Datum30.07.2026 02:49
Quellewww.zeit.de
TLDRMeta plant trotz stark sinkenden Cashflows massive Investitionen in KI-Rechenzentren, was Anleger beunruhigt und zu einem Aktienkursrückgang führt. Der Konzern erwartet, dass die Ausgaben für KI-Infrastruktur auf 130-145 Milliarden Dollar steigen. Microsoft hingegen überzeugt mit einem starken Cloud-Geschäft und zeigt, dass KI-Investitionen sich auszahlen. Die Cloud-Erlöse stiegen deutlich, und das KI-Tool Copilot verzeichnete über 30 Millionen Nutzer. Anleger sind besorgt über die Rentabilität hoher KI-Ausgaben, wie auch bei Google.
InhaltFacebook-Konzern Meta will trotz heftig schrumpfenden Cashflows neue Rechenzentren bauen. Die Aktie fiel. Microsoft deutete dagegen an, dass sich KI-Ausgaben rentieren. Die US-Technologiekonzerne Microsoft und Meta haben mit ihren jüngsten Geschäftsberichten die Furcht vor einer Blase bei Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) nur bedingt zerstreut. Facebook-Mutterkonzern Meta enttäuschte Anleger mit seinen Plänen für weitere hohe Ausgaben zum Bau neuer Rechenzentren. Die Aktie sank im nachbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent. Microsofts Quartalsergebnis kam dank eines boomenden Cloud-Geschäfts besser an. Die Aktie stieg im nachbörslichen Handel um mehr als acht Prozent. Anleger reagierten empfindlich auf die Nachricht, dass Metas Cashflow zwischen April und Juni um 91 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochen ist. Der Konzern meldete für das abgelaufene Quartal einen freien Cashflow von 784 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr hatte Meta im selben Zeitraum noch mehr als 8,5 Milliarden US-Dollar Cashflow verfügbar. Dennoch will der Konzern weiterhin erheblich in Rechenzentren und Chips für KI investieren. Die Ausgaben sollen in diesem Jahr auf 130 bis 145 Milliarden Dollar steigen – das wäre fast doppelt so viel wie 2025. Meta-Chef Mark Zuckerberg hat große Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google und Elon Musks KI-Firma xAI bei Künstlicher Intelligenz zu überflügeln. Dafür ist er bereit, viele Milliarden auszugeben – selbst mit dem Risiko, zu viele Rechenzentren-Kapazitäten aufzubauen. Einige Experten und Anleger zweifeln inzwischen, ob sich diese Investitionen tatsächlich lohnen werden. Das Unternehmen finanziert seine KI-Projekte über zusätzliche Schulden und holt auch externe Kapitalgeber hinzu. So übernimmt der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock 80 Prozent der Anteile an einer 14 Milliarden Dollar teuren KI-Infrastrukturanlage, die derzeit im US-Bundesstaat Texas gebaut wird. An einem anderen Rechenzentrum beteiligt sich der Finanzinvestor Blue Owl. Auch das nach wie vor boomende Werbegeschäft des Facebook-Konzerns finanziert die KI-Ausgaben. Metas Umsatz stieg im Quartal gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn sank um 14 Prozent auf rund 15,85 Milliarden Dollar. Das lag auch an hohen Kosten von 2,4 Milliarden Dollar, die Meta für Rechtsstreitigkeiten zurücklegen musste. Zahlreiche Gerichtsverfahren belasten den Konzern. Im März hatte ein kalifornisches Gericht Meta zur Zahlung von mehreren Millionen Dollar an eine 20-jährige Frau verurteilt, die nach eigener Darstellung durch Social-Media-Nutzung süchtig wurde. Tausende ähnliche Klagen gegen Meta sind in den USA noch anhängig. Microsoft dagegen konnte Anleger davon überzeugen, dass sein Geschäft von hohen KI-Investitionen profitiert. Der Softwarekonzern gab am Mittwoch dank einer boomenden Cloud-Sparte ein Quartalsergebnis über Markterwartungen bekannt. Die kostenpflichtige Variante des KI-Assistenten Copilot nutzen inzwischen mehr als 30 Millionen Anwender. Das zeige das "Vertrauen" der Kunden. Die Cloud-Erlöse stiegen im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 um 43 Prozent. Analysten hatten mit knapp 40 Prozent gerechnet. Der Konzernumsatz stieg um 18 Prozent auf 90 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn erhöhte sich um denselben Anteil auf 40,6 Milliarden Dollar. Einen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar habe Microsoft zudem durch seine Beteiligung an dem KI-Entwickler Anthropic verbucht. Zuletzt hatte Microsoft eine Kooperation mit dem französischen Start-up Mistral AI bekanntgegeben, um seine KI-Angebote in Europa auszuweiten. "In dieser Berichtssaison geht es um die Umsetzung von KI, nicht um die Begeisterung für KI", sagte Seth Hickle, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Mindset. Viele Anleger zweifeln, ob die hohen Ausgaben der weltgrößten Technologiekonzerne für KI-Infrastruktur gerechtfertigt sind. Vergangene Woche hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet ebenfalls heftig schrumpfenden Cashflow gemeldet und damit Investoren verunsichert. Alphabet hatte erstmals überhaupt einen negativen Cashflow gemeldet, nachdem das Unternehmen im abgelaufenen Quartal 5,9 Milliarden Dollar ausgegeben hatte. Das hohe Tempo, mit dem der Konzern Geld ausgibt, hatte selbst optimistischste Anleger verstört und der Aktie einen Kursrutsch beschert.