Datum27.11.2025 16:15
Quellewww.zeit.de
TLDRVolkswagen feierte den 80. Jahrestag der Mitbestimmung im Wolfsburger Werk. Konzernchef Oliver Blume und Betriebsratschefin Daniela Cavallo lobten die Zusammenarbeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretung als Erfolgsmodell und Teil der Unternehmensidentität. Cavallo betonte die Wichtigkeit der Demokratie, die sowohl VW als auch die Gesellschaft stützt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erklärte, dass VW aufgrund der Mitbestimmung zum Weltkonzern wurde. Eva Umlauf erinnerte an die problematische Gründung des Unternehmens und warnte vor dem Erstarken rechtsextremer Kräfte.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Festakt“. Lesen Sie jetzt „VW-Chef Blume: Mitbestimmung ist unsere große Stärke“. Bei VW haben Konzern und Betriebsrat den 80. Jahrestag der Mitbestimmung im Wolfsburger Werk gefeiert. Beim Festakt in der Autostadt würdigten Konzernchef Oliver Blume und Betriebsratschefin Daniela Cavallo die Zusammenarbeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretung als Erfolgsmodell. "Gerade bei Volkswagen zeigen wir: Mitbestimmung ist kein Gegensatz zur Unternehmensführung. Sondern eine ihrer großen Stärken", sagte Blume beim Festakt vor etwa 250 Gästen. Bei VW gehöre das zur Identität und zur Konzern-DNA. Es werde hart gerungen - doch so Blume: "Ich finde das sehr konstruktiv." Er stelle immer wieder fest, dass der Betriebsrat unternehmerisch agiere. Es gebe ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander. "Mitbestimmung und Volkswagen sind seit 80 Jahren untrennbar miteinander verbunden", sagte die Betriebsratsvorsitzende Cavallo. Und: "Nicht nur die Mitbestimmung bei Volkswagen ist 80 Jahre lang gewachsen. Es ist die Demokratie selber." Für Cavallo ist das Teil einer Erfolgsgeschichte. "Ohne Demokratie stünde Volkswagen im Nichts." Entsprechend wichtig sei es nun, diese Demokratie zu verteidigen. "Und wenn es 80 Jahre später Angriffe auf diese Demokratie gibt, sind das immer auch Angriffe auf Volkswagen", so Cavallo. "Wenn wir die Demokratie im Kleinen nicht verteidigen, werden wir auch im Großen nicht bestehen." Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner bezeichnete die Mitbestimmung bei VW als "Erfolgsgeschichte, die weltweit ihresgleichen sucht". Sie sei ein "ein zentraler Stützpfeiler unserer Demokratie". Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bezeichnet die Mitbestimmung als "gelebte Demokratie". Volkswagen sei nicht trotz der Mitbestimmung zu einem Weltkonzern herangewachsen, sondern gerade wegen der Mitbestimmung. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrecht zweitgrößter VW-Anteilseigner, Lies Mitglied des Aufsichtsrats. Mit der Feier wurde darin erinnert, dass sich an diesem Tag vor genau 80 Jahren bei Volkswagen die erste Vertretung der Belegschaft konstituiert hatte. Am 27. November 1945 war in Wolfsburg die 12-köpfige erste gewählte Betriebsvertretung zusammengetreten, damals noch unter Aufsicht der britischen Besatzungsmacht. Eva Umlauf, Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, erinnerte in ihrer Festrede an die belastete Entstehungsgeschichte des Konzerns: Gegründet von den Nationalsozialisten 1937 für den Bau des "KdF-Wagens", aus dem später der VW Käfer wurde. Aufgebaut auch mit Zwangsarbeitern aus KZs wie Auschwitz. Zwischen dem VW-Betriebsrat und dem Komitee gibt es daher eine jahrzehntelange Zusammenarbeit rund um die Erinnerungskultur. In ihrer Rede warnte die 82-Jährige, die als Kind selbst nach Auschwitz deportiert worden war, vor einem erneuten Erstarken rechtsextremer Kräfte. "Ich weiß, warum ich vor Ihnen stehe: Damit der Rechtsextremismus, der Hass gegen Minderheiten und der Antisemitismus nicht noch einmal in Deutschland und über Europa triumphieren." Sie wünsche sich "viel deutlichere und hörbarere Signale, was die Verteidigung und den Schutz der Freiheit und der Demokratie angeht" - "gerade aus der Wirtschaft". © dpa-infocom, dpa:251127-930-349981/1