Datum30.07.2026 10:14
Quellewww.zeit.de
TLDRDas RKI meldet seit Jahresbeginn 9.800 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland, was einen neuen Höchststand seit 2016 darstellt. Über die Hälfte dieser Fälle ereignete sich während der Hitzewelle Ende Juni. Ältere Menschen sind besonders betroffen. Die Hitze ist oft eine Folgevorerkrankung, nicht die offizielle Todesursache. Das Umweltbundesamt warnt vor steigenden Zahlen durch den Klimawandel.
InhaltBundesweit sind in diesem Jahr 9.800 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben. Das übersteigt die Zahl jedes Gesamtjahrs seit 2016. Seit Jahresbeginn sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) bundesweit 9.800 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben. Das geht aus dem aktuellen RKI-Wochenbericht hervor, Stichtag für die Zählung ist der 19. Juli. Vor wenigen Wochen hatte das Statistische Bundesamt noch von 7.100 Hitzetoten gesprochen. Damit gab es in Deutschland seit Jahresbeginn mehr Hitzetote als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Bisher waren die meisten Hitzetoten im Jahr 2018 mit rund 9.000 Gestorbenen verzeichnet worden. Zugleich gab es zwischen Jahresbeginn und dem 19. Juli mehr Hitzetote als in den Jahren 2023 bis 2025 zusammengenommen. Gut die Hälfte der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Jahr geht dem RKI zufolge auf die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte zurück, als es vielerorts zu Temperaturen um 40 Grad kam. 7.900 Hitzetote wurden zwischen Anfang April und dem 12. Juli verzeichnet. Somit sind allein in der Woche vom 13. bis zum 19. Juli 1.900 weitere Menschen wegen Hitze gestorben. Hitzewellen sind besonders für ältere Menschen gefährlich. 5.420 Hitzetote und damit mehr als jeder Zweite waren 85 Jahre alt oder älter. In der Gruppe von 75 bis 84 Jahren starben 2.460 Menschen, 1.260 weitere in der Gruppe von 65 bis 74 Jahren. 630 Hitzetote waren jünger als 65. Insgesamt starben dabei mehr Frauen als Männer, was sich allerdings auf den höheren Frauenanteil in den Altersgruppen älterer Menschen zurückführen lässt. In einigen Fällen führte ein Hitzeschlag zum Tod, meist war die Todesursache nach RKI-Angaben jedoch eine Kombination aus Hitzeexposition und bestehenden Vorerkrankungen. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Erkrankungen von Lungen und Nieren. Dadurch wird Hitze auf Totenscheinen in der Regel nicht als Todesursache angegeben und taucht somit nicht in der Statistik auf. Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle wird daher durch den Vergleich von Sterbefällen in Sommerwochen mit und ohne Hitze berechnet. In Wochen mit einer mittleren Temperatur über 20 Grad kommt es dem RKI zufolge zu deutlich höheren Sterblichkeitsraten als in kühleren Sommerwochen. Die Auswertung basiert auf Daten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). In der Woche vom 13. bis 19. Juli lag die mittlere Wochentemperatur demnach bei 20,9 Grad. Dabei sind in zwölf Bundesländern mittlere Temperaturen von mehr als 20 Grad gemessen worden. Der Wert bezieht sich auf die durchschnittliche Temperatur unter Einbezug der Nachtstunden. Besonders bedrohlich für ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen können dabei Tage mit sogenannten Tropennächten sein, wenn die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad sinkt. In einigen Orten in Deutschland gab es zwischen Anfang Juni und Mitte Juli mehr als zehn solcher Nächte, in Frankfurt am Main waren es beispielsweise 13. Dirk Messner, der Chef des Bundesumweltamtes, forderte angesichts der Zahlen mehr Auseinandersetzung mit den Gefahren durch Hitze. "Ich finde es irritierend, wie wenig wir als Gesellschaft über die mehreren Tausend Hitzetoten gesprochen haben, die es Ende Juni und Anfang Juli bei uns gab. Die Hitzetoten scheinen unsichtbar zu bleiben", sagte Messner. Seine Behörde befürchtet angesichts des Klimawandels noch größere Zahlen in den kommenden Jahren: "Wenn wir in fünf oder zehn Jahren auf heute zurückblicken, werden wir mit großer Gewissheit sagen, dass 2026 ein eher kühlers Jahr war", sagte er. Bis Mitte des Jahrhunderts rechnet das Umweltbundesamt mit zehn zusätzlichen Hitzetagen pro Jahr. In Berlin werde es dann regelmäßig so heiß werden, wie derzeit in Madrid.