Datum01.08.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Niedersachsen ist die Zahl der Kinder, die Opfer von Gewalttaten wurden, zwischen 2020 und 2025 um 60 Prozent gestiegen, was 12.129 Kindern im letzten Jahr entspricht. Hauptursache ist die Zunahme von Bedrohungen und einfachen Körperverletzungen. Sexueller Missbrauch bleibt auf hohem Niveau, jedoch sank die Zahl der Anklagen und Verurteilungen drastisch. Das Ministerium nennt Nachholeffekte der Corona-Pandemie als Ursache, sieht aber erste positive Entwicklungen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kriminalitätsstatistik“. Lesen Sie jetzt „Mehr Kinder werden Opfer von Gewalt“. Die Zahl der Kinder unter Gewaltopfern ist in den vergangenen Jahren in Niedersachsen gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Niedersächsischen Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der CDU hervor. Demnach stieg die jährliche Zahl der Kinder, die Opfer von Gewalttaten wurden zwischen 2020 und 2025 um 60 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden demnach 12.129 Kinder Opfer von Gewalttaten. Zur Anklage kommt es meist nur in einem Bruchteil der Fälle und noch seltener zu Verurteilungen. Auf einem nahezu unveränderten hohen Niveau verharrte in den vergangenen fünf Jahren unterdessen die Zahl der Opfer bei sexuellem Missbrauch von Kindern - sowohl vor als auch nach einer umfangreichen Reform des Straftatbestandes 2021. Zuletzt lag die Zahl der Opfer 2025 bei 2.005 Kindern. Über beide Deliktfelder hinweg machten einfache Körperverletzungen und Bedrohungen die meisten Fälle aus. Gefolgt von sexuellem Missbrauch von Kindern sowie gefährlicher oder schwerer Körperverletzung. Die Zunahme an Bedrohungen um mehr als das Doppelte sowie der einfachen Körperverletzungen ist dabei der Hauptgrund für den Anstieg der Gewaltopfer. Auffällige Anstiege gab es auch bei der Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen, bei den sexuellen Belästigungen sowie bei Raubdelikten. Das Justizministerium begründet die Entwicklung unter anderem mit Nachholeffekten aus der Corona-Zeit. Die Einschränkungen bei sozialen Kontakten oder Belastungen im familiären Umfeld hätten bei Kindern und Jugendlichen zu einem Mangel bei der Sozialisation geführt. "Die seit 2024 feststellbaren Rückgänge sprechen dafür, dass diese Effekte zumindest teilweise nur temporär sind", heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage weiter. Zudem verwies das Ministerium auf das 2025 verabschiedete Gesamtkonzept Kinderschutz, das unter anderem den Ausbau von Kinderschutzambulanzen oder ein landesweit vernetztes Präventionsangebot vorsieht. Im Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern sind die Verdächtigen nahezu ausschließlich männlich und die Opfer zu drei Vierteln weiblich. Bei den Gewalttaten liegen keine Informationen über die Tatverdächtigen vor. Auffällig: Während die Zahl der Anzeigen beim sexuellen Missbrauch von Kindern in den vergangenen fünf Jahren ebenso stabil war wie die Opferzahl, gab es in den vergangenen zwei Jahren einen Einbruch bei den Anklagen und Verurteilungen. 2025 gab es 38 Verurteilungen, 2020 waren es noch 148. © dpa-infocom, dpa:260801-930-469506/1