Immer mehr Fehltage: KKH: Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen nehmen zu

Datum02.08.2026 04:30

Quellewww.zeit.de

TLDRLaut der KKH Kaufmännische Krankenkasse nehmen Fehltage aufgrund von Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen bei Berufstätigen stark zu. Diese psychischen Diagnosen waren 2025 die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten, hinter Infektionen und Rückenschmerzen. Auslöser sind vielfältig, darunter berufliche und familiäre Konflikte. Expertin Aileen Könitz sieht Ursachen in hohem Arbeitspensum, Überstunden, Existenzängsten und dem "unsichtbaren Stress der Unklarheit" moderner Arbeitsformen. Sie empfiehlt klare Strukturen und bewusstes Abschalten.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Immer mehr Fehltage“. Lesen Sie jetzt „KKH: Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen nehmen zu“. Berufstätige Menschen in Deutschland fallen nach Daten einer Krankenkasse zunehmend wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen im Job aus. Im vergangenen Jahr seien wegen dieser Diagnose knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte angefallen - 2024 seien es noch rund 112 Tage gewesen, teilte die KKH Kaufmännische Krankenkasse zu Daten eigener Versicherter mit. Zu Beginn der entsprechenden Datenerfassung 2017 waren es noch rund 66 Tage.  2025 waren Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen den Angaben zufolge die häufigste psychische Diagnose bei Berufstätigen und der dritthäufigste Krankschreibungsgrund überhaupt - hinter Infektionen der oberen Atemwege und Rückenschmerzen. Insgesamt verzeichnete die Kasse im vergangenen Jahr 33.425 Fälle zu diesen Diagnosen, 2017 waren es 19.658. Die KKH zählt mit rund 1,5 Millionen Versicherten zu den großen bundesweiten Kassen.  Auslöser für Anpassungsstörungen können etwa familiäre oder berufliche Konflikte sein, aber auch finanzielle Schwierigkeiten, körperliche Erkrankungen, Krankheits- oder Todesfälle in der Familie sowie Arbeitslosigkeit. Eine akute Belastungsreaktion wird durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst. Bestehe ein solcher Stress längerfristig, könnten depressive Symptome auftreten - bis hin zur Depression, warnte die Kasse. Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen, bezieht die offensichtlich immer stärkere mentale Belastung unter anderem auf die Arbeit: ein zu hohes Arbeitspensum, ständige Überstunden, geringes Gehalt, Existenzängste oder Konflikten mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten. Sie nennt auch mobiles Arbeiten und zeitliche Flexibilität, die für Druck sorgen könnten: "Ich bezeichne es gern als den unsichtbaren Stress der Unklarheit", sagte sie. "Moderne Arbeit kann erschöpfen, obwohl sie flexiblergeworden ist." Sie betonte, Arbeit stresse nicht nur, weil sie grundsätzlich als zu viel erlebt werde, sondern auch, weil vieles unentschieden, diffus und ungeklärt bleibe: "Nicht nur die Arbeit selbst setzt viele Menschen unter Druck, sondern das permanente Interpretieren: Wer ist zuständig? Was wird erwartet? Was darf ich ablehnen? Muss ich nonstop erreichbar sein? Wann ist etwas genug? Auf welchem Kanal soll ich kommunizieren?" Sie erklärte, die ständige Unklarheit könne es erschweren, sich nach der Arbeit zu distanzieren und zur Ruhe zu kommen: "Auf Dauer kann dies zur Anspannung und mentalen Erschöpfung führen." Könitz empfahl feste Arbeits- und Pausenzeiten, die eine klare Trennung zwischen Job, Familie und Freizeit ermöglichten, sowie das bewusste Abschalten digitaler Geräte nach Feierabend. Außerdem riet sie zu Bewegung und Entspannung. © dpa-infocom, dpa:260802-930-472423/1