Datum31.07.2026 13:18
Quellewww.zeit.de
TLDRPotsdamer Kliniken schließen Stationen und Abteilungen aufgrund wirtschaftlichen Drucks und einer Krankenhausreform. Das Klinikum Ernst von Bergmann stellt Orthopädie und Gefäßchirurgie ein, St. Josefs Neurologie sowie Frauenheilkunde. Personalmangel führte bereits zur Einstellung der Gynäkologie/Geburtshilfe im St. Josefs. Es wird mit weiteren Belastungen und Anpassungen gerechnet, Tausende protestierten. Das Bergmann-Klinikum ist offen für eine Babyklappe. Landesweit sind weitere Schließungen geplant, wie die Kinderklinik in Ludwigsfelde-Teltow und das Krankenhaus in Wittstock.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Lage der Krankenhäuser“. Lesen Sie jetzt „Nach Stationsschließungen: Kliniken sehen neue Belastungen“. Die beiden großen Potsdamer Krankenhäuser planen nach der Schließung von je zwei Stationen derzeit zwar keine weiteren Streichungen - sehen aber neue Belastungen. "Der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser wird deutlich größer werden", sagte der Geschäftsführer des Klinikums Ernst von Bergmann, Tomislav Gmajnic, den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" mit Blick auf Krankenhausreform und Sparpaket der Krankenversicherung. "Das zwingt uns, alles noch einmal zu prüfen. Ob sich daraus weitere Schließungen ergeben, kann ich jetzt nicht sagen." Das St. Josefs-Krankenhaus verwies darauf, dass die Krankenhausreform bestimmte Qualitätsmerkmale setze, die für größere Häuser leichter zu erfüllen seien als für kleine. "Insofern können aus dem Drehen an dieser Schraube noch weitere Anpassungen entstehen", sagte der Regionalgeschäftsführer der Alexianer St. Josef Potsdam GmbH, Alexander Mommert. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber nicht absehbar." Das Klinikum Ernst von Bergmann bietet Orthopädie und Gefäßchirurgie ab August nicht mehr an, die vom St. Josefs-Krankenhaus und der Oberlinklinik in Potsdam übernommen werden. Das St. Josefs-Krankenhaus schließt Neurologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die das Bergmann-Klinikum übernimmt. Weil Personal fehlte, stellte die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus die Arbeit schon im Juli ein. Hunderte Menschen demonstrierten in Potsdam gegen Sparmaßnahmen. Im St. Josefs hätten 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum 31. Juli die Kündigung erhalten, sagte Mommert. Es gehe um Hebammen und Ärztinnen und Ärzte, die nicht ohne Weiteres in anderen Bereichen eingesetzt werden könnten. Nun werde nach Einsatzmöglichkeiten anderswo bei den Alexianern gesucht oder Unterstützung bei der Neuorientierung gegeben. Im Bergmann-Klinikum sind laut Gmajnic 14 Personen betroffen. Das Krankenhaus sehe kein Kapazitätsproblem mit den zusätzlichen Geburten. Nach der Schließung der Babyklappe im St. Josefs-Krankenhaus zeigt sich das Klinikum Ernst von Bergmann offen dafür, eine solche Möglichkeit einzurichten. "Mir ist nur wichtig, alles zu tun, was Frauen in schwierigen Situationen unterstützt", sagte Gmajnic. "Wenn eine Babyklappe dazu beiträgt, machen wir es, wenn die politischen Gremien dies beschließen." Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hatte die Schließung der Angebote gegen Kritik verteidigt. "Es werden alle Leistungen fortgeführt", sagte er in einer Sondersitzung des Landtags-Gesundheitsausschusses in der vergangenen Woche. Die Landeskrankenhausgesellschaft sieht einen täglich wachsenden Druck auf die Kliniken. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow schließt Ende Juli. Das Krankenhaus in Wittstock soll Anfang 2027 schließen, eine Poliklinik ist geplant. © dpa-infocom, dpa:260731-930-466514/1