Artenwechsel durch Klimawandel: Was zirpt denn da? Tierarten kommen nach Hessen

Datum01.08.2026 01:20

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Klimawandel verändert die Artenvielfalt in Hessen. Hitzeresistentere Arten aus wärmeren Regionen, wie der Zistensänger, Seidensänger, Weinhähnchen, Ödlandschrecke und Südliche Grille, wandern ein und verändern die heimische Tierwelt. Gleichzeitig verschwinden Arten, die kühleres Wetter bevorzugen, wie Fitislaubsänger oder Braunkehlchen, besonders im Flachland. Dies führt zu einem spürbaren Wandel in der Klanglandschaft Hessens.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Artenwechsel durch Klimawandel“. Lesen Sie jetzt „Was zirpt denn da? Tierarten kommen nach Hessen“. Was man früher eher vor allem von lauen Urlaubsabenden am Mittelmeer kannte, gibt es nun auch häufiger in Hessen zu hören: das markante Zirpen von Schrecken und Grillen. Und auch der Gesang einst eher südländischer Vögel kann mancherorts ertönen. Letztendlich führe der Klimawandel zu einem Artenwechsel, sagt Bernd Petri, Experte des Naturschutzbundes Hessen. "Organismen, die kühleres und feuchteres Wetter lieben, werden verschwinden. Zugleich werden hitze- und trockenheitsresistentere Arten hier Einzug erhalten." Diese Anpassung finde eigentlich permanent statt. "Wir haben beispielsweise in Südhessen mittlerweile Arten, die eingewandert sind." Die habe es vor 5, 10 oder 20 Jahren eigentlich noch gar nicht gegeben. Da seien beispielsweise zwei Vogelarten: Der Zistensänger brüte jetzt im zweiten Jahr hintereinander in den Bruchwiesen bei Büttelborn (Kreis Groß-Gerau), einem großen Schutzgebiet. "Der ist jetzt ein neuer Hesse, der ist eingewandert aus dem Mittelmeerraum." Die zweite Art sei der Seidensänger, der sich ebenfalls in den Bruchwiesen aufhalte. Beide Vogelarten werden sich nach Einschätzung von Petri weiter verbreiten.  Und da seien natürlich die Schrecken und Grillen, mit ihren markanten Geräuschen, die man früher nur aus dem Süden kannte. "Seit einigen Jahren hören wir im Hochsommer die Weinhähnchen, die gab's vor 20 Jahren auch nur Mittelmeerraum." Und jetzt würden sie uns auch hierzulande bezirzen. Auch die Ödlandschrecke mit ihren blauen Flügen breitet sich laut Nabu zunehmend in Hessen aus. Ebenso die Südliche Grille, mit ihrem typischen rauen Grillengeräusch. "Die ist extrem trockenresistent und hitzeresistent." Ihr Zirpen sei nun gerade in den sommerlichen Abendstunden an erhitzten Beton- und Asphaltflächen und ganz besonders entlang von Bahngleisen zu hören, sagt Petri. "Also auch die Klanglandschaft hat sich in Hessen verändert."  Aber zugleich würden auch Arten in Hessen seltener werden, besonders im Flachland, sagt Nabu-Sprecher Berthold Langenhorst. Dazu zählten unter anderem Fitislaubsänger, Zeisige, Wiesenpieper und Braunkehlchen - Arten, die eher in gemäßigten Klimaregionen zu Hause seien. "Sofern keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden, würden diese so langsam hier eher verschwinden." © dpa-infocom, dpa:260731-930-469219/1