Zuwanderung: Spanien mobilisiert Militär nach Andrang von Migranten in Ceuta

Datum31.07.2026 01:35

Quellewww.zeit.de

TLDRSpanien mobilisiert das Militär nach einem massiven Zustrom von Migranten in die Exklave Ceuta. Tausende Menschen sind angekommen, was zu einer humanitären Krise führt. Die EU bietet Hilfe an und Frontex-Kräfte werden zur Unterstützung entsandt. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das Rückführungen erschwert, und Schlepperbanden werden als Ursachen genannt. Die Lage ist angespannt, mit Aufrufen zur Sicherung der Grenzen und möglichen drastischen Maßnahmen.

InhaltRund 60 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff sollen die Lage in der spanischen Exklave in Marokko befrieden. Auch die EU bietet Hilfe an. Nach der ungeregelten Ankunft Tausender Migranten in der spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta hat die spanische Regierung das Militär mobilisiert. Bis Freitag sollen drei Züge mit je 20 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff verlegt werden, teilte das Innenministerium am ⁠Donnerstag mit. Zudem würden die Spezialeinheiten der Polizei auf 200 Beamte aufgestockt. Die Soldaten sollten die Polizisten der Guardia Civil dabei unterstützen, "die Sicherheit in der Stadt Ceuta aufrechtzuerhalten", hieß es weiter. Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollen am Freitag nach Ceuta reisen. Auch die Europäische Union versprach Spanien Hilfe. Einsatzkräfte der EU-Grenzschutztruppe Frontex seien bereit, das Land "verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen", teilte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner auf X mit. Behörden in der an Marokko grenzenden spanischen Exklave Ceuta hatten die spanische Regierung um Militärhilfe gebeten, nachdem mindestens 1.500 Migranten innerhalb weniger Tage in die Stadt gelangt waren. Dem staatlichen Fernsehsender TVE zufolge gelangten zwischen 2.000 und 3.000 Menschen in die rund 18 Quadratkilometer große Exklave. Viele von ihnen gelangten schwimmend in das Gebiet. Unter den Ankömmlingen sind nach Angaben des staatlichen TV-Senders RTVE viele Minderjährige und Kinder. Die Aufnahmeeinrichtungen sind nach Darstellung von Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas völlig überlastet, Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten. "Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands" sagte Ceutas Präsident Vivas im Fernsehen. Neun Menschen seien allein bis Donnerstagabend bei dem Versuch gestorben, Ceuta übers Meer zu erreichen, teilten die örtlichen Behörden mit. Für aktuelle Angaben zur Zahl der zuletzt nach Ceuta gekommenen Migranten waren die Behörden am Donnerstag vorerst nicht erreichbar. Es handelte sich um die größte Zahl seit 2021, als mehr als 10.000 Menschen die Grenze zu der Exklave überschritten. EU-Vertreter stünden in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, "um sicherzustellen, dass alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, um diese gefährlichen Reisen zu verhindern", schrieb EU-Kommissar Brunner weiter. Der Schutz der EU-Außengrenzen sei "ein wesentlicher Bestandteil unserer Bemühungen zur Bekämpfung der illegalen Migration". Die Lage in der Stadt Ceuta mit ihren rund 85.000 Einwohnern ist angespannt, viele Geschäfte blieben am Donnerstag geschlossen. Ladenbesitzer organisierten sich nach eigenen Angaben, um ihr Eigentum zu schützen, da sie die Polizeikräfte für unzureichend hielten. Ministerpräsident Pedro Sanchez verkündete auf X, seine Regierung konzentriere sich voll und ganz darauf, so schnell ‌wie möglich wieder Normalität herzustellen. Die Regierung habe "alle notwendigen Mittel mobilisiert", um "eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben".  Oppositionsführer Alberto ‌Nunez Feijoo von der konservativen Volkspartei (PP) sprach dagegen von einer "nationalen Sicherheitskrise". Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Vox, Santiago Abascal, machte Regierungschef Sánchez auf X persönlich für die in Ceuta ankommenden Migranten verantwortlich. Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schrieb auf X, Italien werde "nicht tatenlos zusehen". Ihre Regierung sei dabei, "die zuständigen Stellen zusammenzubringen", um die Grenzen und die Sicherheit der Bürger zu verteidigen. Meloni drohte mit "außergewöhnlichen Maßnahmen" und forderte die Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien, mit dem seit 1995 die Personenkontrollen an den Binnengrenzen von EU-Staaten wegfallen. Italien und Spanien haben keine gemeinsame Grenze. Hintergrund des jüngsten Andrangs von Flüchtlingen in Ceuta ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens von Anfang des Monats. Demnach dürfen Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta oder in die andere spanische Nordafrika-Exklave Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zurückgeschickt werden. Seitdem habe es stetige Ankünfte gegeben, am Donnerstag sei es jedoch zu einer "Explosion" gekommen, sagte ein Sprecher der Guardia Civil. Das Innenministerium ‌machte Schlepperbanden dafür verantwortlich, das Urteil auszunutzen. Es kündigte an, illegal Eingereiste umgehend abzuschieben. Eine Stellungnahme des marokkanischen Innenministeriums lag zunächst nicht vor. Die Ereignisse weckten Erinnerungen an den ⁠Mai 2021, als innerhalb weniger Tage rund 10.000 Jugendliche aus Marokko und Ländern ‌südlich der Sahara die Enklave erreichten. Ceuta bildet zusammen mit Melilla die einzige Landgrenze der Europäischen Union zum afrikanischen Kontinent. In beiden ‌Städten kommt es immer wieder zu Versuchen von Migranten, auf diesem Weg in die EU einzureisen.