Deponie Ihlenberg: Bleibt der Ihlenberg doch länger eine Sondermülldeponie?

Datum31.07.2026 16:22

Quellewww.zeit.de

TLDRUmweltminister Backhaus befürwortet den Südausbau der Sondermülldeponie Ihlenberg, um die bis 2035 zulässige Einlagerung gefährlicher Abfälle sicherzustellen. Dies steht im Einklang mit dem Kabinettsbeschluss von 2019, der eine Schließung für gefährliche Abfälle zu diesem Zeitpunkt vorsieht und eine Hinwendung zu Recycling und grüner Energie anstrebt. Kritiker befürchten, dass die Deponie doch länger als Sondermülldeponie genutzt wird, da keine Alternativen in Sicht sind.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Deponie Ihlenberg“. Lesen Sie jetzt „Bleibt der Ihlenberg doch länger eine Sondermülldeponie?“. Bleibt die Deponie Ihlenberg zwischen Schönberg (Nordwestmecklenburg) und Lübeck (Schleswig-Holstein) entgegen anderslautender Ankündigungen der Schweriner Landesregierung auch nach 2035 eine Sondermülldeponie? Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat bei der Eröffnung eines neuen Bürogebäudes auf dem Gelände der Deponie den sogenannten Südausbau der Deponie befürwortet. Die landeseigene Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft mbH (IAG) hatte nach Worten einer Unternehmenssprecherin den Ausbau des knapp acht Hektar großen Areals für die Einlagerung gefährlicher Abfälle (Deponieklasse DK III) beantragt. Der Deponiebetrieb für gefährliche Abfälle auf dem Ihlenberg soll laut einem Beschluss des Kabinetts in Schwerin aus dem Jahr 2019 Ende 2035 geschlossen werden. Die Müllannahme soll demnach auf ungefährliche Abfälle aus dem Entsorgungsgebiet Nord-Ost beschränkt werden. Die Deponie soll laut dem Kabinettsbeschluss stärker von der Gewinnerwirtschaftung hin zu einer nachsorgenden Einrichtung entwickelt werden. Ressourcenschutz, Abfallvermeidung und Recycling sollen Grundpfeiler der künftigen Entsorgungskonzeption sein, hieß es damals. Seit mehreren Jahren arbeitet die Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft am Umbau des Unternehmens vom reinen Deponiebetrieb hin zu einem Kompetenzzentrum für grüne Energie, Umwelttechnik und Kreislaufwirtschaft. Die Eröffnung des 13 Millionen Euro teuren Bürogebäudes ist der jüngste Schritt. "Es ist ein Meilenstein für die Neuausrichtung des Unternehmens", sagt IAG-Geschäftsführer Peter Axmann. "Wir gewährleisten künftig nicht nur Entsorgungssicherheit." In einem 90.000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet am Ihlenberg sollen sich Firmen ansiedeln. Mitte Juli wurde der Plan für den Bau einer Bodenwaschanlage für belastete Böden und Bauschutt bekanntgegeben. Sie soll 2029 in Betrieb gehen als Teil eines Baustoff-Recyclings. Auf stillgelegten Teilen der Deponie sind nach IAG-Angaben ab 2028 Solaranlagen geplant. "Der geplante Südausbau steht nicht im Widerspruch zum erklärten Ziel. Er dient ausschließlich dazu, die bis Ende 2035 weiterhin zulässige Ablagerung gefährlicher Abfälle sicherzustellen", sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur. Der Südausbau setze die geltende Beschlusslage also um, er hebe sie nicht auf. IAG-Geschäftsführer Axmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, allen Beteiligten sei bewusst, dass über die Zeit nach 2035 gesprochen und nachgedacht werden müsse. Voraussetzung für ein Ende der Einlagerung von DK III-Abfällen auf dem Ihlenberg sei, dass es eine andere Deponie dafür gebe. Eine solche sei aber nicht in Sicht. Ehe eine solche Deponie eröffnet werden könne, brauche es 10 bis 15 Jahre Vorlauf. Dem Vernehmen nach hat sich bisher kein anderes norddeutsches Bundesland bereiterklärt, eine Deponie für gefährliche Rückstände zu errichten.  Dennis Klüver, Spitzenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl am 20. September, wohnt im nahen Rehna und begleitet die Entwicklungen auf der Deponie kritisch. Er vermutet: "Als Nächstes bedauert man die norddeutsche Entwicklung, dass kein Nachbarland eine Klasse III-Deponie eröffnete, ja nicht mal plante. Wie es weitergeht? Dann wird die alte Deponie geschlossen und direkt daneben auf gleicher veralteter Grundlage ein neues Teilstück eröffnet. Eine verlogenere Umweltpolitik kann ich mir kaum vorstellen." Er rechnet damit, dass die Genehmigungen für den sogenannten Südausbau nach der Landtagswahl erteilt werden. Die Sondermülldeponie wurde 1979 errichtet. Gegen Devisen lagerte die DDR auf dem Ihlenberg gefährliche Rückstände aus dem westlichen Ausland ein. Nach der Wende wurde das Areal weiter als Sondermülldeponie betrieben. Bisher wurden nach Angaben der IAG 22 Millionen Kubikmeter Müll eingelagert. Platz ist demnach für weitere sechs Millionen Kubikmeter. Von den 115 Hektar Deponiefläche sind den Angaben zufolge aktuell 50 Hektar in der Stilllegung. © dpa-infocom, dpa:260731-930-467873/1