Datum02.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Zahl der Adoptionen in Brandenburg sank 2025 auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Experten sehen Fortschritte in der Reproduktionsmedizin als Grund für den Rückgang klassischer Fremdadoptionen. Bundesweit gab es so wenige Adoptionen wie seit 1990 nicht mehr. Adoptionswillige müssen mit langen Wartezeiten rechnen, insbesondere bei internationalen Verfahren. Die Adoptionspraxis der Vergangenheit, insbesondere in der DDR, wird kritisch aufgearbeitet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gesellschaft“. Lesen Sie jetzt „Adoptionen in Brandenburg auf Tiefstand – lange Wartezeiten“. Die Zahl der Adoptionen in Brandenburg ist 2025 auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken. Das Interesse ist größer als die Zahl der zur Adoption freigegebenen Kinder. In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr 113 Kinder und Jugendliche adoptiert – 14 weniger als im Vorjahr sowie 2023 (minus 11 Prozent). Das geht aus Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor. 2022 wurden noch 141 Adoptionen registriert - 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Berlin verzeichnete 109 Adoptionen von Kindern und Jugendlichen im Jahr 2025. Die meisten Kinder werden von einem neuen Partner eines leiblichen Elternteils oder Verwandten adoptiert. Gründe für einen Rückgang bei klassischen Fremdadoptionen sehen Experten unter anderem in den Fortschritten in der Reproduktionsmedizin. Bundesweit gab es 3.517 Adoptionen - so wenige wie seit 1990 nicht mehr. Das Statistische Bundesamt teilte Anfang Juli mit: "Eine Erklärung für die insgesamt sinkenden Fallzahlen ist der anhaltende Rückgang der "klassischen" Fremdadoptionen - also der Adoptionen durch Personen, die weder Stiefeltern noch Verwandte des Kindes sind." Adoptionswillige Paare müssen ein Eignungsverfahren durchlaufen und sich dann vor allem bei Fremdadoptionen auf Wartezeiten einstellen. Internationale Adoptionsverfahren können mehrere Jahre dauern, wie das Ministerium für Bildung und Jugend auf Anfrage mitteilte. Die Zentrale Adoptionsstelle Berlin-Brandenburg ist dafür zuständig. Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden der Herkunftsländer sei sehr unterschiedlich, hieß es. "Bewerbende erleben häufig die unbestimmte Wartephase nach einer erfolgreichen Registrierung als herausfordernd." Geregelt sind solche Adoptionen über das Haager Adoptionsübereinkommen von 1993. Zuvor habe es in vielen Fällen Unregelmäßigkeiten, Korruption und Kinderhandel gegeben, so das Ministerium. "Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels beginnt gerade erst." Es gebe Kritik an der Adoptionspraxis der Vergangenheit vor dem Beitritt zum Haager Adoptionsübereinkommen und vermehrt Rufe nach einer Aufarbeitung der damaligen Vorgehensweisen und Fälle. Zwangsadoptionen in der DDR waren Forschungsergebnissen zufolge Teil des Systemunrechts der SED-Diktatur. Ein Nachweis für ein systematisches und explizit politisches Vorgehen des Staates innerhalb von Adoptionsverfahren ist laut Studie aber nicht zu belegen. © dpa-infocom, dpa:260802-930-472552/1