Kosovo: Kriegsverbrechen – Prozess gegen Serben beginnt

Datum31.07.2026 17:02

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Prozess gegen 21 ehemalige serbische Amtsträger wegen des Massakers von Recak 1999 hat begonnen. Ihnen wird Mord, Folter und Vertreibung von 42 Zivilisten vorgeworfen. Serbien bestreitet bis heute, dass es sich um ein Massaker handelte. Die Angeklagten fehlten bei Prozessauftakt, ihre Verteidiger sind anwesend. Das Verbrechen beeinflusste maßgeblich die NATO-Intervention.

InhaltIm Januar 1999 fielen serbische Streitkräfte in ein Dorf im Kosovo ein und erschossen Zivilisten. Nun wird einigen Beteiligten der Prozess gemacht. Dem Auftakt blieben sie fern. Mehr als 27 Jahre nach einem der schwersten Kriegsverbrechen im Kosovokrieg hat ein Prozess gegen frühere serbische Amtsträger begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den 21 Männern unter anderem Mord, Folter, unmenschliche Behandlung und Vertreibung von Zivilisten nach Albanien vor. Es geht um das Massaker von Recak im Januar 1999, das den Kriegsverlauf maßgeblich beeinflusste. Es trug unter anderem zur Entscheidung der Nato bei, Luftangriffe auf die Truppen des damaligen serbischen Machthabers Slobodan Milošević zu fliegen. Laut der Anklage hätten serbische Kräfte das Dorf Recak damals beschossen, anschließend Häuser durchsucht und 42 unbewaffnete Zivilisten aus nächster Nähe erschossen. Sie starben nicht infolge von Kämpfen, sondern durch "vorsätzliche, geplante und systematische Hinrichtungen", heißt es. Die Angeklagten hätten den Angriff demnach mit geplant und ausgeführt. Zu ihnen gehören unter anderem der frühere Geheimdienstchef Radomir Marković und der für Sondereinsätze zuständige Polizeigeneral Goran Radosavljević. Keiner der Beschuldigten erschien persönlich vor dem Gericht in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. Die Vorsitzende Richterin Violeta Namani Hajra sagte, das Verfahren werde trotz ihrer Abwesenheit eröffnet. Die Männer werden durch vom Anwaltsverband bestellte Verteidiger vertreten. Serbien bestreitet bis heute, dass in Recak ein Massaker an Zivilisten verübt wurde. Auch der heutige serbische Präsident Aleksandar Vučić bezeichnete die Getöteten wiederholt als Kämpfer der Kosovo-Befreiungsarmee UCK. Nach dem Abzug der serbischen Truppen infolge der Luftangriffe wurde eine internationale Friedenstruppe im Kosovo stationiert. Das Gebiet erklärte 2008 seine Unabhängigkeit, die Belgrad nicht anerkennt. Im Juni waren fünf weitere Kosovo-Serben wegen mutmaßlicher Beteiligung an den Tötungen festgenommen worden. Gegen sie ist ein gesondertes Verfahren geplant. Im Kosovokrieg starben mehr als 13.000 Menschen, die meisten von ihnen Kosovo-Albaner.