Oktoberfest: Gastronom klagt über Anfeindungen nach Zelt-Vergabe-Streit

Datum02.08.2026 16:33

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Münchner Gastronom klagt gegen die intransparente Vergabe großer Oktoberfest-Zelte und fordert EU-weite Ausschreibungen. Er berichtet von Anfeindungen gegen sich und seine Familie. Seine Klage, die auf mehr Transparenz und Chancengleichheit abzielt, stößt auf Widerstand etablierter Festwirte, die um Tradition und Planungssicherheit fürchten. Ein Hauptsacheverfahren ist für September angesetzt, ohne Einfluss auf das diesjährige Oktoberfest.

InhaltEin Münchner Gastronom will, dass die Vergabe der großen Oktoberfest-Zelte neu geregelt wird – und klagte. Er zog sich zurück und berichtet nun: "Die Aufregung hat ein Ausmaß angenommen, das ich mir nie hätte ausmalen können." Alexander Egger hat selbst mehrere Jahre ein kleineres Zelt auf dem Münchner Oktoberfest betrieben. Dann klagte er vor einigen Monaten gegen die Vergabepraxis für die großen Festzelte auf der Wiesn. Nun sagte Egger der "Süddeutschen Zeitung": "Es gibt Anfeindungen, nicht nur gegen mich, sondern auch gegen meine Familie, Mitarbeiter und Lieferanten." Er wolle nicht ins Detail gehen, von wem genau die Anfeindungen kommen. "Die Aufregung hat ein Ausmaß angenommen, das ich mir nie hätte ausmalen können und bei dem es auch um die Sicherheit von Menschen geht", sagte er weiter. Egger will auf gerichtlichem Weg erreichen, dass die Zuteilung zweier großer Zelte nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Ein Eilantrag dazu ist zwar gescheitert, aber im September steht das Hauptsacheverfahren an. Egger kritisiert das Vergabesystem für die großen Oktoberfest-Zelte als intransparent. Er fordert, dass die Standplätze der großen Oktoberfestzelte – anders als bisher – EU-weit ausgeschrieben werden müssen. Geklagt hatte Egger am Beispiel der Festhalle Schottenhamel und des Paulaner-Festzelts. Den Standplatz der Festhalle Schottenhamel vergibt die Stadt nach einer Ausschreibung. Den Standplatz des Paulaner-Festzelts vergibt die Brauerei. Egger, der sich schon öfter für größere Wiesn-Zelte beworben hat, kritisierte die Punktevergabe im Rahmen des Vergabeverfahrens. Hier habe er eine "hohe Spannbreite in den Interpretationsmöglichkeiten der Bewertungsmöglichkeiten" gesehen. "Bei unseren vielen Bewerbungen, die über die Jahre zusammengekommen sind, haben wir immer wieder Widersprüche festgestellt, die uns keiner erklären konnte oder wollte", sagte der Wirt. Egger betrieb seit 2022 auf dem Oktoberfest das kleinere Festzelt "Münchner Stubn". Den Zuschlag dafür hätte er auch in diesem Jahr wieder bekommen, verzichtete aber darauf. "Das tut uns natürlich weh, besonders wegen unseres tollen Teams und unserer Gäste – aber Sicherheit geht vor", sagte Egger dazu. Seine Klage hatte auch deshalb für Wirbel gesorgt, weil es Befürchtungen gab, der Aufbau der Zelte könnte nicht pünktlich beginnen. Doch der Aufbau konnte Ende Juni wie geplant starten. Das Bayerische Oberste Landesgericht will nun am 11. September mündlich verhandeln, acht Tage vor Beginn des Oktoberfestes. Auf die diesjährige Wiesn hat dies aber keinen Einfluss. Egger stellt sich mit seiner Klage offen gegen die etablierten Festwirte, die um Planungssicherheit für ihre als äußerst lukrativ geltenden Zelte  fürchten. Von Ämtern etwa beim Hotel- und Gaststättenverband trat Egger zurück. Von der Arbeitsgemeinschaft der Kleinen Wiesnzelte hieß es, seine Anwesenheit sei "nicht mehr erwünscht". Die Oktoberfestwirte argumentierten, durch eine europaweite Ausschreibung sei die Tradition des Oktoberfestes in Gefahr. So warnte Wirte-Sprecher Peter Inselkammer durch "eine grenzenlose Kommerzialisierung würde unser Oktoberfest sein unverwechselbares Gesicht verlieren und nicht mehr so sein wie früher". Egger wiederum sagte, die Sorge vor Veränderungen auf der Wiesn bei einer europäischen Vergabe könne er nicht nachvollziehen. Die Internationalität gebe es längst, erklärte er unter Verweis auf die Eigentümerstruktur hiesiger Brauereien. "Die gezielte geschürte Angst vor Kölsch und Guinness auf der Wiesn ist völliger Humbug." Die Stadt könne auch bei einer öffentlichen Ausschreibung vorgeben, welches Bier verkauft werden dürfe. Sie habe "Dutzende Einflussmöglichkeiten", um zu verhindern, "dass Hendl und Haxn von Döner und Dürüm verdrängt werden", sagte Egger. "Dass ich eine Gefahr für die Wiesn sein könnte: Das ist Propaganda." Der Gastronom zeigte sich enttäuscht von der Stadt München als Veranstalterin des Oktoberfestes. Er sehe dort keine Offenheit für einen Diskurs.