Datum29.07.2026 18:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Regierung von Oberbayern hat das Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter eingestellt. Zwar hat er gegen Dienstpflichten verstoßen, indem er bezahlte Tätigkeiten beim FC Bayern ohne Genehmigung ausübte. Dies wurde jedoch als Vergehen geringer Schwere eingestuft. Da Reiter im Ruhestand ist, sind Maßnahmen nur bei schwerwiegenderen Fällen zulässig. Seine Tätigkeit war genehmigungsfähig und er hatte die Vergütung gespendet.
InhaltErst kostete die Affäre um bezahlte, nicht genehmigte Aufgaben beim FC Bayern den Rathauschef den Job. Dann drohte Dieter Reiter Ärger mit der oberbayerischen Regierung. Dieses Verfahren wurde nun aber ad acta gelegt. Trotz Pflichtverstößen bei bezahlten Nebenämtern beim FC Bayern hat die Regierung von Oberbayern das Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingestellt. Es handle sich um ein Vergehen "geringer Schwere". Gegen Beamte im Ruhestand seien nur bei schwerwiegenderen Fällen Maßnahmen erlaubt, teilte die Behörde mit . Im Rahmen der Ermittlungen habe sich zwar grundsätzlich bestätigt, dass Reiter zumindest fahrlässig gegen beamtenrechtliche Pflichten verstoßen habe, hieß es in der Mitteilung der Bezirksregierung . Hintergrund sei, dass er die Tätigkeit beim FC Bayern München ausübte, "ohne diese zuvor angezeigt und die dafür erforderliche Genehmigung durch den Stadtrat der Landeshauptstadt München eingeholt zu haben". Zulasten des Ex-OBs nannte die Regierung von Oberbayern dabei unter anderem seine Leitungs- und Vorbildfunktion, die Ausübung der Tätigkeit über mehrere Jahre und die Vergütung sowie "eine erhebliche Außenwirkung". Zu seinen Gunsten wurde Reiter ausgelegt, dass er durch die Tätigkeit keinen Vermögensvorteil erlangt habe, der ihm rechtlich nicht zugestanden hätte. Zudem sei die Tätigkeit öffentlich bekannt und bei rechtzeitiger Antragstellung genehmigungsfähig gewesen. Reiter habe das Fehlverhalten öffentlich eingeräumt und die Vergütung gespendet – und der Stadtrat der Landeshauptstadt habe die Angelegenheit politisch abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund sei der Verstoß aus Sicht der Regierung zwar nicht unerheblich, aber auch nicht schwerwiegend. "Bei Ruhestandbeamten sind Disziplinarmaßnahmen aber gesetzlich generell nur bei schwerwiegenderen Dienstvergehen vorgesehen." Wäre Reiter noch im aktiven Dienst, wäre demnach grundsätzlich ein Verweis oder eine Geldbuße in Betracht gekommen. Bei Reiters Vergehen ging es um Posten im Verwaltungsbeirat des FC Bayern, ab Februar auch im Aufsichtsrat des Fußballvereins. Dies wurde vor der Kommunalwahl im März publik, was sich negativ auf Reiters Wahlkampf auswirkte. Der Politiker trat folglich von seinen Bayern-Ämtern zurück und spendete die 90.000 Euro, die er bis dato vom Verein bekommen hatte, an soziale Projekte. Trotzdem unterlag er bei der Wahl zum Oberbürgermeister überraschend deutlich seinem Herausforderer Dominik Krause von den Grünen. Noch am Abend der Stichwahlniederlage am 22. März verkündete er den Rückzug aus der Politik. Mit Krause zog erstmals ein Grüner ins Münchner Rathaus ein. Im SPIEGEL-Interview sprach er über die Krise der Bundespartei, die Arbeit mit Markus Söder und Küsse in der Öffentlichkeit. Lesen Sie hier das Gespräch .