Datum30.07.2026 10:25
Quellewww.spiegel.de
TLDRAnnalena Baerbock kritisiert den Umgang mit Frauen in der Politik. Sie fordert mehr Selbstbewusstsein von Politikerinnen und betont, dass gutgelaunte Frauen in Machtpositionen bestimmte Männer triggern. Baerbock verweist auf die unterschiedliche Behandlung von Frauen und Männern in der Öffentlichkeit und den Hass, dem Politikerinnen online ausgesetzt sind. Sie dankt Angela Merkel für die Ermöglichung weiblicher Karrieren und ruft Frauen dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen.
InhaltBald endet die Amtszeit von Annalena Baerbock als Leiterin der Uno-Generalversammlung. Nun kritisiert sie, wie in der Politik mit Frauen umgegangen wird. Sie erzählt, was Männer triggert und wie sich Politikerinnen stärken können. Die grüne Spitzenpolitikerin Annalena Baerbock hat Frauen ermutigt, sich mit mehr Selbstbewusstsein in der Politik gegen Männer zu behaupten. "Wir Frauen werden uns nicht dafür entschuldigen oder gar aufhören, selbstbewusst, erfolgreich und zugleich lebensfroh zu sein", sagte sie im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Gutgelaunte Frauen in Machtpositionen seien für manche Männer weiterhin keine Selbstverständlichkeit, "sondern offensichtlich der schlimmste Trigger", so Baerbock. "Wir sind aber mittlerweile zu viele." Im Herbst endet ihre Amtszeit als Leiterin der Uno-Generalversammlung. Die Kandidatur auf den Posten im vergangenen Jahr war von vielen als Machtmanöver hart kritisiert worden. Um ihren designierten Nachfolger, Bangladeschs Außenminister Khalilur Rahman, gibt es kein solches Aufhebens. Für Baerbock ist das kein Zufall. Konstruktive Kritik und erst recht Selbstreflexion seien für sie essenziell. "Bei Frauen jedoch kommt, je sichtbarer man wird, immer noch eine zusätzliche Angriffslinie dazu", so die Grüne. "Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels. Bei Social Media gerne noch mit dem Zusatz: "Nutte" oder "F*tze". Solche Kommentare gibt's bei Robert Habeck oder Friedrich Merz einfach nicht." Falschdarstellungen und boshafte Diskreditierung würden sie nicht kaltlassen. "Es gab Momente, wo ich dachte: Wie lange kann ich das vor allem meinen Kindern noch zumuten?" Allerdings habe es andere Frauen gegeben, die sie ermutigten, standhaft zu bleiben. "Gerade, wenn man sich bewusst macht, dass es das Ziel von solchen Schmähkampagnen ist – gerade auch anderen, vor allem jungen Frauen zu signalisieren: Wagt es gar nicht –, hat es bei mir zu immer mehr innerer Freiheit geführt." Baerbock äußerte sich dankbar gegenüber Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Frauen müssten einander die Türen öffnen. Ohne Merkel wäre sie wahrscheinlich niemals erste weibliche Außenministerin geworden. "Und die Kämpfe, die ich geführt habe, ermöglichen wiederum Frauen nach mir, dass sie in Talkshows niemals mehr gefragt werden, ob man eigentlich mit 40 und zwei kleinen Kindern für eines der höchsten politischen Ämter der Bundesrepublik kandidieren kann."