Island beschlagnahmt Anti-Walfang-Schiff

Datum01.08.2026 23:00

Quellewww.spiegel.de

TLDRIsland hat ein Anti-Walfang-Schiff der "Captain Paul Watson Foundation" beschlagnahmt und die Besatzung festgenommen. Die Aktivisten sollen abgeschoben und mit Einreiseverbot belegt werden. Sie sollen die isländische Küstenwache ignoriert und die Sicherheit einer Walfangflotte bedroht haben. Paul Watson selbst war nicht an Bord, aber seine Stiftung bestätigte die Beschlagnahmung des Schiffes. Die Maßnahmen gegen Watson und seine Organisation sind Teil einer längeren Geschichte von Konfrontationen mit Walfangaktivitäten.

InhaltIsländische Spezialkräfte dringen in ein Anti-Walfang-Schiff des "Sea Shepherd"-Gründers Paul Watson ein und nehmen die Besatzung fest. Die Aktivisten sollen abgeschoben werden und ein Einreiseverbot bekommen. Die isländische Küstenwache und Spezialkräfte haben ein Anti-Walfang-Schiff der "Captain Paul Watson Foundation" beschlagnahmt und dessen Besatzung festgenommen. Das teilten Behördenvertreter des arktischen Inselstaats am Samstag mit. Die isländische Küstenwache teilte mit, die Besatzung des Walfangschiffs "Hvalur 9" habe am Donnerstagabend um Hilfe gebeten, weil sie ihre Sicherheit durch das Protestschiff "Bandero" bedroht sah. Die "Bandero" habe die Anweisung der Küstenwache, die isländischen Gewässer zu verlassen, ignoriert und auch sonstigen Anweisungen nicht Folge geleistet. Daraufhin seien die Küstenwache und eine Spezialeinheit der Polizei, das sogenannte "Viking Squad", am Donnerstag gegen Mitternacht an Bord des Schiffs gegangen und hätten die Besatzung festgenommen, hieß es. Paul Watson sei nicht an Bord gewesen. Die Captain Paul Watson Foundation bestätigte in einer Erklärung, dass das Schiff beschlagnahmt worden sei. Die 21 Besatzungsmitglieder würden ohne ihre Telefone an Bord des Schiffs festgehalten. Das Schiff traf am Freitag in Islands Hauptstadt Reykjavík ein, die Polizei habe die Ermittlungen übernommen, teilte die Küstenwache mit. Der isländische Rundfunksender RUV berichtete, die Polizei werde die Abschiebung der Besatzung anstreben und ihr die Wiedereinreise nach Island untersagen wollen. Der in Kanada geborene Watson, 75 Jahre alt, ist ein früherer Chef der "Sea Shepherd Conservation Society", deren Konfrontationen mit Walfangschiffen auf hoher See in der Reality-TV-Serie "Whale Wars" zu sehen waren. Watsons radikales Vorgehen brachte ihn regelmäßig ins Gefängnis. 2022 verließ er Sea Shepherd, um seine eigene Stiftung zu gründen. Watson saß 2024 fünf Monate in Grönland in Haft. Grund war ein japanischer Haftbefehl wegen des Vorwurfs, 2010 ein Walfangschiff behindert zu haben. Nach seiner Freilassung im Dezember 2024 sagte Watson, er werde darauf achten, nicht erneut gefasst zu werden. "Ich muss sicherstellen, dass ich nicht in Island oder einem anderen Land lande, in dem Interpol versuchen könnte, mich erneut verhaften zu lassen", sagte er. 2012 wurde Watson von der internationalen Polizeiorganisation Interpol mit einer "Red Notice" zur Fahndung ausgeschrieben. 2025 wurde er von der Fahndungsliste gestrichen. Seine kompromisslosen Taktiken haben die von ihm begründete Bewegung gespalten, und Reedereien haben den Anti-Walfang-Aktivisten vorgeworfen, Schiffe und Menschenleben zu gefährden.