Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ist das noch Flammkuchen oder ist das schon ein Shrimpy Pimpy?

Datum31.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel thematisiert die Eröffnung eines neuen Flammkuchen-Bistros in Eppendorf, das moderne Kreationen jenseits des traditionellen Elsässer Stils anbietet. Erörtert werden unter anderem die Sternbrücken-Bauarbeiten, die CSD-Veranstaltungen, die Entfernung illegal gelagerter Boote von der Alster, Polizeiermittlungen gegen mutmaßliche Waffenhändler, die überdurchschnittliche Wärme im Juli, angepasste Verfassungsschutz-Abfragen für Beamte sowie die Erwähnung von Fernkälte als Alternative zu Klimaanlagen.

InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – Mit dem Start des Hamburger CSD, Fernkälte, Bewerberinnen auf dem Prüfstand und einer Sternbrücke im Stand-by-Modus wussten Sie, dass der Flammkuchen seine Bekanntheit einem einzigen Mann verdankt? Gérard Burg, ein Elsässer. Ich durfte ihn mal kennenlernen. Er hat diese Speise zwar nicht erfunden, die gab es wohl schon bei den Römern. Aber seit den Fünfzigern trug er sie in alle Welt. Präsident Chirac hat ihn dafür zum Flammkuchenbotschafter ernannt (so erzählt er es jedenfalls). Maître Burg also fiel mir wieder ein, als in meiner Nachbarschaft Flamm & Wein eröffnete. Bis dahin fuhr ich für Flammkuchen zum Schlump, ins unverwüstliche Jimmy Elsass. Der Studikneipen-Vibe dort passt gut zu einer so günstigen und geselligen Speise. Flamm & Wein stellt sich anders auf, passender wohl für Eppendorf. Das beginnt mit der Website, die "modernen Genuss" verspricht. Das Jimmy Elsass hat nicht mal eine. Außerdem bekommt man, anders als dort, auch kleine Portionen für einen oder zwei Esser. Sogar eine Degustation von vier Flammküchlein wird angeboten. Der Mitbesitzer und Küchenchef war früher bei Steffen Henssler. Man merkt das an seiner Neigung, Gerichte mit würzigen Soßen zu pimpen. "The Shrimpy Pimpy" heißt denn auch einer der Flammkuchen – eine gewagte Kreation mit Garnelen anstelle des üblichen Specks, Edamame, Kirschtomaten, Dill und Currysoße. Ich fühlte mich nach ein paar Bissen schon wie am Ende der Degustation. Und da hatte ich "The Pinky Goat" noch gar nicht probiert: Rote Bete, Cashewkerne, Feta, Rauke, Aioli. Puh! Etwas Ruhe fand ich erst bei der Flammkuchenversion eines Vitello tonnato. Gérard Burg übrigens hat sein Rezept für Flammkuchen sorgsam gehütet. Was ihn nicht daran hinderte, zu schimpfen, wenn jemand davon abwich. Was hätte er erst zu diesen Akten der Willkür gesagt? Meine Vermutung: gar nichts. Das wären für ihn fremde Gerichte. Aber den Original-Flammkuchen im Flamm & Wein hätte er skeptisch betrachtet: den etwas zu dicken Teig, den etwas zu üppigen Speck. Und besonders die paar Schnittlauchröllchen. Ich bin mir sicher, sein Verdikt wäre: "Die haben da nichts zu suchen." Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Die Arbeiten an der Sternbrücke wurden gestern mehrere Stunden aus- und erst ab dem Abend fortgesetzt. Der Einschub der neuen Sternbrücke an ihren Zielort ist für heute geplant. Die Organisatoren des Berliner CSD wollen morgen kurzfristig mit einem eigenen Wagen beim geplanten Demonstrationszug dabei sein und "dem Hamburger Pride den Rücken stärken". Die Teilnehmenden werden gebeten, auf dem Wagen dunkle Kleidung zu tragen. Im Juli wurden insgesamt knapp 100 wild gelagerte Boote und Boards aus Uferbereichen der Alster entfernt. Dabei handelte es sich laut Bezirksamt Hamburg-Nord um Kanus, Kajaks und SUPs. Die gesammelten Geräte werden von einem Dienstleister zentral gelagert. Wer sein Boot vermisst, kann es dort gegen eine Gebühr abholen. Mit einer groß angelegten Aktion in Berlin und Hamburg ist die Polizei gegen mutmaßliche Waffenhändler vorgegangen. Festnahmen gab es der Staatsanwaltschaft zufolge keine. Bei den Durchsuchungen in Hamburg wurden unter anderem drei scharfe Schusswaffen, rund 1.000 Patronen und 6.000 Euro Bargeld sichergestellt. Im Juli war es in Hamburg wärmer als gewöhnlich. Die vorläufige mittlere Temperatur lag laut Deutschem Wetterdienst bei 18,8 Grad Celsius. Die Temperaturen überschritten das langjährige Mittel um 1,8 Grad Celsius. Es ergibt sich aus der Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990. Ab morgen werden in Hamburg Bewerberinnen und Bewerber für den Staatsdienst beim Verfassungsschutz überprüft. Kritiker sagen: Das schwächt die Zivilgesellschaft. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa. Ab dem 1. August gilt: Ehe man in Hamburg Lehrer oder Richterin werden darf, an der städtischen Verkehrsplanung mitarbeiten oder im Amt für Migration, wird beim Verfassungsschutz gefragt, ob dort etwas gegen einen vorliegt. Die Einführung dieser sogenannten Regelanfrage hat die Bürgerschaft Mitte Juni beschlossen. "Wir müssen seit einigen Jahren erleben, dass Rechtsextremisten, Islamisten und andere Verfassungsfeinde versuchen, staatliche Institutionen zu unterwandern", sagt Sören Schumacher, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Vermutlich denkt er dabei auch an Joe Adade Boateng (Z+), den Anführer der verbotenen Gruppe Muslim Interaktiv, der an der Uni Hamburg auf Lehramt studiert. Man kann sich ausmalen, was los wäre, wenn der Staat dem Islamisten die Verantwortung für Minderjährige anvertrauen würde. Ähnliches gilt für Neonazis. Oder für russlandtreue Saboteure im Amt für IT und Digitalisierung. Die ungekürzte Fassung können Sie hier kostenlos lesen. → Zum Artikel An der Notwendigkeit von Klimaanlagen dürfte auch hierzulande mittlerweile niemand mehr zweifeln. Doch welche Alternativen gibt es für Büro- und Gewerbegebäude? Fernkälte gehört dazu, die in der City Nord bereits seit 1967 genutzt wird. ZEIT-Autor Dirk Asendorpf hat sich umgesehen. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Dieses Wochenende steht im Zeichen der CSD-Veranstaltungen: Das Straßenfest mit Musik, Shows, Talks und Performances rund um den Jungfernstieg beginnt heute (31.7.) und dauert bis Sonntag (2.8.). Morgen, am Samstag, startet um 12 Uhr die CSD-Demo. Los geht’s an der Lübecker Straße/Ecke Mühlendamm. Auf dem Wochenmarkt in Bergedorf: Am Blumenstand schwärme ich von dem schönen Strauß, den ich dort gekauft und der so lange gehalten hatte. Der Verkäufer trocken: "Jau, was länger hält als eine Woche, muss nachbezahlt werden." Gehört von Karin Redeker Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.