Investoren-Posse: DFB wirft Gianni Infantino unverantwortliches Handeln vor

Datum01.08.2026 15:10

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer DFB und andere europäische Verbände werfen Fifa-Chef Gianni Infantino unverantwortliches und intransparentes Handeln im Zusammenhang mit gescheiterten Investorenplänen vor. Die Pläne, kommerzielle Rechte an Wettbewerben an private Investoren zu verkaufen, wurden nach starkem Widerstand, insbesondere der Uefa, zurückgezogen. Verbände wie die FA, DBU und KNVB fordern eine grundlegende Überprüfung der Fifa-Führung und äußern Vertrauensverlust in Infantino.

InhaltNeben der Uefa kritisieren auch die europäischen Verbände Fifa-Chef Infantino scharf. DFB-Präsident Neuendorf fordert eine lückenlose Aufklärung der Investoren-Posse, in den Niederlanden ist von einem Vertrauensbruch die Rede. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Fifa-Präsident Gianni Infantino im Zusammenhang mit den gescheiterten Investorenplänen  unverantwortliches Handeln vorgeworfen. "Die Vorgänge rund um dieses von Gianni Infantino initiierte Projekt müssen jetzt lückenlos aufgeklärt werden. Der Fifa-Präsident hat eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt", schrieb DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Man müsse nun "gemeinsam mit der Uefa und anderen Konföderationen dafür sorgen, dass bei der Fifa eine grundsätzlich andere Kultur einzieht. Eine Kultur, in der vor allem Entscheidungen wieder von den Mitgliedern in den Gremien diskutiert und getroffen werden." In der Nacht zum Samstag hatte der Weltverband Fifa die Pläne beendet, Anteile an den kommerziellen Rechten seiner Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM an private Investoren zu verkaufen. "Dieser Schritt der Fifa ist unausweichlich. Der Versuch, Fifa-Wettbewerbe für private Investoren zu öffnen, ist gescheitert. Das ist unter anderem auch dem sehr geschlossenen Auftreten aller Uefa-Mitgliedsverbände  zu verdanken", erklärte Neuendorf. Auch die englische FA forderte eine Neuausrichtung des Weltverbandes. "Es ist an der Zeit für eine umfassende und gründliche Überprüfung der Führung und Governance der Fifa, um sicherzustellen, dass das globale Spiel transparent geführt wird", hieß es in einer Reaktion auf der Plattform X. Der dänische Fußballverband DBU richtete deutliche Worte an Infantino. Er stimme der Uefa voll und ganz zu, dass das Vertrauen in den Fifa-Chef verloren gegangen sei, sagte DBU-Chef Jesper Møller in einer Mitteilung. "Deshalb kann ich ihn auch nicht unterstützen." Den Vorschlag zurückzuziehen, sei "die einzig richtige Entscheidung – und sie war zu erwarten", so Møller. "Der internationale Fußball stand an einem Scheideweg, an dem einige der Werte, die den Kern und die Seele des Fußballs ausmachen, unter Druck geraten waren." Auch der niederländische Fußballverband KNVB distanzierte sich von Infantino. "Mit dem Rückzug des Vorschlags ist die Angelegenheit für den KNVB nicht erledigt. Die Art und Weise, wie dieser Prozess verlaufen ist, hat zu einem grundlegenden Vertrauensbruch mit dem Führungsstil des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino geführt. Der KNVB hat kein Vertrauen mehr in seine Führung", hieß es in einem Statement. "Diese Situation erfordert ein ernsthaftes Gespräch über die Zukunft der Governance und Führung innerhalb der Fifa." Gianni Infantino kapituliert vor dem vehementen Widerstand und zieht die Investorenpläne der Fifa zurück. Wieso für den Weltfußball jetzt ein guter Moment wäre, um innezuhalten: Lesen Sie den SPIEGEL-Kommentar hier.