Apple: Warum die Aktie trotz Rekordgewinn abschmiert

Datum31.07.2026 12:39

Quellewww.spiegel.de

TLDRApple verzeichnete trotz Rekordgewinn einen Kursrückgang. Dies liegt daran, dass Aktienbewertungen zukünftige Erwartungen widerspiegeln, nicht vergangene Erfolge. Analysten prognostizieren für Apple geringeres Umsatzwachstum als erwartet, insbesondere bei iPhones. Hauptursache sind steigende Chipkosten aufgrund des KI-Booms und begrenzter Produktionskapazitäten. Es wird diskutiert, ob dies auf Lieferengpässe oder nachlassende Kundennachfrage durch höhere Preise zurückzuführen ist.

InhaltDie Geschäfte laufen glänzend, aber der Börsenwert bricht trotzdem ein: Apple steht beispielhaft für ein größeres Problem der Techindustrie. Es wirkt erst einmal wie ein Widerspruch. Da verkündet ein Konzern die besten Zahlen, die er jemals in einem zweiten Quartal erwirtschaftet hat – und prompt bricht der Aktienkurs des Konzerns ein. So ergeht es gerade Apple. 29,8 Milliarden Dollar hat das Unternehmen im Zeitraum von April bis Juni verdient, also 2,02 Dollar pro Anteilsschein. "Wir haben sowohl beim Gewinn pro Aktie als auch beim operativen Cashflow neue Rekorde für ​ein Juni-Quartal aufgestellt", sagte Finanzchef Kevan Parekh dazu am Donnerstag. Am Tag danach haben die Aktien kurz vor Mittag mitteleuropäischer Sommerzeit um gut sieben Prozent an Wert verloren. Was ist da los? Die Mechanik ist einfach zu erklären, und sie ist auch keineswegs selten zu beobachten: Aktienkurse spiegeln nicht vergangene Erfolge – oder Misserfolge – eines Unternehmens wider, sondern die erwartete Zukunft. Insofern war das Rekordquartal bereits länger eingepreist, und tatsächlich machte Apple zuletzt dadurch Schlagzeilen, dass es Nvidia wieder als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst hatte. Die Zukunft hingegen sieht nicht mehr ganz so rosig aus, wie Analysten das erwartet hatten: Im laufenden Quartal rechnet Apple mit einem um neun bis elf Prozent höheren Gesamtumsatz – die Experten bislang mit zwölf Prozent. Bei den iPhones geht Apple nun von rund 15 Prozent mehr verkauften Geräten aus, die Erwartungen lagen bei 17,6 Prozent. Dass das immer noch extrem gute Aussichten sind, ist unerheblich; sie sind eben schlechter als zuvor. Die interessantere Frage ist daher: Warum werden Apples Geschäfte voraussichtlich etwas weniger gut lauten? Die kurze Antwort lautet: Weil die Geschäfte zu gut laufen – die von Apple selbst und der asiatischen Chipindustrie im Allgemeinen. So leidet die US-Techbranche insgesamt unter hohen Preissteigerungen etwa für Speicherchips, die ihre Ursache wiederum im KI-Boom haben. Die vielen neuen Rechenzentren brauchen so viele Halbleiter, dass die Fabriken in Taiwan und anderen asiatischen Ländern mit der Produktion nicht hinterherkommen. Wenn die Nachfrage das Angebot übertrifft, steigen die Preise. So hat etwa Amazon angekündigt, in diesem Jahr 20 Milliarden Dollar mehr für den KI-Ausbau auszugeben, hauptsächlich wegen der teureren Chips. Im Fall von Apple kommt dazu, dass der Konzern seine Chipsysteme zwar selbst entwickelt, aber bei Zulieferern fertigen lässt. Es gebe einfach zu wenig fortschrittliche Chipfertigungstechnologie, um Apples Bedarf zu decken, argumentierte Konzernchef Tim Cook: "Wenn man sich die Ursachen dafür ansieht, dann liegt es daran, dass wir einen unglaublich starken Produktzyklus erleben, der unsere Erwartungen übertrifft. Die Lieferkette für fortschrittliche Chipfertigung ist einfach grundsätzlich weniger flexibel, um die hohe Nachfrage zu befriedigen." Das Problem, so das Apple-Management, sei nicht, dass die Kunden nicht mehr so viele Produkte kaufen wollen wie erwartet – sondern dass man nicht genug dieser Produkte herstellen kann. Ob das allerdings wirklich die ganze Wahrheit ist, darüber sind sich Analysten uneinig. So folgen etwa die Experten von JPMorgan durchaus Apples Angaben und folgern daraus, dass Apples Umsätze dadurch eher verzögert werden als gar nicht mehr einzutreten. Anders ausgedrückt: Dann verkauft Apple die iPhones, MacBooks und Co. eben später. Andere Analysten gehen hingegen davon aus, dass auch die Nachfrage der Kunden leidet – weil Apple-Produkte teurer werden oder schon geworden sind. Die Preise für MacBooks und iPads hat Apple bereits angehoben und das zuvor angekündigt. Die Rekordzahlen des vergangenen Quartals könnten also auch darauf zurückgehen, dass Kunden noch schnell zu den niedrigeren Preisen gekauft haben, obwohl sie sonst möglicherweise erst in diesem Quartal zugeschlagen hätten. Dann hätte es in den vergangenen Monaten eine Art Strohfeuer gegeben. Bob O’Donnell, Chefanalyst bei TECHnalysis Research, sprach von einem Kaufrausch, der sich möglicherweise nicht fortsetzen wird. Eine zentrale Frage für Apples künftigen Erfolg ist die Frage, wie die KI-Version der Audio-Assistentin siri bei der Kundschaft ankommt. Die hat Apple im Juni mit zweijähriger Verspätung vorgestellt. Mehr dazu lesen Sie hier .