Datum01.08.2026 11:59
Quellewww.spiegel.de
TLDRMindestens 67 Menschen starben auf dem Weg in die spanische Exklave Ceuta. Viele ertranken bei dem Versuch, von Marokko aus zu schwimmen. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez fordert eine Sondersitzung der EU-Innenminister, um die mangelnde Unterstützung einiger Mitgliedstaaten zu verurteilen. Er kritisiert Vorurteile und politische Interessen, die eine einheitliche europäische Reaktion behindern. Tausende Menschen gelangten in den letzten Tagen irregulär nach Ceuta, fast alle sollen nach Marokko zurückgekehrt sein.
InhaltDie Zahl der Toten in Ceuta steigt auf 67. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verurteilt die Reaktionen seiner Partner: Er verlangt eine Videokonferenz der EU-Innenminister. Auf dem Weg in die spanische Exklave Ceuta sind mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Das berichten spanische Medien unter Berufung auf das Innenministerium des Landes. Demnach haben Einsatzkräfte seit Freitagnachmittag zehn weitere Leichen gefunden. Zuvor waren 57 Tote bestätigt worden. Laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE seien viele Menschen bei dem Versuch ertrunken, schwimmend von Marokko aus in die Exklave zu gelangen. Auf Fotos und Fernsehbildern waren unter anderem Schwimmreifen und Autoreifen zu sehen, mit denen sie sich entlang der marokkanischen Küsten nach Ceuta bewegten. Andere kletterten über die Grenzzäune. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat angesichts der dramatischen Lage eine EU-Sondersitzung auf Ministerebene gefordert. In einem Brief an die Spitzen der europäischen Institutionen verurteilte er die "Haltung" einiger Mitgliedstaaten, die durch "Vorurteile, Falschinformationen, Unwissenheit oder politische Interessen" motiviert sei. Ein solches "egoistisches, spaltendes und rechtswidriges" Vorgehen könne sich die Europäische Union derzeit nicht leisten, schrieb er. Die Innenminister der 27 Mitgliedsländer sollten sich zu einer Videokonferenz zusammenschalten. Sánchez geht es um die Reaktionen einiger EU-Partner . Sie hatten dem Land weder Hilfe angeboten noch zugesagt, Druck auf Marokko auszuüben. Stattdessen setzte etwa Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni härtere Grenzkontrollen an Flughäfen und auf Fähren in Richtung Spanien durch. Bereits am Wochenende wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, teilte ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mit. Am Montag sollen dann die Botschafter der EU-Staaten zusammenkommen. In den vergangenen Tagen waren Tausende Menschen irregulär nach Ceuta gelangt, das an der Küste Nordafrikas liegt. Die genauen Zahlen sind unklar: Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas hatte von rund 60.000 Personen gesprochen, die spanische Zentralregierung von knapp 50.000. Nach Angaben des spanischen Außenministers sind nahezu alle von ihnen nach Marokko zurückgekehrt. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sagte: "Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten."