Datum01.08.2026 06:05
Quellewww.zeit.de
TLDRDB-Chefin Evelyn Palla kritisiert die deutsche Bahnführung für "organisierte Verantwortungslosigkeit" und mangelnde Leistungskultur. Sie bemängelt, dass Verantwortung oft weitergeschoben und Zielverfehlungen nicht sanktioniert wurden. Palla betont die Notwendigkeit von Lösungen statt Erklärungen. Trotz eines Passagierrekords und Gewinns bleiben die Pünktlichkeitsziele, insbesondere im Fernverkehr, schwer erreichbar. Die Sanierung des Netzes bis 2035 ist zentral für eine pünktlichere und profitablere Bahn.
InhaltDB-Chefin Evelyn Palla beklagt eine "organisierte Verantwortungslosigkeit" unter den Führungskräften. Eine schnelle Verbesserung der Pünktlichkeit erwartet sie nicht. Im Zuge des Umbaus der Deutschen Bahn hat Konzernchefin Evelyn Palla ihre Führungskräfte kritisiert. Mangelnde Leistungsbereitschaft im Management sei eine Ursache für die Probleme des Staatsunternehmens, sagte Palla der Welt am Sonntag laut Vorabbericht. "Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern". Zu oft sei die Verantwortung zwischen der zentralen Verwaltung und der operativen Ebene hin- und hergeschoben worden. Es habe eine Art "organisierte Verantwortungslosigkeit" geherrscht. Die Managerin kritisierte auch, dass in der Vergangenheit bei mehrfachen Zielverfehlungen kaum Konsequenzen gezogen worden seien. "Man musste nur gut genug erklären, warum die Ziele nicht erreicht werden konnten. Damit kam man oft jahrelang durch." Palla interessiere sich aber nicht für die Erklärung von Problemen, sondern für die Lösung. "Wir hatten bei der Bahn noch nie ein Erkenntnisproblem, aber viel zu lange ein Umsetzungsproblem. Das hat nachweislich nicht zum Erfolg geführt." Zugbegleiter, Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisarbeiter und Disponenten seien mit ihrer Kritik nicht gemeint, sagte Palla. "Alle, die jeden Tag mit einer unbefriedigenden Situation kämpfen und viel improvisieren müssen, das sind meine Helden, die die Eisenbahn täglich am Laufen halten." Die Deutsche Bahn hatte am Donnerstag ihre Halbjahresbilanz vorgelegt. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr lag von Januar bis Juni bei 59 Prozent, im Regionalverkehr bei 88 Prozent. Mit rund 960 Millionen Fahrgästen verzeichnete die Bahn einen Passagierrekord. Zudem machte das Unternehmen erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn. Ein Fernzug geht bei der Bahn ab einer Verzögerung von sechs Minuten in die Verspätungsstatistik ein. Für das laufende Jahr hatte Palla ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent ausgegeben. Bisher liegt das Unternehmen hinter den Zielvorgaben. Schnelle Verbesserungen bei der Pünktlichkeit könne die Bahnchefin nicht versprechen. "Die Pünktlichkeit bleibt in diesem Jahr weiter schwierig, weil es im Netz einfach noch zu viele Störungen und zudem zu viele Baustellen gibt. Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor", sagte sie. Am Ende hänge alles davon ab, wie schnell das Schienennetz in Ordnung gebracht werde. Palla hat die Aufgabe, das marode Schienennetz in den nächsten zehn Jahren zu sanieren und die Bahn pünktlicher und profitabler zu machen. Die Managerin bekräftigte im Interview, dass all dies nicht schnell gehe. "2035 feiert die Bahn ihr 200-jähriges Jubiläum, und das soll auch das Jahr sein, in dem wir das Gröbste hinter uns haben."