Autoindustrie: Katherina Reiche fordert flexiblere CO2-Grenzwerte für Autobauer

Datum31.07.2026 05:17

Quellewww.zeit.de

TLDRBundeswirtschaftsministerin Reiche fordert von der EU-Kommission flexiblere CO2-Grenzwerte für Autobauer, um die Transformation zu ermöglichen und Strafzahlungen zu vermeiden. Deutsche Hersteller benötigen für den globalen Markt vielfältige Antriebskonzepte. Reiche mahnt zudem interne Reformen an, betont aber, dass diese allein für selbsttragendes Wachstum nicht ausreichen und weitere Schritte wie die Senkung von Lohnnebenkosten nötig seien.

InhaltDeutsche Automobilhersteller kämpfen mit Gewinneinbrüchen. Die Bundeswirtschaftsministerin fordert die EU-Kommission zum Handeln auf. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die EU-Kommission zu mehr Technologieoffenheit für die Autoindustrie gebeten. Es gehe zum Beispiel um flexiblere CO2-Grenzwerte und Anpassungsfaktoren, sodass die Automobilindustrie in der Lage sei, die Transformation mitzugestalten, sagte Reiche der Nachrichtenagentur dpa in einem Interview. Auf die Frage, wie die Autoindustrie aus der Krise kommen könne, sagte Reiche, wichtig sei "dass Brüssel jetzt wahr macht, die Flottenregulierung so zu flexibilisieren, dass keine Strafzahlungen drohen". Deutsche Autohersteller bräuchten eine ganze Palette von Antriebskonzepten, um in jedem Automarkt der Welt anbieten zu können. "Sie wollen, sie können; die Palette unserer Automobilhersteller ist beeindruckend. Aber die Transformation kostet Zeit und Geld", sagte Reiche. "Strafzahlungen entziehen Unternehmen jenes Geld, das sie brauchen, um in die Transformation zu gehen." Strafzahlungen drohen, wenn Hersteller Grenzwerte zum jährlichen CO2-Ausstoß von Neuwagenflotten verfehlen. Im Mai 2025 hatten die EU-Länder entschieden, dass Europas Autobauer mehr Zeit bekommen sollen, um die EU-Klimavorgaben einzuhalten. CO2-Flottengrenzwerte müssen nun bis einschließlich 2027 nicht jährlich eingehalten werden. Stattdessen zählen die Durchschnittswerte aus drei Jahren. Die Autoindustrie steckt mitten in einem tiefgreifenden Wandel hin zu klimafreundlicheren Antrieben. Viele deutsche Hersteller haben Gewinneinbrüche gemeldet – kürzlich erst BMW. Vor allem die Geschäfte in China liefen für die Münchner schlecht. Reiche drängte im Interview auch die schwarz-rote Regierungskoalition zu weiteren Reformen. Sie mahnte dazu, das Reformpaket, das die Bundesregierung vor dem Sommer beschlossen hat, "unbedingt" umzusetzen. diese Reformen allein reichten aber für die Zukunft nicht aus, wenn Deutschland "zu selbsttragendem Wachstum kommen" wolle. Nötig sei außerdem, auf Dauer die Lohnnebenkosten stärker zu senken. "Mit dem Rentenpaket wird es gelingen, zumindest den Anstieg zu verringern", sagte Reiche. Sie gab jedoch auch zu bedenken, dass mit einem Umstieg in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge die Lohnnebenkosten zunächst steigen dürften. Mittelständler würden zudem von der geplanten Einkomensteuerreform "eher belastet". Die Reformen müssten dazu führen, dass sich eine positive Perspektive im Leben eines jeden Einzelnen widerspiegele. "Kommt also der Glaube, die Überzeugung zurück, dass es meinen Kindern einmal besser geht als mir, kommt diese Reform bei mir an – diese Zukunftsperspektive, diesen Optimismus wieder hinzubekommen, dazu braucht es wirklich einen guten Aufschlag im Herbst. Wir arbeiten daran."