Datum30.07.2026 21:06
Quellewww.spiegel.de
TLDREin Vater in den USA wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er seinem psychisch labilen Sohn die Waffe gab, mit der dieser vier Menschen an einer Highschool tötete. Zuvor war der Sohn zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Richter berücksichtigte bei der Strafbemessung, dass die Taten des Vaters auf Fahrlässigkeit, nicht auf böswilliger Absicht beruhten. Der Fall ist Teil einer neuen juristischen Strategie gegen Waffengewalt an Schulen.
InhaltSein Sohn hatte einen Schrein für einen Amokläufer aufgebaut: Trotzdem gab ein Vater in den USA ihm eine Waffe, mit der er vier Menschen tötete. Nun sind Vater und Sohn zu Haftstrafen verurteilt worden. Er gab seinem psychisch labilen Sohn das Gewehr, mit dem dieser an einer Highschool vier Menschen tötete: Dafür ist ein 55-Jähriger in den USA zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor war bereits der 16-jährige Sohn des Mannes von einem Richter am Obersten Gerichtshof von Barrow County im US-Bundesstaat Georgia wegen des Schulamoklaufs im Jahr 2024 zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Zwei Tage später verurteilte derselbe Richter seinen 55-jährigen Vater zu einer weitaus geringeren Strafe als den von der Staatsanwaltschaft geforderten 80 Jahren. Richter Nicholas Primm stellte fest, dass keiner der Anklagepunkte, die der Verurteilung des Angeklagten zugrunde lagen, eine obligatorische Freiheitsstrafe nach sich zog. Gleichzeitig erkannte er jedoch den "unermesslichen Kummer" an, den die Fahrlässigkeit des Vaters verursacht hatte. "Der Verlust ist tiefgreifend", sagte der Richter nach den tränenreichen Aussagen mehrerer Angehöriger von Opfern des Amoklaufs zu dem Angeklagten. "Aber ich muss dennoch Ihre Handlungen von der böswilligen Absicht und den Taten unterscheiden, die Ihr Sohn begangen hat." Der Verteidiger des Angeklagten hatte den Richter aufgefordert, seinem Mandanten eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren sowie 10 Jahre Bewährung zu verhängen. "Wir möchten das Gericht bitten, Georgia in diesem ersten Fall seiner Art nicht zum nationalen Sonderfall zu machen – gegen einen Angeklagten, der wenige Warnsignale erhielt und sich umso mehr bemühte", sagte der Verteidiger. Die Anklage hatte zurückgewiesen, dass der Angeklagte habe kaum Hinweise auf die gewalttätigen Pläne seines Sohnes gehabt habe. Sie zeigte dem Richter eine Nachbildung einer Schlafzimmerwand, an der Colt einen Schrein für den Amokläufer eingerichtet hatte, der 2018 an einer Highschool in Parkland, Florida, ein Massaker verübt hatte. Die strafrechtliche Verfolgung der Eltern von Amokläufern ist eine neue rechtliche Strategie, die von Staatsanwälten eingesetzt wird, um der Epidemie der Waffengewalt an US-Schulen entgegenzuwirken. So wurden bereits die Eltern eines Teenagers aus Michigan, der vier Mitschüler erschossen hatte, zu 10 bis 15 Jahren Haft verurteilt, nachdem sie wegen fahrlässiger Tötung für schuldig befunden worden waren.