Datum02.08.2026 20:29
Quellewww.zeit.de
TLDRNach einem islamistisch motivierten Anschlag im Berliner Tiergarten gedachte die queere Community der Opfer. Sprecher verurteilten Gewalt und Hass, betonten aber auch die Notwendigkeit, die Tat nicht für pauschale Vorurteile gegen Muslime zu instrumentalisieren. Gefordert wurden mehr Schutz für queere Menschen, die Aufnahme in das Grundgesetz und ein Berliner Gewalthilfegesetz. Politiker zeigten sich betroffen, doch die Community verlangt konsequenten Schutz und politische Verantwortung.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Nach Terroranschlag“. Lesen Sie jetzt „Gedenken am Tatort: Queere Community fordert mehr Schutz“. Es war eine Mahnwache für die Opfer des islamistisch motivierten Anschlags am Rande des Christopher Street Days (CSD), bei der ganz unterschiedliche Gefühle Platz hatten. Manche von denen, die am Sonntagabend an den Tatort im Berliner Tiergarten gekommen waren, hatten Tränen in den Augen. Andere waren wütend. Viele riefen laut gemeinsam "Liebe ist stärker als der Hass!" Zu der Gedenkveranstaltung hatten der Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg (LSVD) und der LSVD Bundesverband gemeinsam eingeladen - gut eine Woche nach dem Terroranschlag, bei dem ein 21-jähriger Islamist eine Frau getötet und 31 Menschen verletzt hatte. Auch zahlreiche Vertreter aus der Landespolitik waren gekommen - vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) über die grüne Landesvorsitzende Nina Stahr bis zum SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Aber das Wort erhielten nach dem Wunsch der Veranstalter nur Menschen aus der queeren Community selbst. "Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken", sagte Julia Miosga vom CSD-Verein Berlin. "Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung." Aber ebenso klar müsse es sein, sich jedem Versuch entgegenzustellen, die Tat für Hass gegen Musliminnen und Muslime oder Menschen bestimmter Herkunft zu instrumentalisieren. "Was wir stattdessen brauchen, sind Besonnenheit und die Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen", sagte sie. "Wir müssen unser Augenmerk auf die Dinge lenken, die uns als Gesellschaft, als queere Community einen." Patrick Müller-Kampa vom LSVD Berlin-Brandenburg sagte, es reiche nicht, bei der Trauer stehenzubleiben. "Wir brauchen endlich die ausdrückliche Aufnahme des Schutzes queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes", forderte er. "Wir brauchen ein Berliner Gewalthilfegesetz, das queere Menschen ausdrücklich mitdenkt und sicherstellt, dass Betroffene von Gewalt die Unterstützung bekommen, die sie brauchen." Doreen Hoffmann vom CSD Deutschland ergänzte, die Anteilnahme und Solidarität seien anhaltend riesig. "Und das berührt mich sehr. Aber ich bin auch wütend." Sie sei wütend auf Extremisten - egal, ob sie sich einer politischen Ideologie oder religiösem Fanatismus verschrieben hätten. "Ich bin wütend auf alle, die den Hass auf queere Menschen wieder salonfähig machen." Sie sei auch wütend auf Politikerinnen und Politiker, die queere Rechte ständig infrage stellten und dann, wenn das Schlimmste passiere, betroffen wirkten. "Wir brauchen konsequenten Schutz, klare Haltung und politische Verantwortung", forderte sie. Bei dem Terroranschlag am 25. Juli hatte der Attentäter im Tiergarten mit einem Auto mehrere Passanten angefahren, bevor er – vermutlich mit einer Machete – weitere Menschen angriff. Der Islamist wurde am Tag nach dem Anschlag von Polizisten in Berlin erschossen, als die Beamten ihn festnehmen wollten. © dpa-infocom, dpa:260802-930-475199/1