Datum27.11.2025 16:42
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers beschäftigt sich intensiv mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Bei der aktuellen Landessynode präsentierten 13 Betroffene ihre Erfahrungen in einem neuen, nicht öffentlichen Format. Die Synode zeigte sich bewegt und übernahm Verantwortung für frühere Versäumnisse. Dennoch gibt es Kritik an der Trennung von öffentlichen und nicht öffentlichen Redebeiträgen sowie an der Ausgrenzung von Diakonie-Betroffenen. Zusätzlich plant die Landeskirche, ihre Ausgaben bis 2035 um 30 Prozent zu senken, bedingt durch Mitgliederschwund.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Evangelische Kirche“. Lesen Sie jetzt „Landessynode ringt um Aufarbeitung sexualisierter Gewalt“. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bleibt ein zentrales Thema der diesjährigen Landessynode. Am dritten Tag der Synode sagte Präsident Matthias Kannengießer, der nicht öffentliche Teil der Sitzung, in dem Betroffene ihre Erfahrungen schilderten, sei ein "absolut neues Format" gewesen. Diese Art der Auseinandersetzung sei in Synoden bisher "so noch nicht versucht worden", sagte er und fügte hinzu: "Abgeschlossen ist damit jetzt gar nichts und in dieser Landessynode gar nichts, sondern das muss weitergehen." 13 Betroffene haben sich nach Angaben des Präsidiums der Landessynode in den mehr als drei Stunden langen nicht öffentlichen Teil mit Beiträgen eingebracht. Einige hätten persönlich vor den Mitgliedern der Synode gesprochen, andere hätten Schriftstücke oder Audio-Dateien eingereicht. In einer nach dem nicht öffentlichen Sitzungsteil einstimmig verabschiedeten Erklärung zeigte sich die Landessynode "sehr bewegt" von den Schilderungen der Betroffenen. "Wir übernehmen Verantwortung für Versäumnisse und Strukturen, die unsägliches Leid ermöglicht haben und weiterhin ermöglichen", hieß es in dem Dokument. Das Gremium betonte, es wolle sich weiterhin dafür einsetzen, Strukturen und Verhalten in der Kirche zu ändern: "Weg vom Nichtsehen zum Sehen, vom Nichthören zum Hören, und vor allem vom Nichthandeln zum Handeln." Landesbischof Ralf Meister sagte: "Nie gab es ein Thema, das bei vier aufeinander folgenden Tagungen der Landessynode jeweils zum Schwerpunktthema geworden ist." Bei keinem anderen Thema habe es in der Landeskirche innerhalb so kurzer Zeit so viel Bewegung gegeben. Das nicht öffentliche Format stieß jedoch nicht nur auf Befürwortung. Kritiker bemängelten, eine Teilung der Redebeiträge in einen öffentlichen undnicht öffentlichen Teil je nach Wunsch des Betroffenen wäre leicht umsetzbar gewesen. Für Diskussionen sorgte auch, dass die Synode den Betroffenen aus dem Kontext der Diakonie in diesem nicht öffentlichen Sitzungsteil kein Rederecht gestattete. Aus der Betroffenenvertretung der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission (URAK) für Niedersachsen und Bremen hieß es von einem Betroffenen etwa im Vorfeld der Synode: "Hier will wieder einmal die Kirche uns Betroffene in zwei Gruppen zerreißen, dabei ist es gleich, ob jemand von einem Kirchendiener oder von einem Diakon missbraucht und gequält wurde. Beide Institutionen sind evangelische Kirche." Ein weiterer Betroffener schrieb: "Soweit ich es verstehe, sind wir Heimkinder wieder einmal ausgegrenzt worden, denn die Landeskirche Hannovers macht einen Unterschied zwischen Kirche und Diakonie. Mir kommt es so vor, dass wir Heimkinder wieder gedemütigt werden." Neben der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt beschäftigt die Landeskirche auch ein ernsthaftes finanzielles Problem: Unter anderem wegen des Mitgliederschwunds will sie bis zum Jahr 2035 ihre Ausgaben um 30 Prozent senken. Wie genau das passieren soll, hat die Landessynode bislang nicht konkretisiert. © dpa-infocom, dpa:251127-930-350130/1