Iran-Krieg: Donald Trump spricht vom »Umriss einer Einigung« mit Iran und sagt Angriffe ab

Datum02.08.2026 06:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRUS-Präsident Trump hat nach eigenen Angaben einen Militärschlag gegen Iran abgesagt, da es "Umrisse einer Einigung" gebe. Diese beinhalte die Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der Atomdrohung. Trump fordert eine schnelle Einigung, obwohl frühere Durchbrüche scheiterten. Saudi-Arabien soll auf Deeskalation gedrängt haben, nachdem Iran mit Gegenangriffen auf Israel und Golfstaaten drohte. Eine uneingeschränkte Öffnung der Straße von Hormus und eine Einigung im Atomstreit erscheinen fraglich.

InhaltEben drohte der US-Präsident Iran noch mit harten Attacken, nun sieht er wieder einmal angebliche diplomatische Fortschritte. Offenbar hatte sich Saudi-Arabien vor diesem abrupten Schritt um Deeskalation bemüht. Von der rüden Drohung zur Entspannung – und dann vermutlich bald wieder in die andere Richtung: So oder so ähnlich verfährt US-Präsident Donald Trump seit Wochen in der Irankrise. Nun stehen die Zeichen zumindest vorerst offenbar wieder einmal auf Deeskalation. Aufgrund angeblicher Fortschritte bei den Bemühungen um eine diplomatische Einigung mit Iran hat Trump eine neue Angriffswelle des Militärs nach eigenen Angaben vorerst abgesagt. Voraussetzung dafür sei, dass schnell eine Einigung erreicht werde, schrieb er in der Nacht auf seiner Plattform Truth Social. Das US-Militär stehe mit all seiner Macht zum Angriff bereit, aber Iran und andere Länder in der Region hätten darum gebeten, davon abzusehen, da es nun "Umrisse einer Einigung" gebe. Dazu gehöre die "komplette" Öffnung der Straße von Hormus und "ein Ende der von Iran ausgehenden atomaren Bedrohung", schrieb Trump. Auch Israel werde sich an die Vereinbarung halten, Iran vorerst nicht wieder anzugreifen. Wohl an die Vermittler gerichtet schrieb er: "Macht Euch alle an die Arbeit und ERLEDIGT das." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Weitere Einzelheiten zu dem angeblichen diplomatischen Durchbruch nannte Trump zunächst nicht. Iran oder Staaten in der Region, die an den Gesprächen beteiligt waren, äußerten sich in der Nacht nicht unmittelbar dazu. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass Trump von einem Durchbruch spricht, der im Nachhinein von anderer Seite dementiert wird oder später an der Realität scheitert. Die Straße von Hormus etwa sollte bereits infolge des Rahmenabkommens mit Iran, das im Juni unterzeichnet worden war, wieder für die internationale Schifffahrt geöffnet werden. Zu einer uneingeschränkten Öffnung kam es aber nie: Nach einer anfänglichen Zunahme des Schiffsverkehrs in der Meerenge wurde er durch neue Angriffe zuletzt wieder fast zum Erliegen gebracht. Die Straße von Hormus ist unter anderem von entscheidender Bedeutung für den Export von Öl und Gas aus den Staaten des Persischen Golfs. Teheran nutzt die faktische Blockade, die zu höheren Weltmarkpreisen für Öl und Gas führt, als Druckmittel gegen Trump. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress dem Wählervotum stellen – hohe Spritpreise kommen ihnen da sehr ungelegen. Das US-Militär wiederum hat inzwischen als Druckmittel gegen Iran seine Seeblockade erneuert, um das Land von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden. Ölausfuhren sind die wichtigste Einnahmequelle des islamistischen Machtapparats in Teheran. Das Rahmenabkommen vom Juni sah auch weitere Verhandlungen zu Irans Atomprogramm vor. Insbesondere Israel, aber auch die USA und mehrere andere Staaten beschuldigen Iran, am Bau von Atombomben zu arbeiten, unter anderem wegen seines Programms zur Anreicherung von Uran. Iran dementiert das und besteht auf seinem Recht zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Experten gehen nicht davon aus, dass bei diesem Streitthema eine schnelle Einigung möglich sein wird. Die angebliche Bedrohung durch Irans Atomprogramm war eines der Argumente, die Trump Ende Februar als Beweggründe für die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran nannte. Er hatte anfangs gesagt, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen befindet er sich im sechsten Monat. Trump hatte erst am Freitag angekündigt, man werde Iran "sehr hart" angreifen – und "irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können" (mehr dazu hier). Übereinstimmende US-Medienberichte sprachen von einem bevorstehenden Großangriff auf Ziele in Iran, der auch Attacken auf Irans Energieinfrastruktur umfassen sollte. Teheran drohte daraufhin mit Gegenangriffen auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Staaten am Persischen Golf. Seit Kriegsbeginn hat Iran auf US-Attacken häufig mit Gegenangriffen auf Ziele in den Golfstaaten reagiert, in denen es auch US-Militärstützpunkte gibt. Irans Außenminister Abbas Araghchi warnte am Samstag in einem Gespräch mit seinem saudi-arabischen Kollegen Faisal bin Farhan vor einer neuen militärischen Eskalation im Krieg mit den USA. Die schlagkräftigen Streitkräfte seines Landes würden auf jeden Akt der Aggression entschlossen reagieren, schrieb Araghchi auf der Plattform Telegram. Im Falle neuer Angriffe müssten die USA, Israel sowie beteiligte Staaten in der Golfregion die volle Verantwortung dafür tragen. Einem Bericht der US-Nachrichtenseite "Axios" zufolge sprach der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman am Samstag mit Trump, um angesichts des geplanten neuen Angriffs die Sorge des sunnitischen Königreichs auszudrücken, das mit dem schiitisch geprägten Iran um die Vorherrschaft in der Region ringt. Unter Berufung auf mit dem Gesprächsinhalt vertraute US-Quellen berichtete "Axios" weiter, der Kronprinz habe Trump zur Deeskalation aufgerufen (mehr zur Rolle Saudi-Arabiens hier). Neue Angriffe überschatten die diplomatischen Bemühungen im Nahen Osten. Zuletzt hatte sich Saudi-Arabien erstmals offiziell an einem Militärschlag gegen proiranische Kräfte beteiligt – eine neue Stufe der Eskalation. Mehr hier .