Ungarn: Ungarn hat künftig keine gedruckte Tageszeitung mehr

Datum31.07.2026 16:13

Quellewww.zeit.de

TLDRUngarns letzte gedruckte Tageszeitung, die "Magyar Nemzet", erscheint ab August nur noch wöchentlich. Die Zeitung, die Kritiker als Sprachrohr Viktor Orbáns bezeichnen, wechselt angesichts der Umwälzungen in der ungarischen Medienlandschaft zum wöchentlichen Format. Zuvor hatte bereits die liberale "Nepszava" ihre Druckausgabe eingestellt. Seit Orbáns langer Amtszeit hat die Regierung die Presse weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht.

InhaltMit der "Magyar Nemzet" stellt die letzte gedruckte Tageszeitung Ungarns auf wöchentliche Erscheinung um. Sie gilt als ein Sprachrohr Viktor Orbáns. In Ungarn ist die vorläufig letzte gedruckte politische Tageszeitung erschienen. Dazu kam es, weil die Magyar Nemzet (Ungarische Nation), die bisher als Tageszeitung erschien, mit dem Monat August zu einem wöchentlichen Format wechselt.  Die Geschichte der Zeitung begann von 88 Jahren, sie galt lange als seriöse Publikation aus dem konservativen Spektrum. 2019 war die Magyar Nemzet dann neu gegründet worden. Nach Ansicht von Kritikern agiert sie seither als Sprachrohr des im April abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seiner Fidesz-Partei. Beobachter in Budapest erwarteten zuletzt, dass die Magyar Nemzet auch nach der Umstellung Propaganda zugunsten von Oppositionsführer Orbán verbreiten werde. Die letzte unabhängige Tageszeitung des Landes, Nepszava, hatte ihre Druckausgabe bereits Anfang Juli eingestellt. Die politisch links eingeordnete Zeitung erschien erstmals vor 153 Jahren und ist laut dem Nachrichtenportal Balkan Insight derzeit auf der Suche nach neuen Investoren. Schon länger hatten regierungsunabhängige Medien in Ungarn verstärkt auf Onlinemedien und gedruckte Wochenzeitungen gesetzt. Ungarns Medienlandschaft befindet sich nach dem Regierungswechsel im Umbruch. Ex-Regierungschef Orbán hatte in seiner 16-jährigen Amtszeit den Großteil der Presse über eine umstrittene Medienstiftung weitgehend unter Regierungskontrolle gebracht. Nach dem Wahlsieg der Tisza-Partei besetzte sein Nachfolger Péter Magyar die öffentlich-rechtlichen Medien mit einer neuen Führung. Nachrichtensendungen wurden bis auf Weiteres aus dem Programm genommen und Fidesz-treue Journalisten entlassen.