Datum31.07.2026 05:34
Quellewww.spiegel.de
TLDRAb August erhalten Verbraucher in Deutschland durch das neue EU-Recht auf Reparatur mehr Rechte, um Elektroschrott und Neuanschaffungen zu reduzieren. Hersteller müssen Ersatzteile länger vorhalten und Kunden erhalten bei Reparaturen innerhalb der Gewährleistung zwölf Monate Extragarantie. Skeptiker bezweifeln jedoch die praktische Umsetzung. Zudem wird das "Phantom" des Bundestags, Sieghard Knodel, thematisiert. Die Tour de France Femme startet mit neuem Elan, während die schwierige Historie weiblicher Radrennen beleuchtet wird. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der mit einem Rechtsanspruch beginnt, soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, trotz fehlender Plätze.
InhaltVerbraucher bekommen neue Rechte. Das Phantom des Deutschen Bundestags erklärt sich. Und die Frauen-Ausgabe der Tour de France startet. Das ist die Lage am Freitagmorgen. Welche neuen Rechte Verbraucher bekommen. Was das Phantom des Deutschen Bundestags zu sagen hat. Warum die Tour de France noch einmal startet. Sie kennen das: Man kauft ein Mobiltelefon, einen Saugroboter oder eine Waschmaschine – mitunter in dieser Reihenfolge – und kaum ist die Garantie abgelaufen, beginnen die Geräte zu spinnen – natürlich in dieser Reihenfolge. Ersatzteile sind rar, das Modell ausgemustert, eine Reparatur teuer. Am Ende kaufen Sie erneut ein Mobiltelefon, einen Saugroboter und eine Waschmaschine – in dieser Reihenfolge. Damit soll Schluss sein. Ab August greift in Deutschland das neue EU-Recht auf Reparatur (mehr hier ). Die Bundesregierung will Elektroschrott reduzieren und teure Neuanschaffungen vermeiden. Löblich, nutzt es doch der Umwelt und dem Portemonnaie. Lassen die Kunden kaputte Ware innerhalb der zweijährigen Gewährleistung reparieren, statt ein Austauschgerät zu wählen, erhalten sie künftig zwölf Monate Extragarantie. Die Hersteller müssen zudem länger Ersatzteile vorhalten. Aber wird Deutschland damit schon zur Reparatur-Republik? Meine Kollegin Maria Marquart ist skeptisch: Nachbarländer wie Frankreich etwa lassen die Hersteller in einen Fonds einzahlen, der Reparatur-Boni an Kunden ausschüttet. Auf dem Papier klinge der Plan der Bundesregierung "nach einem Durchbruch", schreibt Maria. "In der Praxis gibt es jedoch Zweifel, ob der Wandel gelingt." Klingt fast so, als müsste das neue Gesetz, kaum auf dem Markt, noch einmal in die Werkstatt. 630 Mitglieder hat der Deutsche Bundestag. Manche davon trifft man dauernd. Andere sind eher sporadisch in Berlin. Und dann gibt es Sieghard Knodel (mehr hier ). Keiner fehlt so oft wie er. Von den 68 Abstimmungen der laufenden Legislatur hat Knodel 59 verpasst. Er war an mehr als der Hälfte der Sitzungstage nicht anwesend. Im Parlamentsviertel nennen sie den ehemaligen AfD-Politiker: das Phantom. Dennoch streicht Knodel monatlich fast 12.000 Euro ein (mehr hier ). Der inzwischen fraktionslose Abgeordnete sei das Gegenteil eines guten Volksvertreters, schreibt unsere Korrespondentin Christine Keck. Natürlich verabscheut er, ganz AfD-Schule, die freie Presse. Stimmte einem Treffen aber schließlich doch zu. Schlechtes Gewissen? "Ich habe als Unternehmer so viele Steuern bezahlt, da ist es nur fair, wenn der Staat mir wieder etwas zurückgibt", so Knodel. Der 65-Jährige ist eigentlich ein Schaffer: Landmaschinenmechanikermeister von der Schwäbischen Alb. Einer, der nie in den Urlaub fuhr, weil die eigene Firma immer vorging. Idealer Kandidat, dachten sie in der AfD. "Faulenzer", "Sozialschmarotzer", "Totalausfall" schimpfen sie heute im Netz. In seiner alten Partei fordern sie, er solle sein Mandat zurückgeben. Daran denkt Knodel keine Sekunde: "So dreckig wie ich behandelt wurde, tue ich denen den Gefallen nicht." Am vergangenen Sonntag ging die 113. Tour de France zu Ende. Erster wurde der Slowene Tadej Pogačar – zum fünften Mal seit 2020 (mehr hier ). Spannender dürfte es ab Samstag bei den Frauen werden. Dann startet in Lausanne die Tour de France Femme. Offiziell geht das Frauenradrennen in seine fünfte Auflage. Tatsächlich hatte sich bereits in den Achtzigerjahren eine weibliche Tour-Serie etabliert. Immer vorne dabei: die Südtirolerin Maria Canins. Zweimal gewann sie die Rennserie. 1989 war schon wieder Schluss, offiziell aus Mangel an Sponsorengeldern. Mein Kollege Benjamin Knaack hat Canins, heute 76, getroffen – für ein Gespräch über männlichen Neid, unfaire Preisgelder und verschenkte Jahrzehnte. Canins war schon Mutter und mehrfache italienische Meisterin im Skilanglauf, bevor sie mit 32 zum Radsport wechselte. 14 Jahre lang fuhr "das fliegende Mütterchen", so ihr Spitzname damals, im Profi-Radsport vorne mit, wurde mit 50 auch noch Weltmeisterin im Wintertriathlon. Für Canins steckt darin viel mehr als sportlicher Ehrgeiz: "Auch eine Mama kann erfolgreich Rad fahren – und nicht nur auf die Kinder aufpassen, Teller abwaschen und putzen." Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. ...sind alle Grundschulkinder, beziehungsweise ihre Familien. Ab dem 1. August haben Erstklässler einen Rechtsanspruch auf bis zu acht Stunden Betreuung pro Tag. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird dieser schrittweise bis Klasse vier ausgeweitet. So hatte man es 2021 den coronageplagten Familien versprochen. Im Ganztag liege "eine große Chance, um Kinder unabhängig vom Hintergrund ihrer Eltern zum Bildungserfolg zu führen", so Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU). Es gehe darum, "die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – vor allem für Mütter – zu verbessern". Bleibt zu hoffen, dass das nicht nur in einigen wenigen Schulen klappt, sondern deutschlandweit. Nach Zahlen des Ministeriums fehlen noch rund 150.000 Betreuungsplätze (mehr hier), vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Wer die Abnehmspritze nimmt, verliert den Appetit, nicht die Lust aufs Essengehen. Ein Restaurant in Washington serviert nun spezielle Gerichte. Mein Kollege Philipp Kollenbroich hat es ausprobiert . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Simon Book, US-Korrespondent des SPIEGEL