Datum01.08.2026 18:25
Quellewww.spiegel.de
TLDRKabarettist Dieter Hallervorden unterstützt Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt mit Auftritten zum Thema Meinungsfreiheit. Während die Bundes-CDU Hallervordens Kritik an der aktuellen Rüstungspolitik und seine Äußerungen zur Gaza-Politik kritisiert, verteidigt die Landes-CDU das Gesprächsformat. Hallervorden möchte eine AfD-Regierung verhindern, die laut Umfragen führt. Die CDU Sachsen-Anhalt betont, dass sie sich nicht die Meinungen von Gästen zu eigen macht.
InhaltKabarettist Hallervorden unterstützt Ministerpräsident Schulze im Wahlkampf – und wünscht Kanzler Merz auf den Mond. Die Bundes-CDU übt Kritik, die Landes-CDU kontert: "Wir dürfen das Streiten nicht verlernen." Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) will im Landtagswahlkampf weiter mit dem Kabarettisten Dieter "Didi" Hallervorden auftreten, obwohl dessen Einlagen für Wirbel sorgen. Nach Veranstaltungen in Halle an der Saale und Magdeburg in den vergangenen Tagen gehe es wie geplant nächste Woche in Dessau und Naumburg weiter, sagte der Generalsekretär des CDU-Landesverbands, Mario Karschunke, der Nachrichtenagentur dpa. Die Veranstaltungen seien sehr gut gebucht. Für Dessau am Montag gebe es rund 600 Anmeldungen. Bei dem Gesprächsformat mit dem Titel "Kultur braucht Freiheit" stehen Hallervorden und Schulze gemeinsam mit einer Moderatorin auf der Bühne. Es geht um den persönlichen Begriff von Freiheit und darum, welche Rolle Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer Demokratie spielen. Hallervorden bietet musikalische Beiträge dar und legt den Fokus stark auf Frieden. Die aktuelle Verteidigungs- und Rüstungspolitik lehnt der 90-Jährige ab. Auch auf die von ihm bereits früher kritisierte Politik Israels nimmt er bei den Auftritten Bezug: In einem Hintergrundvideo zu einer Gesangseinlage wurde kurz das Foto einer Demonstration mit dem Schriftzug "Stoppt den Völkermord in Gaza" eingeblendet. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte dazu am Samstag der "Bild" : "Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression." Sie sagte weiter: "Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern. Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben." Sven Schulze hatte schon bei der Magdeburger Veranstaltung am Mittwoch auf der Bühne mit Blick auf sich selbst rhetorisch gefragt: "Kann der denn eine Veranstaltung machen, wo der Dieter Hallervorden denn so ein Lied singt? Ich sage: Ja, weil das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich möchte kein Land haben und kein Land regieren als Ministerpräsident, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben." Der CDU-Landesverband erklärte: "Die Veranstaltung war bewusst als Gesprächsformat angelegt. Sie sollte zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben können." Und: "Wir dürfen das Streiten nicht verlernen – unterschiedliche Auffassungen müssen nebeneinanderstehen können, ohne dass der Respekt füreinander verloren geht." Das bedeute nicht, dass sich Schulze oder die CDU Sachsen-Anhalt jede dort geäußerte Meinung zu eigen machten. Laut Landes-CDU kam Hallervorden mit dem Wunsch auf Schulze zu, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. "Dabei war von Anfang an klar, dass Herr Hallervorden als Künstler – in Sachsen-Anhalt geboren – seine eigenen Texte und Inhalte verantwortet und sich diese nicht vorgeben lässt." Der Landesverband macht klar: "Die politischen Positionen der CDU Sachsen-Anhalt ergeben sich aus ihren Beschlüssen und den Aussagen ihrer Verantwortungsträger und nicht aus künstlerischen Beiträgen von Gästen einer Veranstaltung." In einem Lied wendet sich Hallervorden auch an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): "Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!", heißt es im Song. Beim Auftritt in Halle erklärte der Künstler dem Publikum: "Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders." Hallervordens offenkundiges Ziel ist es, eine AfD-Regierung zu verhindern. "Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünfprozenthürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern", hatte er Anfang der Woche der dpa gesagt. Fünf Wochen vor der Wahl führt die AfD in Sachsen-Anhalt laut Umfragen deutlich vor der derzeit regierenden CDU und den anderen Parteien. Der dortige AfD-Landesverband wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden wie Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe hat der 1935 in Dessau geborene Hallervorden eine Kampagne ins Leben gerufen. Sie empfiehlt Wählerinnen und Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu setzen.