Datum01.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRWaldbrände wie in Südeuropa sind auch in Brandenburg denkbar, besonders bei anhaltender Trockenheit, hohen Temperaturen und Wind. Zwar sind die Ausmaße dort nicht vergleichbar, doch Brandenburg gilt als Waldbrand-Hotspot. Ein höherer Laubholzanteil und Waldumbauprojekte verbessern die Situation, aber der Klimawandel erhöht die Gefahr. Brandenburg investiert in Waldbrandschneisen und Überwachungssysteme, kann aber derzeit keine Löschkräfte ins Ausland entsenden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Waldbrandgefahren“. Lesen Sie jetzt „Können Waldbrände wie in Südeuropa auch Brandenburg treffen?“. Die verheerenden Waldbrände in Südeuropa schockieren Feuerwehrleute, Förster und Katastrophenschützer in Deutschland. Zehntausende bis mehr als 200.000 Menschen mussten ihre Ortschaften verlassen. Die Ausmaße der Feuer in Frankreich und Spanien sind mit Waldbränden in Deutschland bei weitem nicht vergleichbar. "Wenn man solche Bilder sieht, fehlen einem die Worte", meinte der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Brandenburgs, Philipp Haase. Das Bundesland ist ein Waldbrand-Hotspot in Deutschland. Experten erklären, ob ähnliche Feuer wie etwa bei Bordeaux an der Atlantikküste hierzulande vorstellbar sind. Die Wälder in Südeuropa und die im Land Brandenburg seien hinsichtlich ihrer Waldbrandgefährdung durchaus vergleichbar, sagte der Leiter der Landesschule und Technische Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz, Heinz Rudolph, auf Anfrage der dpa. "Besonders wenn die bedeutsame Zahl 30 dreimal zutrifft - hohe Temperaturen über 30 Grad, niedrige relative Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent und starke Winde über 30 km/h - sind Szenarien wie in Frankreich, Spanien und Griechenland durchaus auch in Brandenburg denkbar." Der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Haase weist gleichwohl auf Unterschiede zwischen Brandenburg und den Brandgebieten im Süden Europas hin. Brandenburg habe andere landschaftliche Strukturen als die Gegend bei Bordeaux, weil sich Wiesen, Felder, Verkehrsinfrastruktur und Gewässer immer wieder abwechselten. Zudem seien die klimatischen Bedingungen andere: In Südfrankreich gebe es durch den Atlantik mehr Wind, der dem Feuer "Futter" gebe. Zudem habe dort wochenlange Trockenheit geherrscht ohne nennenswerten Regen. Die Fachleute verweisen dabei auf den Waldumbau, in den das Land investiere, und auf das Anlegen von Waldbrandschneisen. Dadurch scheine eine unkontrollierte Ausbreitung in dem Ausmaß nicht vorstellbar, sagte Rudolph. Es sei auch in Löschwasserentnahmestellen und in die Ausrüstung sowie Fahrzeuge investiert worden. Experte Haase betonte, der Laubholzanteil in den Wäldern in Brandenburg sei gewachsen. Mit den Pinienwäldern westlich von Bordeaux sei das nicht vergleichbar. In Brandenburg gibt es außerdem eine Waldbrandüberwachung und Früherkennung mit Hilfe von 108 installierten Kameras. 2025 hatte es in der Gohrischheide im nördlichen Sachsen einen ausgedehnten Waldbrand gegeben - laut Landkreis sollen 2.100 Hektar verbrannt sein. Im Elbe-Elster-Kreis war 2022 eine Fläche von rund 800 Hektar betroffen, in Jüterbog waren es 2023 um die 700 Hektar. So sieht ein aktueller Waldbrand-Zwischenstand bis Ende Juli aus: Es gab bislang in diesem Jahr nach Angaben des stellvertretenden Waldbrandschutzbeauftragten 241 Brände. Betroffen ist eine Fläche von insgesamt 539 Hektar. Zum Vergleich: In der spanischen Provinz Ávila wurden bei einem der bislang größten Feuer in der jüngeren Geschichte des Landes rund 50.000 Hektar verwüstet. Das entspricht in etwa der Größe des Bodensees. An der französischen Atlantikküste wurde eine Brandfläche mit 42.000 Hektar angegeben. "Wir sehen an den Bränden in Frankreich und Spanien die Auswirkungen des Klimawandels auf das Brandgeschehen", sagte Rudolph. Die Feuer breiteten sich immer schneller aus und seien umso schwerer beherrschbar, je länger sie nicht eingedämmt werden könnten. Zudem sollte laut Haase auch der Schutz von Wohngebieten, die nah am Wald liegen, in den kommenden Jahren verstärkt werden. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mahnte, der Klimaschutz müsse dringend vorangebracht werden. Um Hilfe anzufordern, gebe es das sogenannte EU-Katastrophenschutzverfahren, erklärte Rudolph. Ersuchen würden in Deutschland durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe koordiniert. Da das Land Brandenburg selbst eine hohe Gefährdungslage für Waldbrände habe, sei eine Entsendung von Kräften und Mitteln ins Ausland derzeit nicht geplant. Allerdings unterstützt eine spezialisierte Waldbrandeinheit aus Nordrhein-Westfalen beim Kampf gegen die Waldbrände in Spanien. © dpa-infocom, dpa:260801-930-469672/1