen europäischen Stämmen und denen, die in späteren Jahrhunderten zirkulierten. In Deutschlands Hauptstadt hat sich das West-Nil-Virus etabliert. Auch andere von Stechmücken übertragene Erreger breiten sich in Deutschland aus. Was Sie jetzt über die Risiken wissen müssen, lesen Sie hier .