Myanmars Militär veröffentlicht seltene Bilder mit Aung San Suu Kyi

Datum03.08.2026 12:19

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas Militär Myanmars veröffentlichte seltene Bilder der inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi bei einem Treffen mit dem IKRK. Nach Jahren der Isolation gibt es damit erstmals verlässliche Informationen zu ihrem Zustand. Die Veröffentlichung kurz vor einem Staatsbesuch des Armeechefs könnte eine strategische Maßnahme sein, um Suu Kyis Wohlergehen zu demonstrieren und möglicherweise humanitäre Bedenken im Vorfeld des Besuchs zu zerstreuen.

InhaltJahrelang gab es kaum verlässliche Informationen über den Zustand von Aung San Suu Kyi. Nun zeigte das Militär von Myanmar Bilder der Friedensnobelpreisträgerin. Grund könnte ein bevorstehender Staatsbesuch sein. Seit dem Militärputsch in Myanmar vor fünfeinhalb Jahren ist die frühere Regierungschefin Aung San Suu Kyi in Haft. Nun ist erstmals ein Treffen mit einem ausländischen Vertreter öffentlich bekannt geworden. Die Militärregierung veröffentlichte Aufnahmen, die die Friedensnobelpreisträgerin (81)  bei einem Treffen mit dem Myanmar-Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Arnaud de Baecque, zeigen. Das Staatsfernsehen berichtete, das Treffen habe am Morgen (Ortszeit) stattgefunden. Wo Suu Kyi und De Baecque zusammenkamen, wurde nicht bekannt. Die Aufnahmen zeigen beide in einem holzvertäfelten Raum. Zu ihrem Aufenthaltsort und Gesundheitszustand gab es zuvor jahrelang kaum verlässliche Informationen. Das Rote Kreuz bestätigte das Treffen in einer Mitteilung. "Der Besuch erfolgte gemäß den Standards und Verfahren des IKRK für Besuche bei Inhaftierten", hieß es darin. "Dazu gehörte auch die Gelegenheit, mit Aung San Suu Kyi unter vier Augen zu sprechen." Weitere Details zu den Inhalten des Gesprächs wurden nicht bekannt. Suu Kyis Sohn Kim Aris sprach in sozialen Medien von einem Zeichen der Hoffnung. "Dies ist ein wichtiger erster Schritt, aber er darf nicht der letzte sein", schrieb der 49-Jährige auf Facebook. Er hoffe, der IKRK-Besuch führe zu einem besseren humanitären Zugang, direktem Kontakt mit seiner Mutter, glaubwürdigen Informationen über ihr Wohlergehen und letztlich zu ihrer Freilassung. Die Militärregierung veröffentlichte auch Bilder vom 81. Geburtstag der früheren Freiheitsikone im Juni, auf denen sie einen Geburtstagskuchen anschneidet. Suu Kyi steht seit dem Militärputsch vom Februar 2021 unter Arrest. Damals hatte das Militär die demokratisch gewählte Regierung gestürzt und die Politikerin festgenommen. Seitdem war sie weitgehend von der Außenwelt abgeschirmt. Später wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Immer wieder gab es Sorge um ihren Gesundheitszustand, unter anderem war von Herzproblemen die Rede. Nach Angaben der Behörden wurde sie Ende April aus einem Gefängnis in Hausarrest verlegt. Suu Kyi war jahrzehntelang die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis für ihren gewaltlosen Einsatz für Demokratie. Bereits von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest. Seit dem Putsch von 2021 befindet sich das Land in einer schweren Krise. Die Entmachtung der gewählten Regierung hatte damals landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt ausgelöst. Seither prägen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen die Junta das Land. Nach einer international sehr umstrittenen Wahl im Januar wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum Präsidenten erklärt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht. Die Veröffentlichung der Fotos erfolgte nur wenige Tage vor einem geplanten offiziellen Besuch Min Aung Hlaings im Nachbarland Thailand. Mehr über die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, ihre Rolle als Gesicht des gewaltlosen Widerstands in Myanmar, und ob sie ihrem Volk noch einmal Hoffnung geben kann, lesen Sie hier .