Ausflugstipps: Verborgene Welten - Unbekannte Inseln in Norddeutschland

Datum31.07.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRNorddeutschlands Küsten verbirgen unbekannte Inseln wie die Halligen, die bei Flut fast verschwinden, und Flussinseln jenseits des Massentourismus. Beispiele sind die Vogelinsel Scharhörn, das künstlich entstandene Naturschutzgebiet Nigehörn, die historische Insel Neuwerk, Robben-Sandbank Vogelsand, das idyllische Krautsand, die ruhige Lühesand, die unbewohnte Vogelinsel Mellum, Deutschlands größte Flussinsel Harriersand, die verschollene Insel Bant, die Naturinsel Ruden und die isolierte Forschungsinsel Riems. Die Greifswalder Oie ist eine Leuchtturminsel, während "Bremeninsel" eine antarktische Entdeckung ist.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ausflugstipps“. Lesen Sie jetzt „Verborgene Welten - Unbekannte Inseln in Norddeutschland“. Norddeutschlands Küste ist bekannt für Sylt, Rügen und den Strandkorb-Tourismus. Dabei liegt zwischen Wattenmeer und Ostsee eine ganz andere Inselwelt verborgen: Halligen, die bei Flut fast verschwinden; Flussinseln, auf denen die Zeit langsamer läuft; Schutzgebiete, die kein Mensch betreten darf - und eine Insel, auf der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt forschen. Fünfzehn Beispiele abseits der ausgetretenen Pfade: Ihr Name klingt nach Metropole, doch was Besucher auf der Hamburger Hallig erwartet, ist das genaue Gegenteil: weiter Himmel, flaches Land und charakteristische Warften - künstliche Erhöhungen, auf denen Häuser und Scheunen stehen, wenn das Wasser kommt. Die Hallig gehört zu den kleinsten bewohnten Halligen Deutschlands, erreichbar nur zu Fuß durch das Watt oder per Boot. Scharhörn gehört administrativ zu Hamburg, obwohl die Düneninsel mehr als 100 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Wattenmeer liegt. Zehntausende Zugvögel rasten hier jährlich, betreten darf die Insel niemand außer den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Vogelwarte.  Nigehörn entstand erst in den 1980er Jahren durch gezielte Sandaufspülung, um der erodierten Küste entgegenzuwirken. Was als Ingenieursprojekt begann, ist heute ein streng geschütztes Naturschutzgebiet: Brandseeschwalben brüten hier, Spülsaum-Pflanzen wie die Strandmelde gedeihen. Eine Insel, die buchstäblich gemacht wurde und dennoch ganz natürlich wirkt. Neuwerk hat knapp 40 Einwohnerinnen und Einwohner, aber einen Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert - eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Hamburgs. Per Wattwanderung oder Pferdewagen von Cuxhaven aus erreichbar, gehört die Insel mitsamt den unbewohnten Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn zum Hamburger Wattenmeer-Schutzgebiet.  Vogelsand ist keine Insel im klassischen Sinne - sondern eine Sandbank in der Außenelbe, die je nach Tide auftaucht und wieder verschwindet. Administrativ gehört sie zu Hamburg, und wer mit dem Schiff vorbeifährt, erlebt ein stilles Schauspiel: Dutzende Robben dösen träge in der Sonne.  Krautsand im Landkreis Stade ist per Fähre erreichbar und fühlt sich an wie ein Dorf aus einer anderen Zeit: Rund 500 Menschen leben hier hinter Elbdeichen, umgeben von Obstplantagen. Im Frühjahr blühen die Bäume, im Herbst werden Äpfel und Birnen geerntet.  Zwischen Stade und Hamburg liegt Lühesand im Strom der Unterelbe - eine Flussinsel, von der selbst viele Norddeutsche noch nie gehört haben. Früher wurde hier Obst angebaut, heute säumen Pappeln und Weidenbüsche das Ufer, Graureiher stehen reglos im Schilf. Per Fährboot und Fahrrad erreichbar, ist die Insel besonders an Wochentagen fast menschenleer - ein Ausflugsziel für alle, die Stille suchen, keine Selfie-Spots. Mellum in der Außenweser gehört den Vögeln, dem Wind und der Flut. Die Insel liegt weit vor der niedersächsischen Küste, ohne reguläre Fähre und ohne Infrastruktur. Sie entstand erst um 1900 durch Sandablagerungen, Menschen versuchten sie landwirtschaftlich zu nutzen - das Meer ließ es nicht zu. Heute ist Mellum eine von drei unbewohnten Inseln des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer: Lachmöwen, Brandseeschwalben und Austernfischer brüten hier in riesigen Kolonien.  Gegenüber der niedersächsischen Stadt Brake liegt Deutschlands größte Flussinsel, der Harriersand. Die elf Kilometer lange Insel mit Sandstrand, Reit- und Radwanderwegen ist ein ideales Ausflugsziel - und doch kaum über die Region hinaus bekannt. Die Insel ist am besten über eine kleine Brücke vom Festland auf der östlichen Weserseite oder mit der Fähre "MS Guntsiet" zu erreichen. Wer über Nacht bleiben möchte, kann auf einem Campingplatz zelten, eine Ferienwohnung buchen oder Urlaub auf dem Bauernhof machen. Bant war einmal eine eigenständige Insel vor der niedersächsischen Küste. Sie wurde im 8. Jahrhundert erstmals erwähnt und soll etwa 1780 untergegangen sein. Die Marschinsel soll einst von Borkum bis nach Norderney gereicht haben.  Ruden liegt im Greifswalder Bodden. Das kleine Eiland vor der Nordküste Usedoms diente früher als Lotseninsel, später als Zollstation der DDR. Nach der Wende verfiel die Infrastruktur, die Natur kehrte zurück. Zahlreiche Vögel wie Kraniche, Kormorane und Seeadler bewohnen nun die Insel. Von außen sieht Riems im Greifswalder Bodden unscheinbar aus - flach, grün, kaum einen Kilometer lang. Doch hinter den Zäunen arbeitet das Friedrich-Loeffler-Institut in Hochsicherheitslaboren an gefährlichen Tierseuchen. Die Insellage ist kein Zufall: Sie bietet natürlichen Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung. Für die Öffentlichkeit bleibt Riems gesperrt - eine Insel, die die Welt schützt, indem sie sich von ihr fernhält. Ostervilm im Greifswalder Bodden ist so klein, dass sie selbst auf regionalen Karten oft fehlt. Das unbewohnte Eiland war einst eine Militärstation, heute brüten dort Kormorane und Graureiher. Ostervilm darf nicht betreten werden. Wer im Boot die Insel umrundet und nur die Rufe der Vögel hört, erlebt die Stille des Boddens. Zwischen Rügen und Usedom, mitten in der Ostsee, überragt ein markanter Leuchtturm das flache Eiland der Greifswalder Oie. Die kleine Insel in der südlichen Ostsee teilen sich die Seenotretter mit einem Vogelschutzverein, der auf der Insel eine Vogelwarte betreibt. Die Greifswalder Oie ist per Boot von Greifswald aus erreichbar, nur wenige Touristen kommen in der Sommersaison dorthin. Die Insel liegt Tausende Kilometer entfernt - und wurde dennoch nach Bremen benannt: Passagiere und Besatzung des Expeditionsschiffes "Bremen" entdeckten am 2. Februar 2003 einen bis dato unbekannten Kanal und eine Insel in der Antarktis. Sie durchfuhren mit Schlauchbooten den Kanal und erhielten als Entdecker das Recht zur Namensgebung. Die unbewohnte "Bremeninsel" ist etwa einen Quadratkilometer groß und fast komplett mit Eis bedeckt. Sie zählt zu den Melchior-Inseln im Palmer-Archipel. © dpa-infocom, dpa:260731-930-464091/1