Visual Arts Yoga: Kunst und Yoga - Eine Führung zu mehr Achtsamkeit

Datum31.07.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Kunstpalast Düsseldorf bietet "Visual Arts Yoga" an. Dabei werden Yogapraxis und Kunstführung kombiniert, um Achtsamkeit zu fördern. Die Teilnehmer üben Atem- und Meditationsübungen vor ausgewählten Kunstwerken, um den Blick für das Hier und Jetzt zu schärfen. Das Konzept stammt von Yogalehrerin Simone Hoffmann. Die ungewöhnlichen Führungen finden nach den regulären Öffnungszeiten statt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Visual Arts Yoga“. Lesen Sie jetzt „Kunst und Yoga - Eine Führung zu mehr Achtsamkeit“. Augen schließen, tief einatmen, Füße erden, Schultern entspannen und wieder ausatmen. Diese Anweisungen bekommen nicht etwa die Teilnehmer eines Yogakurses zu hören, sondern die einer Museumsführung. Im Kunstpalast in Düsseldorf wird seit kurzem "Visual Arts Yoga" angeboten. Klassische Yogaelemente von Körperhaltungen bis Atemübungen werden dabei mit der Kunst verbunden.  An diesem Abend will eine Gruppe von 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in dieser kulturellen Umgebung entschleunigen. Der Altersdurchschnitt ist in der Regel bunt gemischt, heute sind mit vier Männern recht viele Vertreter des Geschlechts dabei. Der Dresscode: jeder, wie er mag. Sportkleidung ist nicht erforderlich. In den rund 90 Minuten sind es vor allem die Augen und der Kopf, die sich bewegen werden.  Immer wieder streckt das Team des Kunstpalastes seine Fühler nach kreativen Möglichkeiten für Museumsbesuche aus. Erst im vergangenen Jahr feierte das Museum mit der Idee, Gruppen von einem übelgelaunten und überheblichen "Grumpy Guide" durch die Kunstsammlung zu führen, einen Erfolg.  Das "Visual Arts Yoga" entstand in Zusammenarbeit mit Valeara, einem deutschlandweit tätigen Anbieter für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie. Das Konzept dafür stammt von Simone Hoffmann. Seit ungefähr 15 Jahren praktiziert sie Yoga, mittlerweile ist sie selbst Yogalehrerin.  Herabschauender Hund, Kobra oder Krieger: Yoga verbinden die meisten mit Bildern bekannter Mattenpositionen, für die es Beweglichkeit und Balance braucht. Doch Yoga ist weit mehr als das, was wir auf Instagram sehen, wie Hoffmann betont. "Ich habe Freude daran, mit diesem Yoga-Bild etwas aufzuräumen", sagt sie.  Neben Körperübungen seien auch Atmung und Meditation gleichwertige Bestandteile der jahrtausendealten Praxis. Um dieses Wissen zu vermitteln, erstellte Hoffmann erst das Konzept für das "Visual Arts Yoga", dann wählte sie die passende Kunst dazu aus.  Das Projekt ist in die Dauerausstellung des Museums eingebunden - und damit langfristig angelegt. Bisher kommt das "Visual Arts Yoga" gut an, wie der Kunstpalast mitteilte. Viele der Termine, die von verschiedenen Guides durchgeführt werden, seien bereits ausgebucht. Bei steigender Nachfrage liefere das Museum noch mehr Daten nach. Eine bekannte Yoga-Haltung hat es dann doch in das Konzept geschafft: Der Baum, für den man, auf einem Bein stehend, das andere am Oberschenkel anwinkelt. Die Übung soll zeigen, wie das Sehen und Stabilität zusammenhängen. Mal stabiler, mal etwas wackliger stehen die Bäume vor Rubens riesiger "Himmelfahrt Mariens" aus der Barockzeit. Das Werk ist eines der bekanntesten in der Düsseldorfer Ausstellung.  Während des "Visual Art Yogas" bleibt es allerdings eins der wenigen älteren Gemälde, die Hoffmann für ihre Tour ausgewählt hat. Viele nicht zeitgenössische Bilder arbeiteten mit konkreten Figuren, die für eine Mediation hinderlich sein könnten. "Da ist man vielleicht zu sehr abgelenkt", erklärt Hoffmann. Vor einem unbenannten Kunstwerk der zeitgenössischen Künstlerin Karin Kneffel soll besonders der Blick für das Hier und Jetzt geschärft werden. In der Darstellung einer sich spiegelnden Stehlampe und schattenbehafteter Vorhänge verschwimmen Innen- und Außenraum für die Betrachter. Um die Kunst zu erkennen, statt nur zu sehen, schließen die Teilnehmer die Augen und bewegen die Köpfe sanft von der rechten zur linken Schulter. Hinter geschlossenen Lidern sollen die Augen mitwandern. "Es geht ausschließlich um das Wahrnehmen dessen, was jetzt ist", leitet Hoffmann ihr Publikum an. Ruhe kehrt ein. Nur noch das Rauschen der Lüftungsanlage und die Tonspur einer Kunstinstallation sind zu hören. Eigentlich hat das Museum schon geschlossen. Die Führungen finden zu Randzeiten oder nach den eigentlichen Öffnungszeiten des Kunstpalastes statt.  Als die Augen wieder aufgehen, empfinden einige das Kneffel-Kunstwerk direkt anders. Die Eindrücke: leuchtender, wärmer, tiefer. "Als ich meine Augen aufgemacht habe, hat es so geflimmert", erzählt ein Teilnehmer auf dem Weg zur nächsten Station. "Das ist so krass", stimmt seine Begleitung zu. Insgesamt durchläuft die Gruppe acht Stationen, in denen sie Achtsamkeit und Philosophie des Yogas erleben dürfen.  Nach der Tour ist das Publikum entspannt und zufrieden. "Die Idee finde ich einfach super. Die Räume hier sind ja auch so sakral, das ist wie ein heiliger Ort", sagt Katja Hübbers, die zusammen mit ihrer Tochter bei der Tour dabei war. "Da hat man echt gemerkt, dass man entspannter ist nach so einer Zeit", ergänzt Leonie Hübbers. Die beiden bringen schon einiges an Yoga-Erfahrung mit. Voraussetzung ist das aber nicht - das "Visual Arts Yoga" eignet sich laut Hoffmann für Yoga-Begeisterte und solche, die es noch werden wollen. © dpa-infocom, dpa:260731-930-464081/1