Datum02.08.2026 11:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie WHO kritisiert Junk-Food-Hersteller, da diese weltweit Initiativen für gesunde Ernährung durch Klagen gegen strengere Auflagen wie höhere Steuern und Werbeverbote behindern. Diese Maßnahmen sollen Übergewicht bekämpfen, das weltweit eine Milliarde Menschen betrifft und zu Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen führt. Die Lebensmittelkonzerne verursachen erhebliche Kosten durch juristische Auseinandersetzungen und schrecken Regierungen von notwendigen Schutzmaßnahmen ab.
InhaltHöhere Steuern und Werbeverbot: Viele Produzenten hoch verarbeiteter Lebensmittel klagen gegen Auflagen. Und behindern so den weltweiten Kampf gegen Übergewicht, kritisiert der WHO-Chef. Viel Zucker und Kalorien, wenig Ballaststoffe und Vitamine: Fertigessen birgt Gesundheitsrisiken. Viele Staaten haben deshalb strengere Auflagen beschlossen, etwa eine Zuckersteuer oder Warnhinweise auf der Packung. Große Konzerne ziehen wegen solcher Auflagen häufig vor Gericht und behindern laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dadurch die weltweiten Anstrengungen gegen Übergewicht. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warf den globalen Lebensmittelunternehmen vor, Milliardenkosten zu verursachen – sowohl im Gesundheitssystem als auch durch juristische Auseinandersetzungen. Weltweit haben etwa eine Milliarde Menschen starkes Übergewicht. Eine ungesunde Ernährung erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs. Gleichzeitig steigt der Konsum hoch verarbeiteter Lebensmittel wie Softdrinks, Süßigkeiten und Fertigessen. In einigen Ländern machen sie laut Schätzungen etwa die Hälfte der Ernährung aus, etwa in Deutschland, Großbritannien oder den USA. Zwischen den Jahren 2010 und 2025 sind in den USA, Großbritannien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien 235 Klagen gegen gesundheitspolitische Maßnahmen eingereicht worden wie höhere Steuern, Warnhinweise oder Werbeverbote, berichtet der "Guardian" . Zu den klagenden Unternehmen gehören der Recherche nach etwa Coca-Cola, PepsiCo, Mondelēz, Kellogg’s, Danone, Ferrero, Xignux und die Heartland Food Products Group. Etwa drei Viertel der bereits entschiedenen Verfahren haben die Hersteller demnach verloren. Einige der erfolglosen Klagen hätten die Einführung von Gesundheitsmaßnahmen teils über Jahre blockiert. "Wenn Schaden und Profit an dasselbe Produkt gekoppelt sind, zeigt sich ein bekanntes Muster der Einflussnahme durch die Industrie: Zweifel säen und Regulierung behindern", sagte Tedros. Die Prozesse hätten zudem eine abschreckende Wirkung, die Regierungen davon abhalten könne, notwendige Schutzmaßnahmen einzuführen. Die WHO drängt Staaten seit Langem, hoch verarbeitete Lebensmittel stärker zu regulieren. In Deutschland wird etwa diskutiert, Werbung für Junk-Food zu verbieten, die sich speziell an Kinder richtet. Zudem hat sich die Regierung auf eine Zuckersteuer geeinigt. Die Abgabe soll für mit Zucker gesüßte Getränke gelten und dem Staat im kommenden Jahr 650 Millionen Euro einbringen. Bei Diabetes ist der Stoffwechsel chronisch gestört. Welche Rolle Softdrinks und Schokoriegel dabei spielen, lesen Sie hier.