Datum01.08.2026 05:42
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie USA planen offenbar massive, kurzfristige Angriffe auf Iran, die auch Infrastrukturziele treffen könnten. Israel könnte sich beteiligen. Iran droht mit Gegenschlägen gegen kritische Infrastruktur in Israel und Golfstaaten, um die Weltmarktpreise für Öl und Gas zu beeinflussen. Die Spannungen verschärfen sich, diplomatische Lösungen sind nicht in Sicht.
InhaltDie US-Regierung plant massive Schläge gegen Iran, womöglich noch an diesem Wochenende. Das legen Berichte nahe. Selbst Israel könnte wieder in den Krieg eingreifen. Teheran reagierte umgehend. Die USA stehen US-Medienberichten zufolge kurz vor dem Beginn einer der größten Angriffswellen auf Iran. Diese könnten bereits an diesem Wochenende starten und auch iranische Infrastruktur oder Energieanlagen zum Ziel haben, berichtete etwa CBS News unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Auch Israel könne dabei wieder in den Krieg einsteigen. Das "Wall Street Journal" berichtete, Trump habe bereits neue und mehrtägige Angriffe befohlen, könnte seine Meinung aber noch bis zur letzten Minute ändern. Angesichts der Medienberichte drohte Iran umgehend mit Gegenschlägen auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Das berichteten die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die USA müssten sich bewusst sein, dass Energieanlagen von weltweiter Bedeutung in Saudi-Arabien und in Katar innerhalb der Reichweite iranischer Raketen lägen, hieß es bei Fars weiter. Auch Anlagen in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden genannt. Es gebe einen umfassenden Plan für Gegenschläge, zitierte Tasnim einen ranghohen iranischen Sicherheitsbeamten. Irans Militär habe bereits zuvor demonstriert, dass es die Fähigkeit und die Entschlossenheit für Gegenangriffe habe. Die Berichten zufolge geplanten amerikanisch-israelischen Angriffe auch auf Infrastrukturziele in Iran seien ein Akt des Wahnsinns. Teheran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder mit Raketen und Drohnen Ziele in den Golfstaaten angegriffen, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden. Dabei wurden vereinzelt auch wichtige Energieeinrichtungen getroffen, etwa Katars Anlagen zur Herstellung und Verschiffung von Flüssiggas oder Ölanlagen in Kuwait. Die Flugabwehr der Golfstaaten konnte bislang viele ballistische Raketen Irans abschießen – zuletzt wuchs aber die Sorge, dass die Vorräte an Flugabwehrraketen insbesondere für das Patriot-System zur Neige gehen könnten. Auch die US-Bestände sind Medienberichten zufolge inzwischen deutlich geschrumpft. Sollten Iran neue Schläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten gelingen, dürften die Weltmarktpreise für Öl und Gas weiter steigen, was Teheran als Druckmittel gegen Trump nutzt. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress den Wählern stellen. Zudem kontrolliert Iran auch weiterhin die Straße von Hormus, die normalerweise eine wichtige Route für den Export von Öl und Flüssiggas aus den Golfstaaten ist. Das US-Militär hat inzwischen als Druckmittel seine Seeblockade erneuert, um wiederum Iran von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden. Der israelische Iranexperte Danny Citrinowicz schrieb auf X, auch Angriffe auf Irans zivile und wirtschaftliche Infrastruktur dürften die Machthaber in Teheran nicht zum Einlenken bewegen. Mit Blick auf mögliche Gegenangriffe auf Ziele in den Golfstaaten schrieb er weiter: "Iran wird sicherlich heftige wirtschaftliche Schäden erleiden, aber es ist genauso wahrscheinlich, dass Iran im Gegenzug die Kosten für seine Gegner erhöhen wird." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Auch werde Iran als Druckmittel die Straße von Hormus weiter kontrollieren und über seine Verbündeten im Jemen, die Huthi-Miliz, den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang des Roten Meeres verstärken. "Es gibt keine militärische Wunderwaffe für die Herausforderung, die Iran darstellt", schrieb Citrinowicz. Trump hatte zu Beginn des Kriegs gesagt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen geht der Konflikt in den sechsten Monat und eine Lösung scheint so wenig in Sicht wie fallende Öl- und Gaspreise. Bei einer Kabinettssitzung auf dem Landsitz Camp David am Freitag sprach Trump bereits von weiteren Angriffen auf Iran. "Wir werden sie sehr hart treffen", sagte er, ohne einen zeitlichen Rahmen dafür zu nennen. "Wissen Sie, irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können." Iran hätte nach den bisherigen Angriffen noch etwas militärische Kapazitäten, bald jedoch nicht mehr, sagte Trump. Mit Blick auf diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Kriegs gab Trump sich frustriert. Die Iraner hielten sich oft nicht an das Verabredete und würden Gesprächsinhalte öffentlich falsch darstellen, kritisierte er erneut. "Alles, was sie tun, ist, mich wütend zu machen." Seit Wochen sind bei den Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran zumindest öffentlich keine Fortschritte zu erkennen. Ein im Juni abgeschlossenes Rahmenabkommen der Kriegsparteien sorgte nicht lange für eine Feuerpause. Die US-Regierung will unter anderem eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt erreichen und sicherstellen, dass Iran keine Atombomben herstellen kann.