Datum03.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRTiere nutzen verschiedene Strategien, um Hitze zu trotzen. Viele ziehen sich in den Schatten zurück, trinken mehr und bewegen sich wenig. Afrikanische Dikdiks kühlen ihre Atemluft mit ihrer rüsselartigen Nase. Elefanten nutzen ihre großen Ohren zur Wärmeableitung. Tiere aus kälteren Regionen haben tendenziell kleinere Körperanhängsel, um Wärme zu speichern, während Tiere aus warmen Gebieten größere haben, um Wärme abzugeben. Der Klimawandel verändert das Verhalten und die Verbreitung einiger Arten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Tiere“. Lesen Sie jetzt „Ohrenwedel und Klimaanlage im Rüssel: Tiere trotzen Hitze“. Wer dieser Tage bei Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke einen Zoo besucht, kann sich auf Siesta-Stimmung bei den Bewohnern gefasst machen. Während im Dresdner Zoo die Roten Pandas zumindest die kühleren Morgenstunden zu ein paar Lockerungsübungen nutzen, herrscht spätestens bei prallem Sonnenschein Ruhe im Karton. "Die Tiere sind ja nicht dumm", sagt Biologe Thomas Brockmann. Sie würden sich ganz einfach zurückziehen - in Erdbauten, Höhlen, Ställe - auf jeden Fall in den Schatten. "Denen geht es genauso wie uns", meint Evelin Schröder, Pflegerin für Raubtiere im Zoo Dresden. Die Tiere würden sich wenig bewegen, viel trinken und im Schatten vor sich hin dösen. "Ruhe ist an solchen Tagen das beste Mittel." Um den Pandas ein wenig Kühlung zu verschaffen, stellt sie in deren Gehege einen Wassersprinkler auf. Die Tiere würden zwar die Wasserfontänen von unten nicht sonderlich mögen, immerhin bringe das etwas Kühlung in den Baum, auf dem die Tiere gerne abhängen. Brockmann, im Dresdner Zoo für Artenschutz und Umweltbildung zuständig, verweist auf einen grundlegenden Unterschied beim Umgang der Tiere mit Hitze. Die Bewohner tropischer Regionen oder aus Wüstengebieten seien schon morphologisch und physiologisch besser an hohe Temperaturen angepasst als die Tiere aus kühleren Gefilden. Brockmann zeigt ins Gehege der grazilen Dikdiks, kleine Antilopen aus Zentral- und Westafrika. Ihre auffällige Nase wirkt wie eine Klimaanlage und kühlt die Atemluft. "Sie habe es in ihrer Heimat mit Temperaturen von 40 Grad Celsius zu tun", berichtet Brockmann. Die rüsselartig verlängerte Nase besitze viel Schleimhaut mit vielen Äderchen. Durch die Atmung entstehe Verdunstungskälte, wodurch das Blut gekühlt wird. "Dikdiks haben mit Hitze nicht wirklich ein Problem. Trotzdem achten wir bei der Gestaltung des Geheges darauf, dass sie auch Schatten finden können." Schatten sei für alle Tiere wichtig, egal ob sie in den Savannen Afrikas leben oder in kälteren Gebieten. Was den Körperbau angelangt, gibt es durchaus ein Nord-Süd-Gefälle. Die Tiere in warmen Regionen haben in der Regel größere Ohren, die Körperwärme gut ableiten können. Als Paradebeispiel gilt der Elefant. "Er nutzt sie wie einen Fächer, um sich frische Luft zuzuwedeln", sagt Brockmann. Die Ohren hätten aber noch eine andere Funktion. Im Unterschied zum Rest des Elefanten sei die Haut an dieser Stelle sehr dünn und habe sehr viele Äderchen. Beim Wedeln werde das Blut gleichzeitig auch gekühlt. Anderen Tieren bleibt bei Hitze nur die Flucht - auch wenn das wie bei den Seychellen-Riesenschildkröten nicht im Sprinttempo erfolgt. Die Reptilien, die in Dresden die Namen Hugo 2 bis 4 tragen, bewegen sich eher zeitlupenhaft. Dennoch müssen sie in freier Wildbahn der Stand der Sonne im Blick behalten. Auch wenn sie Wärme sehr cool finden, müssten sie vorsichtig sein, meint Brockmann. "Der Panzer kann sich extrem aufheizen. Wenn sie es nicht schnell genug in den Schatten schaffen, erleiden sie einen Hitzekollaps und sterben." Da Tiere wie Katzen und Hunde nicht schwitzen und so ihren Wärmehaushalt regulieren können, müssen sie sich auf andere Weise Kühlung verschaffen - etwa durch Hecheln. Beim Löffelhund - einem Bewohner Afrikas - kommen die überdimensionalen Ohren hinzu. Mit ihnen leitet er Körpertemperatur ab. In der Arktis könnte ein Löffelhund schon der Ohren wegen nicht überleben - sie würden ihm abfrieren. Tiere der Arktis wie der Polarfuchs haben deshalb auch sehr kleine Ohren. "Je weiter man zum Äquator kommt, desto größer und länger werden im Grunde die Körperanhängsel", formuliert Brockmann eine biologische Regel. Bei Tieren einer Art seien die aus kälteren Regionen größer als ihre Artgenossen aus wärmeren Gefilden. Hier sei das Verhältnis von Körperoberfläche zum Volumen wichtig. Kleinere Tiere könnten in der Kälte leichter erfrieren. Kleine Pinguine, die in Äquatornähe lebten, hätten in der Antarktis keine Chance - deshalb sei mit den Königspinguinen dort die größte Pinguinart beheimatet. Brockmann will keine Prognose wagen, wie sich die Klimawandel auf die Tiere auswirkt und ob allen eine Anpassung gelingt. Es gebe auch Arten, die profitieren, sagt der Biologe. Als Beispiel verweist er auf den Storch, ursprünglich ein klassischer Zugvogel. Inzwischen würden immer mehr Störche nicht mehr nach Afrika oder auf die Iberische Halbinsel fliegen, sondern bei uns überwintern. "Sie finden Futter, müssen keine Energie beim Flug verbrauchen und haben außerdem den schnellsten Zugriff auf die besten Brutplätze." Andere Tiere sind als tierische Einwanderer längst in unseren Breiten angekommen. Goldschakale, die aus dem Nahen Osten stammen, wurden in deutschen Wäldern bereits gesichtet. Auch die Nilgans braucht nicht wirklich mehr den Nil zum Leben. Eine ganz andere Spezies muss auf ihre Weise mit der Hitze im Zoo klarkommen - die Tierpfleger. Der Zoo Dresden reagiert mit veränderten Arbeitszeiten, die Pfleger fangen früher an und können so schon vor der Mittagshitze den Großteil der Gehege reinigen. Über eine körpereigene Klimaanlage verfügt der Mensch - abgesehen vom Schwitzen - leider nicht. Da sind ihm Dikdiks weit voraus. © dpa-infocom, dpa:260803-930-475988/1