Datum03.08.2026 12:08
Quellewww.zeit.de
TLDRFifa-Präsident Gianni Infantino steht nach seinen umstrittenen Investorenplänen unter Druck. Die Pläne, die er inzwischen zurückzog, stießen auf breite Kritik und führten zu Forderungen nach seinem Rücktritt. Mögliche Herausforderer für die nächste Wahl 2027 sind unter anderem UEFA-Präsident Čeferin, Scheich Salman, Mattias Grafström und Victor Montagliani. Die UEFA droht mit rechtlichen Schritten und einem Amtsenthebungsverfahren, während bereits erste Verbände ihre Unterstützung für Infantinos Wiederwahl zurückgezogen haben.
InhaltAngesichts der Kritik an Gianni Infantino scheint ein Wechsel an der Fifa-Spitze möglich. Wann könnte er abgewählt werden? Wer sind die Herausforderer? Ein Überblick Erst vor wenigen Wochen gab Fifa-Präsident Gianni Infantino bekannt, erneut für den Posten des Chefs des Weltfußballverbandes kandidieren zu wollen. Und noch vor wenigen Wochen hätten wohl die wenigsten damit gerechnet, dass er damit scheitern könnte. Doch nun steht Infantino wegen seiner Investorenpläne in der Kritik. Die Rede ist von "Vertrauensverlust"; Verbände fordern Konsequenzen. Ein Wechsel an der Fifa-Spitze scheint möglich. Welche Möglichkeiten gibt es? Und wer sind die möglichen Herausforderer? Die nächste Wahl des Fifa-Präsidenten findet beim Fifa-Kongress am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat statt. Gianni Infantino will erneut antreten. Einen offiziellen Gegenkandidaten gibt es bisher nicht. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen einreichen. Der Präsident des Europäischen Fußball-Verbands (Uefa), Aleksander Čeferin, gilt als einer der größten Kritiker von Gianni Infantino – nicht erst seit den Investorenplänen des Fifa-Präsidenten. Der Slowene gibt sich gerne als Gegenentwurf zu Infantino, hat aber bei der Uefa selbst die Vermarktung vorangetrieben. Für Čeferin käme ein Wechsel zur Fifa gelegen. Nach zehn Jahren im Amt kann er 2027 nicht mehr als Uefa-Präsident kandidieren. Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa hatte 2016 Gianni Infantino schon einmal herausgefordert. Damals setzte sich Infantino aber knapp gegen den Funktionär aus Bahrain durch, der sich mit Vorwürfen der Korruption und Verletzung der Menschenrechte konfrontiert sah. Infantinos Investorenpläne lehnte der asiatische Fußballdachverband AFC, dessen Präsident Al Khalifa ist, ab. Mattias Grafström ist seit 2024 Fifa-Generalsekretär und eigentlich ein enger Vertrauter von Infantino. Medienberichten zufolge soll sich der 45-jährige, der wie Infantino in der Schweiz geboren wurde, aber Chancen auf den Posten ausrechnen. Der Kanadier Victor Montagliani ist seit 2016 Präsident des Kontinentalverbands für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (Concacaf). Die Concacaf stand eigentlich hinter Infantino, und Montagliani strebt eigentlich eine Wiederwahl an die Concacaf-Spitze an, doch die Investorenpläne sorgten auch in diesem Verband für Ärger. Norwegens Verbandschefin Lise Klaveness legt sich seit Jahren immer wieder mit der Fifa an. Sie kritisierte die Investorenpläne besonders deutlich. "Mein klarer Eindruck ist, dass er sehr viel Vertrauen verloren hat", sagte sie mit Blick auf Infantino. Ob sie Interesse hat, Fifa-Chefin zu werden, ist allerdings unklar. Im Gespräch ist auch Nasser Al-Khelaifi, der Vorsitzende der Interessenvertretung European Football Clubs (EFC). Er ist seit 2011 Präsident von Paris Saint-Germain sowie im Vorstand des Sport- und Unterhaltungsnetzwerks beIN. Al-Khelaifi ließ allerdings bereits mitteilen, dass er kein Interesse hat, Infantino an der Fifaspitze nachzufolgen. Gianni Infantino könnte theoretisch auch vor der Wahl im März 2027 seinen Posten verlieren. Diese Möglichkeiten gibt es: Infantino hatte geplant, mit dem potenziellen Verkauf von bis zu 20 Prozent der kommerziellen Fifa-Rechte etwa an der Weltmeisterschaft bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einzuspielen. Für die Umsetzung wollte die Fifa das Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) gründen. Dessen Führung sollte laut Fifa der Technologieinvestor Joshua Kushner übernehmen, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump verheiratet ist, der Tochter des US-Präsidenten. Weltweit reagierten Mitgliedsverbände, Fußballfunktionäre und hochrangige Politiker aber mit Empörung auf die Pläne. Kritiker werfen Infantino vor, primär seinen persönlichen Profit und den von Geschäftspartnern im Auge zu haben. Der gebürtige Walliser treibe die Kommerzialisierung der weltweit populärsten Sportart auf die Spitze. Die Verbände Nord- und Mittelamerikas, darunter die drei Gastgeberländer der diesjährigen WM, lehnten die Pläne ab und bemängelten mangelnde Konsultation. Die Europäische Fußball-Union Uefa drohte mit dem Boykott aller Fifa-Turniere und entzog Infantino offiziell das Vertrauen. Hochrangige Infantino-Berater traten zurück. Am vergangenen Samstag zog Infantino seine Pläne schließlich zurück. Zuletzt wurden Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze des Weltfußballverbands laut. Der Chef der spanischen Fußballliga, Javier Tebas und der britische Premier Andy Burnham forderten Infantinos Rückzug. Einem Medienbericht zufolge forderte auch die Uefa Infantino zum freiwilligen Rücktritt auf. Ansonsten wolle der Verband ein Amtsenthebungsverfahren einleiten, berichtete der britische Telegraph am Samstag. Die Uefa droht Infantino Telegraph und die Financial Times zufolge zudem mit rechtlichen Schritten. Unterdessen zog Wales als erster nationaler Verband offiziell seine Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos zurück. Der walisische Fußballverband FAW bestätigte englischen Medien, die Fifa über den Schritt informiert zu haben. Wenig später zog auch der englische Verband nach. Der Times zufolge will die FA Infantino ein entsprechendes Schreiben zukommen lassen.