Meinung: Die Lage am Morgen - Kann Friedrich Merz Kanzler?

Datum30.07.2026 05:43

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Artikel thematisiert den Autoritätsverlust von Bundeskanzler Friedrich Merz, wobei Witze über ihn in Chatgruppen kursieren. Gleichzeitig belasten Waldbrände in Europa, verschärft durch eine neue Hitzewelle. Positiv hingegen: Die Deutsche Bahn meldet erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn im Kernbereich und ab 2028 mehr Wettbewerb im Fernverkehr.

InhaltDie Autorität des Bundeskanzlers schwindet. Der heißeste Tag der nächsten Hitzewelle steht bevor. Und bei der Deutschen Bahn gibt es gute Neuigkeiten. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen. Wie Regierungschef Friedrich Merz die eigene Partei vergrätzt. Was die neue Hitzewelle für die Waldbrände in Europa bedeutet. Warum Bahn-Kunden bald mehr Auswahl haben. Dass ein Politiker beschädigt ist, erkennt man daran, dass er zur Zielscheibe bösen Spottes wird. Ein Bundeskanzler, der in den eigenen Reihen nicht mehr ernst genommen wird, sollte sich ernsthaft Sorgen machen. Friedrich Merz ist das in dieser Woche passiert. In der CDU witzeln die Abgeordneten in Chatgruppen über den Bundeskanzler. Was nichts weniger zeigt als seinen rapiden Autoritätsverlust: "Selbst in den obersten Führungsgremien der CDU will kaum jemand darauf wetten, dass der Kanzler an Weihnachten noch im Amt sein könnte", schreiben meine Kollegen Konstantin von Hammerstein und Christian Teevs. Sie haben rekonstruiert, wie die Partei an ihrem Kanzler verzweifelt, der sich selbst im Wege steht. Durch einen autoritären Führungsstil, der nicht mehr in die Zeit passt. Und eine Kommunikation, die diesen Namen kaum verdient. Die Personalrochade im Kabinett, die ein Neuanfang hätte sein können, hat Merz verstolpert (mehr hier ). Die Ablösung von Verkehrsminister Patrick Schnieder geriet zum Desaster. Der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der vor einem Jahr in einem Interview gesagt hatte, er wäre als Gesundheitsminister "wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen", wurde gestern zum Gesundheitsminister ernannt. Parlamentarische Staatssekretäre beklagten sich über schlechten Stil bei ihrer Absetzung. Und im Kabinett hält sich ausgerechnet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, obwohl der Kanzler offenbar eher weniger von ihr hält. Reiche setzt heute auf Business as usual. Auf PR-Termine, die Fotos mit Schutzhelm versprechen. Gegen Mittag besucht die CDU-Politikerin das K + S Kaliwerk Zielitz in Sachsen-Anhalt, am Nachmittag ist sie bei der Salzgitter AG zu Gast. Weitere Kabinettsumbildungen hat der Kanzler gestern Abend ausgeschlossen. Die Bilder von Waldbränden, die durch beliebte Urlaubsgebiete Europas ziehen, erinnern an die Apokalypse. Auf Kreta starben gestern zwei Feuerwehrleute, die in ihrem Wagen eingeschlossen wurden. In Spanien ist ein Brand nahe Valencia noch immer außer Kontrolle. Und nahe dem französischen Bordeaux tobt der wohl größte Waldbrand Europas. Nur noch 15 Kilometer waren die Flammen zuletzt von der Metropolregion entfernt, in der mehr als 850.000 Einwohner leben. Die Regierung hatte sich schon darauf vorbereitet, Bordeaux notfalls zu räumen (mehr hier ), wie Kollege Leo Klimm berichtet. Zeitweise mussten die Einsatzkräfte eine 130 Kilometer lange Flammenfront bekämpfen. Die Lage entspannte sich, doch das Feuer ist noch nicht vollständig eingehegt. Das Problem: Die nächste Hitzewelle ist schon da. Und kann dazu führen, dass die Feuer in Europa schneller wieder aufflammen. Für Deutschland sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) heute Temperaturen bis knapp unter 40 Grad Celsius voraus, die Sommer sind seit Jahren trocken. Was zu einer naheliegenden Frage führt: Ist es denkbar, dass wir uns auch in Deutschland bald mit katastrophalen Waldbränden auseinandersetzen müssen? Und was ließe sich dagegen tun? Der Frankfurter Ökologe Thomas Hickler gibt im SPIEGEL-Interview Antworten. "Das wetterbedingte Waldbrandrisiko steigt", sagt er. Vermutlich jagt kein anderes Unternehmen den Puls vieler Menschen so verlässlich in die Höhe wie die Deutsche Bahn. Auch in dieser Morgenlage waren die Tücken des Bahnfahrens schon oft Thema: ICE verspätet, ICE fällt aus, ICE kommt in umgekehrter Wagenreihung, ICE wartet auf irgendwas im Gleisbett. Sie kennen das. Heute stellt Bahn-Chefin Evelyn Palla ihre Halbjahresbilanz vor. Und sie kann gute Neuigkeiten verbreiten. Die Bahn hat nach Informationen des SPIEGEL im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn im Kernbereich erzielt – zum ersten Mal seit sieben Jahren (mehr dazu hier). Der bundeseigene Konzern fuhr einen Überschuss im dreistelligen Millionenbereich ein. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst berichtet. Einen neuen Passagierrekord gibt es gleich auch noch zu verkünden. Nur bei der Pünktlichkeit muss sich noch mehr tun. Interessant für Bahnreisende: Künftig muss es kein ICE mehr sein. Die Bahn bekommt mehr Konkurrenz. Von 2028 an steigt das italienische Unternehmen Italo in den Fernverkehr auf der Schiene ein. Bahn-Wettbewerber Flix lässt schon heute 15 grasgrüne Züge durch Deutschland fahren und hat 65 neue angekündigt. Was sich für Kundinnen und Kunden damit ändern könnte, erklärt Flix-Chef André Schwämmlein im Interview mit meinen Kollegen David Böcking und Martin Hesse. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. ...sind alle Metalheads, die sich auf dem Holy Ground in Wacken tummeln – jener Ackerfläche in der schleswig-holsteinischen Provinz, die Schauplatz eines Heavy-Metal-Festivals von Weltrang ist. Zum Wacken-Mythos gehört, dass Fans der norddeutschen Wetterlage trotzen und ein inniges Verhältnis zu Schlamm und Matsch entwickeln. Hoch die Pommesgabeln – laut Wetterprognose könnte es heute trockener als sonst bleiben. Auf der Bühne stehen unter anderem H-BlockX, Europe und Def Leppard. Wer in der Hitze durchhalten will, sollte viel (Alkoholfreies) trinken. Laut Veranstaltern steht die beeindruckende Zahl von 560 Urinalplätzen, 12 Damenurinalen, 24 Trockentoiletten und 20 barrierefreien WC-Containern bereit. Und falls es an dieser Stelle doch mal knapp werden sollte, weiß der erfahrene Festivalbesucher sich auch anders zu helfen. Im Freibad schwimmen nicht nur Badegäste, sondern auch Pipi, Schweiß, Pommessalz und alte Pflaster. Eine Hygieneexpertin erklärt, wo Keime lauern und wie man sich schützt . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft