Datum31.07.2026 12:18
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Arbeitslosigkeit in Sachsen steigt, mit Chemnitz erstmals seit Jahren zweistellig (über 10%). Landesweit lag die Quote im Juli bei 7,2%, der höchste Wert seit zehn Jahren. Zwar ist der Anstieg saisonbedingt, doch der Verlust von Arbeitsplätzen, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, und anhaltende wirtschaftliche Probleme verschärfen die Lage. Wirtschaftsverbände fordern Reformen, um die Attraktivität von Arbeit zu erhöhen und Unternehmen zu entlasten. Bundesweit stieg die Arbeitslosigkeit ebenfalls.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Arbeitslosigkeit“. Lesen Sie jetzt „Mehr Arbeitslose in Sachsen - Chemnitz wieder zweistellig“. Erstmals seit Jahren ist die Arbeitslosenquote in einer der sächsischen Regionen wieder zweistellig. "Wir haben leider eine Schallmauer durchbrochen", konstatiert Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. In Chemnitz kletterte die Arbeitslosenquote im Juli über die Marke von zehn Prozent und war den Angaben zufolge damit so hoch wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Auch für Leipzig steht eine neun vor dem Komma. In ganz Sachsen ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli wie erwartet gestiegen. Zuletzt waren laut Regionaldirektion rund 155.000 Menschen ohne Job. Das waren etwa 5.100 oder 3,4 Prozent mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg von 7,0 auf 7,2 Prozent. Das ist der höchste Juli-Wert seit zehn Jahren. Die Bundesagentur griff dabei auf Datenmaterial zurück, das bis 13. Juli vorlag. Der Anstieg sei saisonbedingt und liege auf dem Niveau vergangener Jahre, erklärt Hansen. Denn mit dem Ende von Schule und Berufsausbildung suchen alljährlich im Sommer viele junge Menschen eine neue Beschäftigung. Zudem enden Fördermaßnahmen und laufen in vielen Betrieben Neueinstellungen wegen der Urlaubszeit auf Sparflamme. "Das allein ist für mich kein Grund zur Sorge", sagt Hansen. Zwar bleibe die Lage am Arbeitsmarkt insgesamt schwierig. Positiv sei aber, dass sich der Anstieg der Arbeitslosenzahlen langsam abschwäche. Doch angesichts wirtschaftlicher Probleme sind in Sachsen zuletzt viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist nach Zahlen der Regionaldirektion binnen eines Jahres um 18.400 auf knapp 1,6 Millionen geschrumpft (Stand Mai). Das seien immerhin noch deutlich mehr als vor 20 oder 30 Jahren, betont Hansen. "Aber die Beschäftigung lässt Federn." Das trifft vor allem das Verarbeitende Gewerbe (minus 10.000), aber auch Kfz-Handel und -Werkstätten (minus 4.100). Neue Jobs entstünden vor allem bei Dienstleistungen am Menschen etwa im Bereich Pflege und Gesundheit. Der kann die Rückgänge in anderen Sektoren aber nicht voll kompensieren. Wirtschaftsverbände und Kammern dringen wegen der Lage am Arbeitsmarkt schon länger auf Reformen. "Ohne Reformen bleibt die Trendwende am Arbeitsmarkt aus", bekräftigt der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) mit Blick auf die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. "Wer mehr Beschäftigung will, muss Arbeit attraktiver machen und Unternehmen entlasten." Kritisiert werden hohe Sozialabgaben, steigende Lohnzusatzkosten und immer neue Bürokratie. Laut Regionaldirektion waren im Freistaat zuletzt knapp 32.600 offene Stellen gemeldet. Da nicht alle Angebote den Arbeitsagenturen und Jobcentern übermittelt werden, gehe er davon aus, dass aktuell weit über 60.000 Arbeitsplätze in Sachsen zu besetzen seien, erklärt Hansen. Während in Chemnitz, Leipzig und dem Landkreis Görlitz die Arbeitslosigkeit sachsenweit am höchsten ist, können drei Regionen mit einer Quote von unter 6 Prozent punkten. Am niedrigsten ist sie im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (5,5 Prozent) vor den Landkreisen Meißen und Erzgebirge (jeweils 5,8). Damit liegen sie deutlich unter dem Bundesschnitt von 6,4 Prozent. Wie in Sachsen ist die Zahl der Arbeitslosen auch bundesweit im Juli gestiegen: um 71.000 auf über drei Millionen Menschen. © dpa-infocom, dpa:260731-930-465061/2