Mecklenburg-Vorpommern: Tote Robben untersucht – Hinweise auf menschliche Einwirkungen

Datum31.07.2026 18:01

Quellewww.spiegel.de

TLDRZehn tote Robben in Mecklenburg-Vorpommern wurden untersucht. Ursachen sind teils Unterernährung und Krankheiten. Bei vier Tieren gibt es Hinweise auf menschliche Einwirkungen, wie fehlende Köpfe oder mögliche Fischernetzverhedderungen. Diese Ergebnisse sind vorläufig. Bisher wurden 20 tote Robben registriert, insbesondere auf Rügen. Möglicherweise ist dies saisonal bedingt durch mehr Kegelrobben und kritische Phasen für Jungtiere. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 2024.

InhaltWoran starben die Robben in Mecklenburg-Vorpommern? Das Deutsche Meeresmuseum hat zehn Tiere untersucht. Einige könnten in Fischernetze geraten sein. Die seit Mai an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern tot aufgefundenen Robben sind offenbar aus verschiedenen Gründen gestorben. Teils gebe es Anzeichen für Unterernährung und Krankheiten, teilte das Schweriner Umweltministerium mit . Über einige Tiere habe man keine eindeutigen Aussagen treffen können, weil sie bereits stark verwest waren. Bei vier der zehn Robben hätten die Fachleute allerdings "Hinweise auf mögliche menschliche Einwirkungen" gefunden. Ob dies vor oder nach dem Tod passiert ist, sei unklar. Einer im Südosten Rügens gefundenen Robbe fehlte nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums der Kopf. Wegen der glatten Kante der Haut gehen die Experten davon aus, dass ihn ein Mensch abgetrennt hat. Möglich sei, dass die entsprechenden Tiere als Beifang geendet sind – das würde bedeuten, dass Fischer verantwortlich sein könnten. Die Ergebnisse seien jedoch vorläufig, betonten die Experten. Man müsse "jeden einzelnen Fund sorgfältig und ohne Vorverurteilungen bewerten", sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD). "Hinweise auf mögliche menschliche Einwirkungen nehmen wir sehr ernst und werden sie gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden weiter auswerten." Zunächst sei es weder fachlich gerechtfertigt noch verantwortungsvoll, die Küstenfischerei unter Verdacht zu stellen. An der Nordost-Küste Mecklenburg-Vorpommerns sind in den vergangenen drei Monaten insgesamt 20 tote Robben registriert worden. Besonders viele wurden laut dem Umweltministerium an der südöstlichen Küste der Insel Rügen entdeckt, einige auch an der Außenküste Usedoms und im Greifswalder Bodden. Das Deutsche Meeresmuseum will abgleichen, ob sich in diesem Jahr mehr lebende Robben in dem Gebiet aufhalten. Zudem plant es, die Robben virologisch zu untersuchen. "Grundsätzlich kommt es im Frühjahr und Sommer an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zu mehr Totfunden als im Herbst und Winter", sagte Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum. In dieser Zeit würden sich mehr Kegelrobben in der Region aufhalten. Für Jungtiere sei es zudem eine kritische Phase. Im Oktober 2024 waren in kurzer Zeit mehr als 40 tote Robben an der Küste Rügens gefunden worden. Ein natürlicher Tod wurde nach damaligen Untersuchungen ausgeschlossen. Experten zufolge gab es Hinweise darauf, dass die Robben ertrunken sind, etwa in einem Netz oder einer Reuse. Anfang des Jahres erließ die Staatsanwaltschaft Strafbefehle gegen zwei Fischer. Ein Prozess steht noch aus.