Gesammeltes Verkehrswissen: Gefürchtete Punkte und mehr - 75 Jahre Kraftfahrt-Bundesamt

Datum02.08.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) feiert 75. Geburtstag und ist mehr als nur die Sammelstelle für Verkehrspunkte. Als zentrale Behörde für den motorisierten Straßenverkehr bearbeitet es Zulassungsstatistiken, überwacht Fahrzeugrückrufe und pflegt das Fahreignungsregister mit über zehn Millionen Kraftfahrern. Das KBA spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung von E-Mobilität und der Marktüberwachung. Es nutzt KI zur Effizienzsteigerung und hat nach dem Dieselskandal eigene Prüfmöglichkeiten geschaffen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gesammeltes Verkehrswissen“. Lesen Sie jetzt „Gefürchtete Punkte und mehr - 75 Jahre Kraftfahrt-Bundesamt“. Mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verbinden viele Menschen in Deutschland vor allem unschöne persönliche Erfahrungen: Punkte in Flensburg. Doch das ist viel zu kurz gesprungen. Das KBA, das jetzt seinen 75. Geburtstag feiert, ist weit mehr als die Sammelstelle für gravierende Verkehrsverstöße. Das Kraftfahrt-Bundesamt ist die zentrale Behörde für alles rund den motorisierten Straßenverkehr. Wer schon einmal von einem Rückruf seines Autos in die Werkstatt betroffen war: Die Post kommt meist vom Hersteller, aber das KBA ist im Hintergrund dabei. Jeden Monat veröffentlicht das KBA die Statistik über die neu zugelassenen Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder in Deutschland. Das KBA weiß auch genau, wie viele Autos von Modellen noch unterwegs sind, die schon lange nicht mehr gebaut werden. Wie sehr die Behörde mit ihren Aufgaben gewachsen ist, zeigt die Entwicklung des Autobestands in Deutschland: 1950 gab es etwa 540.000 Personenwagen, zehn Jahre später waren es rund 4,5 Millionen. Heute sind etwa 49,5 Millionen Autos gemeldet. Der Präsident des KBA, Richard Damm, fasst es in einer Informationsschrift so zusammen: "Das Aufgabenspektrum des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) reicht von Schweißarbeiten zur Vorbereitung von Emissionsmessungen über die Personalisierung von Fahrtenschreiberkarten bis hin zur Eigenentwicklung hochkomplexer IT-Programme, die unter anderem die Grundlage für die Verarbeitung der Registerdaten bilden." Dazu arbeiten rund 1.100 Menschen in der Behörde. Die meisten von ihnen in Flensburg. Gegründet wurde das KBA am 4. August 1951 per Gesetz. Flensburg als nördlichste Stadt Deutschlands wurde politisch ausgewählt - unter anderem um das strukturschwache Gebiet zu stärken, das am Ende des Krieges viele Flüchtlinge aufgenommen hatte. Nach ersten Jahren – aufgeteilt in mehreren Villen und früheren Marinegebäuden – zog die Behörde 1965 in das neue markante Hochhaus an der Förde. In Harrislee vor den Toren der Stadt sowie in Dresden unterhält des KBA weitere Standorte. Außerdem gibt es in Leck (Kreis Nordfriesland) eine Teststrecke. Wer zum Beispiel viel zu schnell gefahren ist, während der Fahrt das Handy am Ohr hatte, betrunken am Steuer saß, eine rote Ampel überfahren oder einen anderen schweren Verkehrsverstoß begangen hat, landet mit Punkten im Fahreignungsregister. Zum Jahresbeginn 2026 waren mehr als zehn Millionen Fahrzeugführer registriert, genau 10.166.608. Im Vergleich zu 2025 stieg die Zahl um ungefähr 46.000. Wer es übertreibt, verliert ab acht Punkten seinen Führerschein. Das KBA betreibt zwei voneinander unabhängige Rechenzentren, in denen jeweils alle Daten gespeichert sind. Damit wird sichergestellt, dass nichts verloren geht, falls es mal zu einem Problem oder Ausfall kommt. Zu sensiblen Bereichen des Gebäudes haben nur wenige Menschen Zugang. Daten seien das Wesenselement des KBA mit seinen zentralen Registern, betont Damm. "Dabei haben diese Daten keinen Selbstzweck, sondern dienen der Erfüllung der Aufgaben und den Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger." Etwa bei Fahrzeugzulassungen, Verkehrskontrollen, der Förderung von Elektrofahrzeugen, Verkehrsverstößen und in der i-Kfz-App mit dem digitalen Fahrzeugschein kommen die Registerinformationen zum Zug. Fast 300 Millionen Anfragen erhalte das KBA pro Jahr, fast ausschließlich digital.  Der Dieselskandal um unzulässige Software zur Manipulation von Abgastests in Millionen von Autos hatte dem KBA Vorwürfe eingebracht, zu nah an der Industrie zu sein. Daraus zog die Behörde Konsequenzen. So wurde in Harrislee eine Anlage eingerichtet, in der eigene Abgasmessungen an Fahrzeugen vorgenommen werden. Im nordfriesischen Leck nahm das KBA auf einem alten Flugplatz seine Teststrecke in Betrieb, um Fahrzeuge zu prüfen. Seit 2017 gibt es die Abteilung Marktüberwachung. "Wir haben eine größere Unabhängigkeit, wir können eigene Untersuchungen machen, wir können auf Augenhöhe mit den Herstellern diskutieren", hatte Damm bei früherer Gelegenheit gesagt. Künstliche Intelligenz (KI) verändert aktuell das gesamte Wirtschafts- und Arbeitsleben. "Wir setzen im KBA stark auf den Ausbau von KI und versuchen unsere Abläufe damit effizienter und besser zu gestalten", sagt der Präsident. Kernstück sei ein von außen abgegrenztes System auf der hauseigenen IT-Infrastruktur, mit dem bei der Verarbeitung keine Daten nach draußen geben werden. "Alle Beschäftigten werden auf den Umgang und die Nutzung der KI vorbereitet und können sich aktiv bei der Gestaltung einbringen. Die KI soll dem Menschen dienen und das KBA auf dem Weg in die Zukunft begleiten", betont Damm. © dpa-infocom, dpa:260802-930-472562/1