Datum01.08.2026 19:43
Quellewww.spiegel.de
TLDRNiedrigwasser der Donau zwingt Ungarns einziges Atomkraftwerk Paks zur Abschaltung. Dies führt zu einer Krise, da Paks 40% des ungarischen Stroms liefert. Die Regierung verordnet Strom- und Wassersparmaßnahmen, die primär Unternehmen betreffen, um das Netz zu stabilisieren. Private Haushalte sind zuletzt von Einschränkungen betroffen. Die Hitzeperiode und niedrige Pegelstände machen zudem weitere Atomkraftwerksabschaltungen in Rumänien und Frankreich nötig.
InhaltWeil die Donau zu wenig Wasser führt, muss das Atomkraftwerk Paks erstmals abgeschaltet werden. Die ungarische Regierung ordnet nun an, den Stromverbrauch zu drosseln und Wasser zu sparen. Betroffen sind vor allem Unternehmen. Wegen niedriger Pegelstände der Donau bereitet Ungarn sich darauf vor, sein einziges Atomkraftwerk herunterzufahren. Dies könnte bereits an diesem Wochenende geschehen, sagte Ministerpräsident Péter Magyar am Samstag. "Der Wasserstand der Donau ist weiter gesunken", sagte Magyar in einem Facebook-Video. "Deshalb haben die Ingenieure im Kraftwerk Paks über Nacht die Produktion weiter gedrosselt." Noch am Freitag hatte Magyar auf einer Pressekonferenz am Kraftwerk angekündigt, dies könne am Dienstag oder Mittwoch kommender Woche geschehen. Derzeit laufen die vier Reaktoren sowjetischer Bauart mit nur einem Viertel ihrer Gesamtleistung von zwei Gigawatt. Das Kernkraftwerk in Paks, rund 130 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest, liefert normalerweise etwa 40 Prozent der in Ungarn verbrauchten Elektrizität – benötigt dafür aber Kühlwasser aus der Donau, deren Pegel nach wochenlanger Dürre vielerorts so niedrig stehen wie noch nie. Der Anlagenbetreiber nannte die erste Abschaltung nach 44 Jahren Betrieb "unvermeidlich". Zugleich gab es auch noch eine Störung im größten Gaskraftwerk Ungarns in Szazhalombatta, dessen Kapazität von 400 Megawatt Leistung ausfiel. Diese könnten laut Magyar am Sonntag wieder hergestellt werden. Dennoch seien zusätzliche Maßnahmen nötig, um das Stromnetz zu stabilisieren. Die Energiekrise könnte Ungarn aufgrund der stark gestiegenen Preise für importierten Strom 100 bis 200 Milliarden Forint (rund 275 bis 550 Millionen Euro) kosten, schrieb Mark Radnai, stellvertretender Vorsitzender von Magyars Tisza-Partei, auf Facebook. Magyar warnte, das Kraftwerk könne wochenlang stillstehen. Er sagte, sein Kabinett werde ein Dekret erlassen, das Großbetrieben vorschreibt, ihren Stromverbrauch zu senken – zusätzlich zur bereits zugesagten freiwilligen Kürzung der Nachfrage um 240 Megawatt. Sollten die Stromsparziele verfehlt werden, würden Sanktionen verhängt. Bei Bedarf könne der Netzbetreiber bestimmte Großverbraucher auch vorübergehend vom Stromnetz trennen. "Die privaten Haushalte werden das letzte Glied in der Kette der Einschränkungen sein", sagte Magyar. Ab Montag wird der Güterverkehr auf der Schiene für fünf Stunden am Nachmittag eingestellt, um den Strombedarf zu senken. Die Regierung ordnet zudem an, dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes die ersten drei Tage der kommenden Woche von zu Hause aus arbeiten sollen, und bittet Unternehmen, diesem Beispiel nach Möglichkeit zu folgen. Laut Magyar werden auch die Flutlichter an öffentlichen Gebäuden und die nicht unbedingt notwendige Beleuchtung abgeschaltet. Außerdem wurden die Ungarn in den von Dürre betroffenen Regionen aufgefordert, weniger Wasser zu verbrauchen. "Jeder Tropfen Wasser zählt", sagte Magyar. Wegen hoher Temperaturen und ausbleibenden Regens sind die Pegelstände der Donau mancherorts auf ein Rekordtief gesunken. Rumänien hat deshalb bereits einen der Reaktoren des Atomkraftwerks Cernavoda an der Donau heruntergefahren und die Abschaltung des zweiten angekündigt. Auch in Frankreich wurden in dieser Woche Reaktoren wegen der hohen Temperaturen abgeschaltet. Der Wetterdienst Hungaromet sagt Ungarn in den kommenden Tagen eine Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius voraus.